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Anholt


Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Isselburger Stadtteil Anholt. Für weitere Bedeutungen siehe: Anholt (Begriffsklärung).
Anholt
Stadt Isselburg
Höhe: 7 m
Fläche: 13,48 km²
Einwohner: 4107 (2012)
Bevölkerungsdichte: 305 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 46419
Vorwahl: 02874

Anholt (plattdeutsch Aanoldt) ist ein Stadtteil von Isselburg im nordrhein-westfälischen Kreis Borken. Von 1347 bis zu seiner Eingemeindung 1975 besaß Anholt das Stadtrecht.

Anholt liegt auf einer Höhe von m über NN unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze. Zum Ort gehören die Bauerschaften Dwarsefeld, Regniet, Hahnerfeld und Breels. In Anholt leben derzeit 4107 Menschen (Stand 31. Dezember 2012).[1]

Geschichte

Der Anfang bzw. das Entstehen von Anholt liegen im Dunkeln. 1169 wurde ein Herr von Sulen und Anholt als Gefolgsmann des Utrechter Bischofs Godefried von Rhenen genannt, und unter Bischof Balduin (1178–1196) ist im Lehnsregister des Bistums ein „here van Anholt“ aufgeführt. Die Edelherren von Sulen gelten daher als die Erbauer der Anholter Burg. 1234 trat der erste namentliche Herr van Anehalte, Stephan I. von Sulen, auf.

Die Burg Anholt und die Ansiedlung waren zu einer reichsunmittelbaren Herrschaft geworden, mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches als ihren Lehnsherrn. Das Lehensverhältnis zu Utrecht scheint Anfang des 14. Jahrhunderts als nicht mehr existent, so erhielt Anholt am 25. Mai 1347 durch Stephan IV. von Sulen die Stadtrechte.

Die Grenzlage Anholts zwischen dem Fürstbistum Münster im Osten, dem Herzogtum Kleve im Süden und dem Herzogtum Geldern im Norden und Westen gab Anlass zu immer neuen Streitigkeiten und wechselten Abhängigkeiten. Noch 1353 bestätigte Dietrich II., Herr von Sulen, dem Erzbischof von Köln, dass Burg und Stadt Anholt für das Erzbistum ein Offenhaus sei.[2]

Die Stadt Anholt wurde stark befestigt. Drei Stadttore, die Außen- und Binnengräben sowie Stadtmauer und Wall schützen die Stadt in schweren Zeiten. Verursacht durch den nicht eindeutigen Ursprung seiner Lehensherkunft, hatten die Herren von Anholt mit den Territorial-Ansprüchen seiner westlichen Nachbarn zu kämpfen.

Das Gebiet der Herrschaft Anholt scheint von alters her unverändert durch folgende Punkte begrenzt worden zu sein: In Nordosten „Dreibäumer“ (drei Schlagbäume: Fürstbistum Münster, Grafschaft Zutphen und Grafschaft Anholt), im Osten die Issel, im Süden die Clevische Landwehr, in Westen wiederum bis zur Einmündung in die Issel, die „Wildtsche Brücke“ vor Gendringen und von hier aus zum Norden bis zur Bocholter Aa.

Anholt gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Durch Heirat kam Anholt 1641 an die Fürsten Salm, die es nach dem Verlust ihrer linksrheinischen Gebiete zur Residenz ihrer münsterländischen Entschädigungslande machten (Fürstentum Salm). Das Fürstentum wurde 1810 von Frankreich annektiert. 1815 nach dem Wiener Kongress fiel es an Preußen (Provinz Westfalen).

