Anschau - LinkFang.de





Anschau


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-KoblenzVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Vordereifel
Höhe: 440 m ü. NHN
Fläche: 5,15 km²
Einwohner: 288 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56729
Vorwahl: 02656
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 004
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Kelberger Straße 26
56727 Mayen
Webpräsenz: www.vordereifel.de
Ortsbürgermeister: Franz-Josef Bläser
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Anschau ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Vordereifel an, die ihren Verwaltungssitz in Mayen hat.

Geographische Lage

Anschau liegt westlich von Monreal und südlich von Virneburg an der Straße von Niederelz nach Nachtsheim in der geologischen Formation „Anschauer Trog“ bzw. „Kürrenberg-Anschauer Mulde“ zwischen dem Waldescher-Nachtsheimer und dem Bürresheim-Bermeler Sattel.

Zur Gemeinde Anschau gehört außer dem namengebenden Ort auch der Weiler Mimbach, der am gleichnamigen Bach liegt.

Geschichte

Anschau gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Grafschaft Virneburg. Hier bestand – unter ursprünglich kurpfälzischer Lehenshoheit – anfangs eine Lehensgemeinschaft der Grafen von Virneburg mit den Grafen von Sponheim-Sayn.[2] 1381 verkaufte Jutta von Sayn († 1381/87), Witwe Adolfs III. von Grafschaft († 1381) zu Ehreshoven und Tochter Gottfrieds II. von Sayn († 1327), mit Zustimmung ihrer Söhne und der Grafen Adolf III. (1312–1383) und Johann von Virneburg ihr ererbtes Gut Anschowe bzw. Anschauwe im Gericht Nachtsheim mit Ackerland, Wiesen und allem Zubehör.[3] Dies ist vermutlich die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes.

Die Gemeinde unterlag bis zum Ende des Alten Reiches dem Mühlenzwang der Bannmühle in Niederelz.[4] Der Zehnte aus Anschau stand dem Propst des Stiftes Münstermaifeld zu (seit 1515 war das in Personalunion der Erzbischof von Trier), später erhielt davon 1/3 der Pfarrer von Nachtsheim.[5][6] Der Zehnte wurde verpachtet und brachte 1641/42 6 Malter Hafer ein, 1717 13 Malter Korn und 11 Malter Hafer und 1792/93 13 Malter Korn und 15 Malter Hafer.[6]

In „Ainschauwe“ wird 1488 ein herrschaftlicher Hof erwähnt; Graf Philipp II. von Virneburg und Neuenahr († 1522/25) und seine Frau Walburga von Solms (1461–1499) verschrieben eine Rente über 5 Malter Korn aus seinen Erträgen,[7] die noch mehr als 300 Jahre später auf dem Hof haftete.[8] Zu dem Hof gehörten Ländereien und Waldungen wie der „Kreuzbusch“ (heute Kreuzbus nördlich der Kläranlage am Elzbach gegenüber von Bermel).[9] In Mimbach gehörte den Virneburger Grafen das Iring-Gut mit einen Wald und Rodungsland bei der Holzwiese, oben längs der Büsch (heutiger Flurname wohl Im Buschseifen) und herab bis an den Bach.[10]

Nach dem Aussterben der Virneburger 1545 gelangte Anschau mit der Grafschaft an die Herrschaft Manderscheid-Schleiden. Es kam in der Folgezeit immer wieder zu Grenzstreitigkeiten zwischen dem virneburgischen Weiler Mimbach und den seit 1593 kurtrierischen Gemeinden Nachtsheim und Boos, insbesondere über die Holzwiese entlang dem Mimbach, die Büsche (gemeint ist vermutlich das heutige Flurstück Zwischen dem Büsch am Mimbach bei Münk), die Weidegerechtigkeit im Wald Segard[11] oder Sechardt (heute Im Seechert) und auf den Wiesen in der Mumpach[12] (Mimbach), über das Wasen-Stechen auf der Heide oberhalb Gerhardsbüschelchen und die Besteuerung der sogenannten Wohntal-Wiesen (heutige Flurnamen Im Wohntal, Wohntalskaul).[13] 1590 gestattete Magdalena von Nassau-Wiesbaden (1546–1604), die Witwe des Grafen Joachim von Manderscheid-Schleiden-Virneburg (* um 1540; † 1582), dem Virneburger Rentmeister und Vogt Johann Hilgers I., eine Kornrente in Anschau zu erwerben.[14] Nach dem Tod ihres Schwagers Dietrich VI. von Manderscheid-Schleiden-Kerpen (1538–1593) fiel Anschau mit der Grafschaft Virneburg an die Grafen von Löwenstein-Wertheim.

