Anti-Antifa - LinkFang.de





Anti-Antifa


Als Anti-Antifa werden unterschiedliche Personen und Gruppierungen bezeichnet, die einen politischen Kampf gegen Antifa-Gruppierungen und weitere Gegner wie Politiker, Journalisten oder Wissenschaftler führen. Zu unterscheiden sind[1]

  • meistens Anti-Antifa als (Selbst-) Bezeichnung von seit den frühen 1990er Jahren innerhalb des rechtsextremen Spektrums in Deutschland aktiven Gruppen, welche ihre Gegner bekämpfen und hierbei auch Gewalt einsetzen.
  • seltener Anti-Antifa als Bezeichnung für intellektuelle Rechtsextremisten und Rechtskonservative, die ihre Gegner durch journalistische und wissenschaftliche Aktivitäten zu bekämpfen versuchen.

Geschichte

Unter dem Slogan Anti-Antifa versuchten militante Rechtsextremisten eine gruppen- und organisationsübergreifende Kampagne zur gezielten Bekämpfung des linksextremistisch-militanten Gegners voranzubringen. Das Konzept gibt es auch in anderen Ländern, vergleichbar dazu ist "Redwatch", eine rechtsextreme Website aus Großbritannien, oder das „Onderzoeks- Documentatie- en Informatienetwerk“ (Forschung - Unterlagen - und Informationsnetzwerk) (ODIN) in den Niederlanden, bei dem auch Tim Mudde, Mitglied der RAC-Band Brigade M dabei war.

Zum ersten Mal tauchte der Terminus „Anti-Antifa“ in der Monatszeitschrift Nation Europa in einem Artikel „Plädoyer für einen Anti-Antifaschismus“ des Autors Hans Georg von Schirp in der Augustausgabe 1972 auf.[2] Erstmals vorgestellt wurde das Konzept Anti-Antifa 1992 vom Hamburger Neonazi Christian Worch[3] in der Zeitschrift Index der Nationalen Liste (NL). Die größte öffentliche Aufmerksamkeit erhielt die Anti-Antifa zunächst, als 1993 unter Federführung von Christian Worch und Norbert Weidner in einer Publikation mit dem Namen Einblick Personendaten von Nazigegnern, Journalisten und Politikern aus der gesamten Bundesrepublik veröffentlicht wurden.[3]

In den folgenden Jahren gingen die Aktivitäten zurück. Im Internet tauchten vereinzelt immer wieder Seiten auf Neonazi-Websites auf, die inhaltlich in der Tradition der älteren gedruckten Publikationen standen. Seit 2002 wurden abermals Aktionen dieser Gruppierungen bekannt. Die „Autonomen Nationalisten Berlin“ (ANB), die erstmals Mitte 2002 in Erscheinung traten, beziehen sich ausdrücklich auf die Anti-Antifa-Programmatik. Das sich aus dem Kameradschaftsumfeld speisende ANB-Projekt ist bislang vor allem durch Teilnahme an Demonstrationen sowie die Verbreitung von Aufklebern in Erscheinung getreten.

Im bayerischen Verfassungsschutzbericht 2006 wird erstmals die Gruppe Anti-Antifa-Nürnberg (AAN) mit 10 Mitgliedern erwähnt.[4] 2012 kam es in der Region vermehrt zu Aktionen, sowohl gegen Bürger, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, als auch gegen Antifa-Aktivisten. Dabei wurden z. B. Autos beschädigt, Häuser beschmiert, Scheiben eingeworfen und zuletzt ein totes Kaninchen in einen Briefkasten gesteckt. In Fürth veröffentlichten Unbekannte ein Flugblatt und diffamierten eine Lehrerin als Linksextremistin. Mitglied der AAN ist unter anderem Sebastian Schmaus, der für die Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) im Nürnberger Stadtrat sitzt.[5][6]

Im März 2010 haben Anhänger der Anti-Antifa Wetzlar einen Molotowcocktail auf das Haus eines Kirchenmitarbeiters geworfen, der sich gegen Rechtsextremismus engagierte. Das Landgericht Limburg verurteilte die Täter wegen versuchten Mordes zu mehrjährigen Haftstrafen.[7]

Beate Zschäpe beteiligte sich bei Aktionen der Anti-Antifa Ostthüringen und der Nachfolge-Organisation Thüringer Heimatschutz, in dem Tino Brandt zusammen mit Ralf Wohlleben und Andre Kapke organisiert waren. Außerdem gab es Kontakte zum militanten Neonazi-Netzwerk Blood and Honour.[8]

Ziele

Die Namensgebung bezieht sich auf Antifa-Gruppen (abgeleitet von Antifaschismus) der autonomen Szene, die gegen die verschiedenen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus vorgehen. Die Anti-Antifa beschreibt sich selbst als Informationssammelstelle zur „Feindaufklärung“, die persönliche Daten politischer Gegner sammelt und veröffentlicht[9] sowie deren Aktionen und Veranstaltungen dokumentiert.