Chronologie der Herren von Anholt

Haus Sulen-Anholt (unvollständig)

  1. Stephan I. (1234–1249)
  2. Stephan II. (1260–1299)
  3. Johann I. (1281–1303)
  4. Stephan IV. (1313–1347)
  5. Dietrich II. (1335–1364)
verleiht Stadtrecht
  1. Stephan VI. (1364–1373)
  2. Friedrich (1371–1380)
  3. Herberga (1372–1402)

Haus Gemen-Anholt

  1. Hermann III. von Gemen (1370–1399)
  2. Margaretha von Gemen (1388–1405)

Haus Bronckhorst-Batenburg

  1. Gisbert I. (1402–1429)
  2. Dietrich I. (1429–1451)
  3. Gisbert II. (1451–1473)
  4. Jacob I. (1473–1512)
Besetzung durch Karl von Egmond, Herzog von Geldern (1512–1537)
  1. Dietrich II. (1537–1549)
  2. Dietrich III. (1549–1575)
  3. Jacob II. (1575–1582)
Kaiser Ferdinand II. verlieh den Reichsgrafenstand

Grafen von Bronckhorst-Batenburg, „Grafen von Anholt“

  1. Gertrud von Mylendonk (1582–1612)
  2. Dietrich IV. (1612–1649)

Fürsten zu Salm

  1. Leopold Philipp Carl (1649–1663)
  2. Carl Theodor Otto (1663–1710)
  3. Ludwig Otto (1710–1738)
  4. Nicolaus Leopold (1738–1770)
Seit 1743 Fürsten zu Salm-Salm
  1. Ludwig Carl Otto (1770–1778)
  2. Constantin (1778–1828)
Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich und Souveränität durch Unterzeichnung der Rheinbundakte (1806); Verlust der Souveränität durch französische Annexion (1810/1811), Standesherr im Königreich Preußen (ab 1815)
  1. Wilhelm Florentin (1828–1846)
  2. Alfred I. (1846–1886)
  3. Leopold (1886–1908)
  4. Alfred II. (1908–1923)
  5. Nikolaus Leopold Heinrich zu Salm-Salm (1923–1988)
  6. Carl Philipp (seit 1988)

Kirchengeschichte

Die Bezeichnung „Anholt“ galt ursprünglich nur der Burg, während der Name „Bredenasle“ die Umgebung bezeichnete. Bredenasle könnte sich gegebenenfalls ableiten von „Breite Issel“. Gemeint sein könnte aber auch ein Überschwemmungsgebiet, wo sich bei Hochwasser die Issel ausbreiten konnte. Eine Kirche zu Bredenasle, in der Nähe von Schloss und Stadt Anholt, taucht 1313 in einem Register der Kirchen und Benefizien der Diözese Münster auf. Dort wird sie neben der Pfarrei Bocholt, der Münsterschen Domdekanei, als tributpflichtig genannt. Sicher ist, dass Bredenasle als selbstständige Pfarrei neben Bocholt genannt wird und zum Archidiakonat Bocholt gehörte. Die Pfarrei Bredenasle hat längst vor 1313 bestanden und ist uralt. Nach dem Urteil von Kunsthistorikern wies der Turm der alten Stadtkirche romanische Bauelemente auf. Der Turm und das Langhaus waren aus Tuffstein gemauert. Nach dem 13. Jahrhundert wurden in dieser Gegend keine romanischen Kirchen mehr errichtet und als Baumaterial kein Tuffstein mehr verwendet. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass die Herren von Sulen vor Ende des 13. Jahrhunderts, als Gründer der Stadt, für die Ansiedlung eine „Eigenkirche“ bauen ließen, also eine Kirche (St. Pankratius) auf der Missionsroute des angelsächsischen Missionars Bernward, als Stützpunkt zur Missionierung des Südergaus Ende des 8. Jahrhunderts. Die ersten Herren von Anholt kamen aus dem Utrechter Raum und waren Lehensleute der Utrecher Bischöfe. Zusammenfassung der Vikarien an der Anholter Pfarrkirche: 1401 St. Johannes Evangelist, 1489 St. Marien und Christopherus, 1496 St. Antonius der Gr., 1543 St. Gerog, 1587 St. Jurrien, 1666 Beate Mariae Virginis, 1675 hl. Kreuz und hl. Antonius. Das entspricht der Anholter Geistlichkeit bis 1645. Erhalten sind die Vikarien von 1666 und 1675 beiden wurden in der heutigen (1851) Pfarrkirche Seitenaltäre errichtet.