Statistiken von Eva Lacour zufolge gab es in Anschau zwischen 1582 und 1701 etwa 18 Haushalte, in Mimbach um die vier. 1598/99 grassierte in den virneburgischen Dörfern die Pest.[15] Am 9. Januar 1599 drangen etwa 100 kurtrierische Untertanen von Mayen aus mit Wissen und Willen des Erzbischofs Johann VII. von Schönenberg, der Ansprüche auf Schloss und Grafschaft Virneburg als einem kurtrierischen Erblehen erhob,[16] in die Grafschaft ein. Vier bewaffnete Schützen überfielen dabei auch den Weiler Mimbach, nahmen zwei Pferde mit und versuchten, Schweine zu stehlen. Clas Martins wurde von ihnen mit einem Rohr (Gewehr) in die Seite gestoßen und starb acht Tage später, vermutlich an den Folgen der Verletzung.[15] Magdalenas von Nassau älteste Tochter Elisabeth von Manderscheid (1569–1621), seit 1592 verheiratet mit Graf Christoph Ludwig von Löwenstein-Wertheim-Rochefort (1568–1618), belehnte 1606 Lukas (Laux) und seine Schwester Maria (Mergen) aus Mimbach mit dem dortigen Iring-Gut.[10]

Im Dreißigjährigen Krieg erhielten die Hofleute in Anschau 1643 vom Stift Münstermaifeld Nachlässe bei den Pachtzahlungen zugestanden, weil einquartierte Soldaten Schäden verursacht hatten.[17] Auch 1690 gab es Kriegsschäden in Anschau.[6] 1693 wurden die Renten des Adenauer Kellers Johann Kayser († um 1718) in Anschau beschlagnahmt, weil ihm vorgeworfen wurde, dass er Güter der Grafen von Löwenstein-Wertheim in dem von ihm verwalteten Kurkölner Amt Nürburg überhöht besteuert habe.[18] Im Frühjahr 1722[19] und 1730[20] wurden viele Häuser der Ortschaft durch Brände zerstört. 1773 wurden gräfliche wertheimische Hofgebäude in Anschau verkauft.[21]

Nach der Eroberung des linken Rheinufers durch die Französische Republik 1794 lagen 1796/97 französische Truppenteile in der Gemeinde.[22] Anschau gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Virneburg im Arrondissement de Bonn des Rhein-Mosel-Departements und unterstand der Verwaltung der Mairie Virneburg. Das gräflich wertheimische Gut „Kammerstück“ oder „Kemestück“ (heute Auf Kammerstück südöstlich des Dorfes),[23] das nicht viel mehr als 1 ha umfasste, ging in das Eigentum des französischen Staates über und wurde am 28. Nivose XII (19. Januar 1804) für 185 Francs (46 Taler) versteigert, am 2. Februar 1807 dann auch der Anschauer Hof mit 46 ha Land und 7 ha Wiesen für 5025 Francs (1340 Taler).[24][25] Nach dem Wiener Kongress wurde die Gemeinde preußisch. 1816/17 wurde Anschau in die Bürgermeisterei Mayen eingegliedert. Paul Schaefer legte 1827 im Anschauer Distrikt Wiesenboden am „Mümbach“ Richtung Mimbach eine Schleifmühle an (heutiger Flurname An der Alten Mühle).[26]

Von 1837 bis 1888 wurden die Kinder aus Anschau und Ditscheid gemeinsam in Mimbach unterrichtet, danach erhielt Anschau eine eigene katholische Schule, die bis Ende der 1960er Jahre bestand. Die Grundschule befindet sich heute in Boos, eine Realschule plus in Nachtsheim.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Anschau, die Werte von 1858 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[27]

Jahr Einwohner
1815
1835 182
1858 164
1871 166
1905 188
1939 216
Jahr Einwohner
1950 255
1961 219
1970 223
1987 245
2005 294

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Anschau besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.[28]

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: „Von Blau über Gold geteilt, oben einen silbernen Krummstab mit silbernem, goldgeschäfteten Beil schräg gekreuzt, unten 7 (4:3) zu 2 Balken aneinander gereihte rote Rauten“. Die Rauten stehen für die ehemalige Grafschaft Virneburg, der Krummstab ist das Attribut des Kirchenpatrons Ägidius von St. Gilles und das Beil erinnert an das Martyrium des Apostels Matthias, des früheren Kirchenpatrons.

Kirche

Die römisch-katholische St. Aegidius-Kirche in Anschau ist eine Filialkirche der Pfarrei Nachtsheim. In Nachtsheim wurden schon von alters her die Verstorbenen des Dorfes begraben.[15] Der jetzige Kirchbau, eine Kleinkirche im Heimatschutzstil, wurde 1950–1951 nach Plänen von Fritz Thoma (1901–1977) errichtet. Für den Vorgängerbau, eine 1657 erwähnte St. Matthias-Kapelle,[29] wurde 1671 eine Glocke geweiht.[30] 1792 wurde im Kapitel des Stiftes Münstermaifeld als Mitinhaber des Zehnten über einen Kirchenbau in Anschau verhandelt.[29]

Quellen

  • Irmtraut Eder-Stein, Rüdiger Lenz, Volker Rödel (Bearb.): Löwenstein-Wertheim-Freudenbergsches Archiv Grafschaft Virneburg., Bd. I Inventar des Bestands F US 6 im Staatsarchiv Wertheim Urkundenregesten 1222–1791. (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg 51,1). W. Kohlhammer, Stuttgart 2000
  • Martina Heine, Rüdiger Lenz (Bearb.): Löwenstein-Wertheim-Freudenbergsches Archiv Grafschaft Virneburg., Bd. II Inventar des Bestands F 103 im Staatsarchiv Wertheim. Akten und Rechnungen 1192–1819 (1832). (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg 51,2). W. Kohlhammer, Stuttgart 2000