Diese Vorgehensweise wurde von der „Outing“-Praxis vieler Antifa-Gruppierungen übernommen. Obwohl von direkten Aufrufen zur Gewaltanwendung von den Autoren dieser „schwarzen Listen“ meist abgesehen wird, distanzieren sich diese nicht ausdrücklich von Gewaltanwendung, so dass sie im Ergebnis der Einschüchterung politischer Gegner dienen und Gewalttaten gegen Einzelpersonen sowie linke oder alternative Projekte zur Folge haben. So lassen sich in Ostdeutschland vermehrt Übergriffe und Drohungen gegen Abgeordnete der Partei Die Linke feststellen.[10] Die Aktivisten der Anti-Antifa rekrutieren sich aus dem gewaltbereiten, ideologisch gefestigten Personenkreis des aktionsorientierten Rechtsextremismus.

Intellektuelle Anti-Antifa

Einige Repräsentanten der Neuen Rechten werden einer „intellektuellen Anti-Antifa“ zugeordnet. So wurde Hans-Helmuth Knütter als ein „führender Kopf der intellektuellen Anti-Antifa“ bezeichnet.[11] Thomas Grumke und Bernd Wagner zählten Knütter zur „akademischen Variante der Anti-Antifa“.[12] Clemens Heni bezeichnete Claus Wolfschlag als „Anti-Antifa Akademiker“.[13]

Literatur

  • Matthias Mletzko: Gewaltdiskurse und Gewalthandeln militanter Szenen – Unterschiede am Beispiel „Antifa“ und „Anti-Antifa“. Teil 1 in: Kriminalistik. August/September 2001, S. 543–548; Teil 2 in: Kriminalistik. Oktober 2001, S. 639–644.
  • Javier Rojas: Anti-Antifa. Ein Handbuch über eine aktive Tarnorganisation der Nazis. J. Rojas, Stuttgart 1999, ISBN 3-00-004043-9.
  • Andrea Röpke, Andreas Speit (Hrsg.): Braune Kameradschaften. Die neuen Netzwerke der militanten Neonazis. Ch. Links Verlag, Berlin, 2004, ISBN 3-86153-316-2.
  • Heribert Schiedel: Kulturpolitik von vorgestern und Anti-Antifaschismus. In: Wolfgang Purtscheller (Hrsg.): Die Rechte in Bewegung. Seilschaften und Vernetzungen der "neuen Rechten". Picus-Verlag, Wien 1995, ISBN 3-85452-289-4, S. 100 ff.

Fußnoten

  1. „Anti-Antifa“ - einigendes Band von Neonazis bis zur Intellektuellen Rechten Artikel des Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung von Anton Maegerle und Marin Dietzsch
  2. Anton Maegerle: Vom Obersalzberg bis zum NSU. Die extreme Rechte und die politische Kultur der Bundesrepublik 1988-2013. Edition Critic, Berlin 2013, S. 82
  3. 3,0 3,1 Glossareintrag (Memento vom 15. August 2009 im Internet Archive) der Bundeszentrale für politische Bildung
  4. Verfassungsschutzbericht 2006 erwähnt erstmals Anti-Antifa , netzwerkit.de vom 28. Januar 2008 , abgerufen am 25. Oktober 2012
  5. Neue Attacke von Neonazis in Fürth? , nordbayern.de vom 29. November 2012, abgerufen am 29. November 2012
  6. Anti- Antifa Nürnberg: Bedrohungen, Angriffe, Anschläge , blog.zeit.de vom 25. Januar 2013, abgerufen am 26. Januar 2013
  7. Vier Neonazis wegen Brandanschlag in Hessen verurteilt , www.focus.de vom 2. Februar 2011, abgerufen am 6. Februar 2011
  8. Andrea Röpke: Im Untergrund, aber nicht allein. Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 19. November 2012.
  9. „Anti-Antifa“-Akte mit über 150 Dresdner Personen (Memento vom 13. Dezember 2007 im Internet Archive) Mirror einer Pressemitteilung des Projekts „a.l.i.a.s.“
  10. Pflastersteine und Morddrohungen Mirror eines Artikels aus der Frankfurter Rundschau
  11. Anton Maegerle, Martin Dietzsch: Bonn im Visier. Die Rechtsextremen und die Bundestagswahl ’98. In: Tribüne 36 (1997) 141, S. 66.
  12. Anton Maegerle: Rechtsextremistische Gewalt und Terror. In: Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke. Vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske und Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3399-5, S. 161 und 162.
  13. Clemens Heni, Salonfähigkeit der neuen Rechten: "Nationale Identität", Antisemitismus und Antiamerikanismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1970-2005: Henning Eichberg als Exempel, Tectum Verlag 2007, S.409

Kategorien: Politik (Deutschland) | Rechtsextremismus

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Antifa (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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