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Anspitzer


Ein Anspitzer, im allgemeinen Sprachbereich auch Spitzer genannt, ist ein mechanisches Gerät, mit dem man einen aus Mine und Holzmantel bestehenden Stift anspitzen kann. In der Regel sind dies Bleistifte und Buntstifte.

Geschichte

Ursprünglich wurden die im 17. Jahrhundert erfundenen Bleistifte mit einem Messer gespitzt. Mit zunehmender Anzahl von Schreibstuben Anfang des 19. Jahrhunderts erhöhte sich auch der Gebrauch an Bleistiften, wobei der Zeitbedarf zum Anspitzen dieser Stifte einen wirtschaftlichen Verlust darstellte. In Anbetracht der aufkommenden Industrialisierung entstand der Bedarf an einem speziellen Werkzeug zum Spitzen.

Der erste manuell betriebene Bleistiftspitzer wurde im Jahr 1828 von dem Franzosen Bernard Lassimone vorgestellt. Das Gerät entsprach aber noch nicht dem, was man heute unter einem Anspitzer versteht.

Der Erfinder des Holzschliffes für die billige Papierherstellung Friedrich Gottlob Keller meldete 1883 das DRP 27254 für einen Bleistiftspitzer an und ergänzte dieses 1884 (DRP 29411) um ein Zusatzpatent. Beide zeigen die wesentlichen Züge der heute noch üblichen kleinen Handgeräte. Keller war aber finanziell nicht in der Lage, viele seiner Ideen auch wirtschaftlich selber nutzbar zu machen.

Im Jahr 1908 erfand der Konstrukteur Theodor Paul Möbius (1868–1953) in Erlangen den kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzer. Aus dieser Erfindung entwickelte sich in Erlangen ein ganzer Industriezweig. Das Unternehmen von Paul Möbius selbst, das zeitweise bis zu 150 Mitarbeiter beschäftigte, die von seinem Bruder Alfred Möbius und Heinrich Ruppert 1922 gegründete Möbius & Ruppert KG und die von Adam Klebes und Fritz Mußgüller 1919 gegründete Firma KUM fertigten, jährlich ca. 200 Mio. Spitzer und kamen noch Mitte der 1980er Jahre auf einen geschätzten Anteil am Weltmarkt von 75 %. Möbius & Ruppert und die KUM erweiterten ihre Produktpaletten um Kosmetikspitzer und Zeichengeräte. Das Unternehmen des Erfinders ging nach dessen Tod in eine Auffanggesellschaft über. Teile des Firmenarchivs werden heute im Erlanger Stadtarchiv bewahrt. Eine Auswahl von Anspitzern ist im Stadtmuseum ausgestellt.[1]

Funktionsweise

Während früher die Blei- und Buntstifte mit einem Messer angespitzt wurden, wird in einem Spitzer durch eine scharfe, am Gehäuse festgeschraubte, bis zu zwei Zentimeter lange, schmale Klinge, die Holzhaut des Stiftes fein und gleichmäßig abgeschnitten. Dabei wird der Stift mit einer Hand gedreht und der Spitzer mit der anderen festgehalten. Die Mine wird dabei gleichzeitig gespitzt.

Arten

Es gibt zwei Sorten: Den kleinen offenen Spitzer (aus Kunststoff, Holz oder Metall) und denjenigen, der ein Behältnis, meist aus Plastik, für das Auffangen des Spitzabfalls als Anhang besitzt. Für dickere Buntstifte ist in Letzterem meist ein zweites größeres Spitzloch eingelassen. Metallanspitzer bestehen aus den Metallen Magnesium oder Aluminium (Gehäuse), Stahl (Klinge) und der Legierung Messing (Schraube). Das Magnesium wirkt als Opferanode, um die Eisenklinge vor dem Rosten zu schützen.[2]

Bleistiftanspitzer werden auch als Motive verkauft, z. B. als kleine Weltkugel, als Modell-Grammophon, Spielzeug-Auto, etc.

Für Büros gibt es Spitzmaschinen mit Handkurbelbetrieb und elektrisch angetriebene Stiftspitzer. Diese besaßen üblicherweise und besitzen heute noch teilweise anstelle des einzelnen Messers eine um den Stift rotierende Fräsrolle oder ein Fräsrad, was sie wesentlich haltbarer macht. In Drogerien sind spezielle Spitzer für Schminkstifte erhältlich.

Kritik

Die Klinge eines Spitzers (mit kegelförmiger Stiftaufnahme und Einzelklinge) schneidet das Holz des Stiftes parallel zur Wuchsrichtung. Bei nicht einwandfreier Schärfe der Klinge führt dies regelmäßig zu Ausfaserungen des Holzes und einer unbefriedigenden Spitze. Die Klinge ist für einen ungeübten Anwender kaum nachschleifbar und muss somit durch eine neue ersetzt werden, was oft aus Nachlässigkeit und mangelnder Beschaffbarkeit unterbleibt. Da oft weder der Spitzer zentrisch perfekt gefertigt ist, noch die Mine stets zentrisch im Holz des Stiftes befestigt ist, ergibt sich oft eine einseitig zu kurze Spitze. Vor diesem Hintergrund wird von manchem Anwender immer noch die Methode des Spitzens mit einem scharfen Messer in Längsrichtung des Stiftes angewendet.

Die beschriebenen und heute meist verwendeten Anspitzer liefern systembedingt eine runde Spitze. In manchen Fällen ist dies unerwünscht. Zum Ziehen von feinen Linien haben sich zweiseitig flach angeschliffene Spitzen (Keilförmig; Meisselförmig) als vorteilhafter erwiesen, da eine solche Spitze bruchstabiler ist und sich langsamer abnutzt. Dies wird zum Beispiel beim Zurichten eines Zimmermannsbleistiftes regelmäßig gemacht. Bei einem Druckbleistift, bei dem die Mine ohne hölzerne Umhüllung eingesetzt wird, bleibt nur der Griff zu einem Schleifpapierstreifen, bei holzumhüllten Stiften kommt wieder das Messer zum Einsatz, um die Mine freizulegen und anschließend zurechtzuschleifen.

Nebensächliches

Als Anspitzer werden in übertragenem Sinne auch Personen bezeichnet, die andere Personen oder Tiere motivieren oder zu motivieren versuchen.

Weitere Bilder

Literatur

  • David Rees: Die Kunst einen Bleistift zu spitzen: Theorie und Praxis der Kunst des Bleistiftspitzens für Schriftsteller, Künstler, Unternehmer, Architekten, Handwerker, Juristen, Staatsdiener u.v.a. Eine praktische und theoretische Abhandlung. Metrolit Verlag, Berlin 2013. ISBN 978-3-8493-0045-6.

Einzelnachweise

  1. Bianca Braun: Bleistiftspitzer-Industrie. In: Christoph Friederich, Bertold Freiherr von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2 (Gesamtausgabe online ).
  2. Magnesium

Weblinks

 Wiktionary: Anspitzer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Anspitzer  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Büromaterial | Zeichenwerkzeug

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Anspitzer (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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