Literatur

Weblinks

 Commons: Anschau  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Vgl. Wilhelm Iwanski: Geschichte der Grafen von Virneburg von ihren Anfängen bis auf Robert IV. (1383). (diss. phil. Berlin). Görres, Koblenz 1912, bes. S. 19f (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz).
  3. Urkunden vom 24. (Regest: „Anschosse“, wohl verlesen) und 30. Juni 1381; Staatsarchiv Wertheim (F-US 6, Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 70 und 72).
  4. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1111, 1396, 1539 und 1540; Nachträge, Nr. 86).
  5. Zur Zehnthaferplicht der Dörfer Anschauw und Mümpach vgl. Nachtsheim, Kath. Pfarramt, Nr. 3 Schultregister dero pfarkirchen in Nachtsheim, lit. g) Ordenung, wie die sentscheffen alle iahr die seinthaber auffheben sollen, (1460) 1665. In: Armin Tille (Bearb.): Die Kreise Jülich und Mayen. (Übersicht über den Inhalt der kleinerer Archive der Rheinprovinz II/1). Carl Georgi, Bonn 1901, S. 85.
  6. 6,0 6,1 6,2 Vgl. C. Graf von Looz-Corswarem (Bearb.): Kollegiatstift (a. a. O.), S. 686f.
  7. Vgl. Urkunde vom 15. Juni 1488; Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 1A Urkunden der geistlichen und staatlichen Verwaltung, Nr. 2734).
  8. Sie stand 1807 Dr. Johann Friedrich Lebens zu, dem Präsidenten des Koblenzer Kriminalgerichts (tribunal criminel) und späteren Geheimen Oberregierungsrat; vgl. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 256 Präfektur des Rhein-Mosel-Departements in Koblenz, Sachakten 6346 und 10682).
  9. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1380, 1417, 1440, 1701 u. a.).
  10. 10,0 10,1 Urkunde vom 14. September 1606; Staatsarchiv Wertheim (F-US 6, Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 694a).
  11. Regest von 1600; Otto Graf von Looz-Corswarem, Hellmuth Scheidt (Bearb.): Repertorium der Akten des ehemaligen Reichskammergerichts im Staatsarchiv Koblenz. (Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1). Selbstverlag. der. Landesarchivverwaltung, Koblenz 1957, Nr. 1329, S. 224.
  12. Regest von 1663; O. Graf von Looz-Corswarem, H Scheidt (Bearb.): Repertorium (a. a. O.), Nr. 1410, S. 236.
  13. Vgl. Akten 1551, 1571, 1579, 1593–1609, 1620, 1627–1630, 1663, 1710, 1715–1733, 1752–1756 und 1782–1791; Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 808, 812, 826, 827, 839-845, 854, 858, 861–863, 875 und 1668; auch F-US 6 Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 480 und 694a); Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 34 Reichsgrafschaft Virneburg, Sachakten 885 und 886; Bestand 1C Akten der geistlichen und staatlichen Verwaltung, Amt und Kellerei Mayen, Sachakte 7029).
  14. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 277, 456, 549 und 883).
  15. 15,0 15,1 15,2 Vgl. Notariats-Instrumente des Notars Peter Mauer von Kronenburg, Bürger zu Münstereifel, vom 3. und 4. März 1599; Staatsarchiv Wertheim (F-US 6, Grafschaft Virneburg – Urkunden, Nr. 688 und 689).
  16. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1 u. a.).
  17. Vgl. C. Graf von Looz-Corswarem (Bearb.): Kollegiatstift (a. a. O.), S. 211.
  18. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 883).
  19. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 678).
  20. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1078 und 1677).
  21. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1238).
  22. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103 Grafschaft Virneburg – Nachträge, Nr. 40).
  23. Vgl. Verpachtung des Kemestücks zu Anschau, 1662; Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 1495).
  24. Vgl. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 256 Präfektur des Rhein-Mosel-Departements in Koblenz, Sachakten 10153 und 10280).
  25. Vgl. Johann Friedrich Schannat, Georg Bärsch: Eiflia illustrata, Bd. III/1/2 Die Städte und Ortschaften der Eifel und deren Umgebung. Jakob Anton Mayer, Aachen / Leipzig 1852, S. 95.
  26. Vgl. Landeshauptarchiv Koblenz (Bestand 441 Bezirksregierung Koblenz, Wirtschaft, Handel und Gewerbe, Mühlen und Stauanlagen in den Gemeinden, Sachakte 14547).
  27. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  28. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  29. 29,0 29,1 Vgl. C. Graf von Looz-Corswarem (Bearb.): Kollegiatstift (a. a. O.), S. 684.
  30. Vgl. Staatsarchiv Wertheim (F-Rep. 103, Grafschaft Virneburg, Nr. 930).

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