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Anna Siemsen


Anna Marie Siemsen (* 18. Januar 1882 im Dorf Mark, heute Hamm; † 22. Januar 1951 in Hamburg; vollständiger Name: Anna Marie Emma Henni Siemsen, verheiratet Vollenweider; Pseudonym Friedrich Mark) war eine deutsche Pädagogin, Politikerin und Autorin.

Leben

Im Jahr 1882 im Dorf Mark bei Hamm in Westfalen geboren, wuchs Anna Siemsen in einer protestantischen Pfarrersfamilie auf mit den Geschwistern Paula (1880–1965; seit 1911 verheiratet mit Karl Eskuchen), August (1884–1958; Pädagoge, Politiker, Journalist, Publizist), Karl (1887–1968; Jurist, Politiker) und Hans (1891–1969; Journalist, Schriftsteller).[1] Sie besuchte eine Höhere Töchterschule in Hamm, legte 1901 in Münster ein Lehrerinnenexamen ab, arbeitete danach zunächst als Privatlehrerin und studierte 1905 bis 1911 Germanistik, Philosophie und Latein in München, Münster und Bonn. Im Jahr 1909 promovierte sie zum Dr. phil.; 1910 legte sie das Staatsexamen für den Unterricht an höheren Schulen ab. Es folgte in ihrer pädagogischen Ausbildung 1912 die Ergänzungsprüfung im Fach Evangelische Religion an der Universität Göttingen, woraufhin sie als Gymnasiallehrerin arbeitete.

In den Jahren 1920/1921 war sie Beigeordnete für das Fach- und Berufsschulwesen in Düsseldorf. Sie wechselte dann für die Zeit von 1921 bis 1923 als Oberschulrätin beim Magistrat nach Berlin, wo sie zum Gründerkreis des Bundes Entschiedener Schulreformer gehörte. Im Rahmen der Greilschen Schulreform wurde sie am 24. August 1923 Oberstudienrat für die Allgemeinschulen des Schulgebietes Jena-Weimar. Im gleichen Jahr erhielt sie eine Honorarprofessur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 1932 wurde ihr diese Honorarprofessur durch den nationalsozialistischen Volksbildungsminister Fritz Wächtler entzogen, weil sie eine Petition zugunsten von Emil Julius Gumbel unterzeichnet hatte.[2] Es folgte 1933 die Emigration in die Schweiz. Dort ging sie 1934 zur Erlangung eines sicheren Aufenthaltsstatus eine Scheinehe mit Walter Vollenweider ein, dem seinerzeitigen Sekretär der Schweizer Arbeiterjugend. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Anna Siemsen 1946 nach Deutschland zurück und übernahm 1947 die Leitung eines Sonderlehrgangs zur Ausbildung von Volksschullehrern. Von 1947 bis 1949 hatte sie einen Lehrauftrag für neuere Literatur an der Universität Hamburg inne. In den Folgejahren von 1949 bis 1951 lehrte sie am Pädagogischen Institut der Universität Hamburg.

Anna Siemsen war die Schwester des Politikers und Pädagogen August Siemsen.

Politisches Leben

Anna Siemsen schloss sich während des Ersten Weltkrieges dem pazifistischen Bund Neues Deutschland an und war von 1919 bis 1922 Mitglied in der USPD und saß 1919/1920 als Stadtverordnete der USPD in der Düsseldorfer Stadtverordnetenversammlung. Von 1923 bis 1931 folgte die Mitgliedschaft in der SPD, wo sie zum linken, pazifistischen Parteiflügel zählte, für die sie von 1928 bis 1930 Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Leipzig war. Seit Gründung der Urania, Monatshefte für Naturerkenntnis und Gesellschaftslehre 1924 durch Julius Schaxel schrieb sie für diese pädagogische Beiträge, besonders über Kinder- und Jugendliteratur aus sozialistischer Perspektive. Anna Siemsen arbeitete ab 1927 an der Zeitschrift Der Klassenkampf-Marxistische Blätter mit, war Mitherausgeberin der Jungsozialistischen Schriftenreihe und gehörte dem Vorstand der Deutschen Liga für Menschenrechte sowie der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit an. 1926 zählte sie zu den Gründungsmitgliedern des vom SPD-Parteivorstand abgelehnten Bundes sozialdemokratischer Intellektueller.

In den Jahren 1931 bis 1933 war Anna Siemsen Mitglied in der SAPD, dort galt sie als Kopf des „rechten“, d.h. linkssozialdemokratisch-pazifistisch geprägten Parteiflügels. Mit ihren Beiträgen prägte sie in dieser Zeit das Profil der Wochenzeitung der Partei (Sozialistische Wochenzeitung-Die Fackel, später Kampfsignal).

Während ihrer Emigrationszeit in der Schweiz arbeitete Anna Siemsen von 1933 bis 1946 in der SPS mit und redigierte deren frauenpolitische Zeitschrift Die Frau in Leben und Arbeit. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland war sie von 1946 bis zu ihrem Tod im Jahr 1951 Mitglied in der SPD, wo sie Bildungs- und Jugendarbeit betrieb und engagierte sich für die europäische Einigung, so in der Sozialistischen Bewegung für die Vereinigten Staaten von Europa (deren deutsche Sektion nach ihrem Tod ihr zu Ehren in Anna Siemsen-Kreis umbenannt wurde) und im Deutschen Rat der Europäischen Bewegung, dessen Exekutivrat sie ab 1950 angehörte.[3]

Werke

  • Die Wörter der Form ¤´-`-x in den Versen Hartmanns von Aue. Bonn 1909 (Dissertation).
  • Erziehung im Gemeinschaftsgeist. Stuttgart 1921.
  • Stilproben. Bielefeld und Leipzig 1922.
  • Literarische Streifzüge durch die Entwicklung der Europäischen Gesellschaft. Jena 1925.
  • Zum 400. Todestag von Thomas Münzer 1525. Zwickau 1925.
  • Beruf und Erziehung. Berlin 1926.
  • Politische Kunst und Kunstpolitik. Berlin 1927.
  • Daheim in Europa. Unliterarische Streifzüge. Urania, Jena 1928.
  • Von unten auf. Das Buch der Freiheit. Dresden 1928 (in 3. Auflage gemeinsam herausgegeben mit Franz Diederich).
  • Das Buch der Mädel. Jena 1929.
  • Menschen und Menschenkinder aus aller Welt. Jena 1929.
  • Selbsterziehung der Jugend. Berlin 1929.
  • Zur Jugendweihe. Der Weg zur Gemeinschaft. Leipzig o.J. (vermutlich 1930).
  • Religion, Kirche und Sozialismus. Berlin 1930.
  • Parteidisziplin und sozialistische Überzeugung. Berlin 1931.
  • Auf dem Wege zum Sozialismus. Kritik der sozialdemokratischen Programme von Heidelberg bis Erfurt. Berlin 1932.
  • Deutschland zwischen Gestern und Morgen. Jena 1932.
  • Der Weg ins Freie. Zürich 1943.
  • Zehn Jahre Weltkrieg. Olten 1946.
  • Einführung in den Sozialismus. Hamburg 1947.
  • Spanisches Bilderbuch. Düsseldorf 1947.
  • Briefe aus der Schweiz. Hamburg 1947.
  • Die gesellschaftlichen Grundlagen der Erziehung. Hamburg 1948.
  • Kunst und Politik. Ein Wort zu unserer Zeit und ihren Verpflichtungen. Hamburg 1948.
  • Frauenleben in drei Jahrtausenden. Düsseldorf 1948.
  • Goethe. Mensch und Kämpfer. Eine Einführung in sein Leben und eine Auswahl der Gedichte. Frankfurt 1949.
  • Das Buch der Freiheit. Stimmen der Völker und Nationen aus vier Jahrtausenden. Frankfurt 1956 (gemeinsam herausgegeben mit Julius Zerfass).

Zeitschriftenbeiträge (Auswahl)

Literatur

  • August Siemsen: Anna Siemsen, Leben und Werk. Hamburg o.J. (vermutlich 1951).
  • Anna Siemsen, Internationales Biographisches Archiv 06/1951 vom 29. Januar 1951, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Ralf Schmölders: Anna Siemsen - sozialistische Pädagogin in der Weimarer Republik. In: Ilse Brehmer (Hrsg.): Mütterlichkeit als Profession? Lebensläufe deutscher Pädagoginnen in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Band 1. Centaurus, Pfaffenweiler 1990, ISBN 3-89085-258-0, (Frauen in Geschichte und Gesellschaft 4, 1), S. 110–124.
  • Ralf Schmölders: Personalbibliographie Anna Siemsen (1882–1951). Archiv der Arbeiterjugendbewegung, Oer-Erkenschwick 1992, ISBN 3-926734-14-0, (Archivhilfe 5).
  • Rudolf Rogler: Anna-Siemsen (1882–1951). Leben und literarisches Werk mit Anmerkungen zu ausgewählten Schriften. Eigendruck, Berlin-Neukölln, (Mit Druckfehlern auch in: interventionen (Zeitschrift des POSOPA e.V.) ISSN 0939-4885 , 1995, Heft 5, S. 7–53).
  • Inge Hansen-Schaberg: Anna Siemsen (1882–1951). Leben und Werk einer sozialistischen Pädagogin. In: Gisela Horn (Hrsg.): Die Töchter der Alma mater Jenensis. Neunzig Jahre Frauenstudium an der Universität von Jena. Beiträge eines wissenschaftlichen Kolloquiums, gehalten im Dezember 1997 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Hain-Verlag, Rudolstadt u. a. 1999, ISBN 3-930215-75-6, (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Jena 2), (Hain-Wissenschaft), S. 113–136.
  • Paul Mitzenheim: Friedenserziehung - ein fester Bestandteil der pädagogischen Bestrebungen von Anna Siemsen. Jenaer Forum für Bildung und Wissenschaft e.V., Jena 2000, ISBN 3-9807066-2-1, (Schriften des Jenaer Forums für Bildung und Wissenschaft e.V.).
  • Cornelia Carstens: Für Freiheit, Wahrheit und Glück. Die Pädagogin und Politikerin Anna Siemsen (1882–1951). In: Berlinische Monatsschrift 10, 2001, Heft 2, ISSN 0944-5560 , S. 55–59.
  • Christine Mayer: Siemsen, Anna Marie Emma Henni, verheiratet Vollenweider. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 381–383 (Digitalisat ).
  • Anna Siemsen. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band 1: Verstorbene Persönlichkeiten. Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH, Hannover 1960, S. 289–290.
  • R. Jungmann, L. Rothe: Siemsen, Anna Marie. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 429–430.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Christine Mayer: Siemsen, Anna Marie Emma Henni, verheiratet Vollenweider. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 381–383 (Digitalisat ).
  2. Anfang 1933 gehörte sie mit ihrem Bruder August Siemsen auch zu den Unterzeichnern des Dringenden Appells des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) von Leonard Nelson, der wegen seiner kunsthistorischen Auswirkungen von einer gewissen Bedeutung wurde.
  3. http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/nachlass/nachlass_s/siemsen-an.htm

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Anna Siemsen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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