Die Jurisdiktion war indifferent, ursprünglich hat sie zunächst der Diözese Utrecht unterstanden, danach Lüttich, dann Köln und schließlich Münster. Mitte des 15. Jahrhunderts sind alle pfarrherrlichen Rechte auf die Anholter Kirche übergegangen und die Kirche von Bredenasle (als ehemalige Mutterkirche bezeichnet) wurde abgerissen. Im Jahre 1451 wurde ein gotischer Hochchor an die alte romanische Kirche gebaut, welche bis 1852 bestand. Der gotische Hochchor überragte in Höhe und Länge das romanische Langhaus. 1851 wurde der Grundstein zur neuen katholischen Kirche gelegt. Diese große neoromanische Kirche (Basilikastil) wurde von Prof. Friedrich Stummel aus Kevelaer in reicher Ausmalung geschmückt, im Volksmund gerne "Anholter Dom" genannt. Der Anholter Töpfermeister Wilm Rinck schuf ein Plattendekor welches nahezu in seiner Fülle einzigartig ist. Die gewaltigen Türme prägten das Stadtbild bis 1945. Die deutsche Wehrmacht sprengte die Türme kurz vor der Kapitulation am Gründonnerstag und Karfreitag 1945. Bemerkenswert ist die Pfarrbibliothek. Die Herren von Anholt hatten stets (von alters her) das Patronatsrecht über die Pfarrei. Sie achteten darauf, dass möglichst gelehrte Pfarrherren eingesetzt wurden. Hier sollten genannt werden: Nicolaus Pinders (1659–1699), der als Theologe selber Bücher verfasste, und Gottfried Theodor Ebereich (1700–1729), zuvor Missionar der römischen Congregation der Propaganda. Beide haben einen großteil der historischen Bücher hinterlassen. Eine erhebliche Erweiterung der Bestände erfolgte nach Auflösung seit 1717 in Anholt bestehenden Jesuiten-Mission und -Schule 1773. Schließlich fiel noch der persönliche Bestand des ehemaligen Augustiner Regular-Kanonikers von St. Elisabeth bei Roermond und späteren Kaplans in Anholt, Johann von Straelen (1801–1844) testamentarisch an die Pfarrbibliothek.

Bereits seit 1555 gab es in Anholt eine Stadtschule, die dem Landesherrn unterstand. Sie war anfangs nur Knaben zugänglich und hatte Latein als ordentliches Unterrichtsfach, besonderer Pflege wurde dem Kirchengesang gewidmet, dem sogenannten Klerkenchor. 1793 gründet der ehemalige Benediktinerpater Schollmeyer eine Lehr- und Erziehungsanstalt mit Internat für Jungen und Mädchen mit den Unterrichtsfächern Latein, Französisch und Niederländisch. Dieses Institut bestand bis 1835 und kann als Vorläufer der 1857 gegründeten Rektoratsschule gelten. Diese umfasste die Klassen von Sexta bis Untertertia. Die Rekotatsschule die sich am Anholter Markt befand wurde 1939 aufgelöst.

1787 erteilte die fürstliche Verwaltung die Genehmigung zur freien Religionsausübung, das ist der Beginn einer selbstständigen evangelischen Gemeinde in Anholt. Der erste Betsaal wurde im Pilatushof errichtet, im Jahre 1911 wurde die neue evangelische Kirche am östlichen Wallaufgang geweiht.

1616 wurde der erste jüdische Einwohner in der Herrschaft Anholt erwähnt. 1812 waren es schon 12 Familien. Im Jahre 1841 wurde in der Niederstraße eine Synogoge errichtet. Am 24. März 1945 wurde die Synagoge durch Brandbomben zerstört. Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Friedhof in der Dwarsefeld errichtet. Der älteste Grabstein trägt die Jahreszahl 1821.

Politische, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte

1431 bestätigte Kaiser Sigismund (1368–1437) nochmals die reichsunmittelbaren Rechte, wie u. a. die hohe und niedrige Gerichtsbarkeit, das Münzrecht, das Zollrecht sowie das Recht, Jahrmärkte abzuhalten. Nachweislich übten die Herren von Anholt das Münzrecht aus. Um 1350 sind von Friedrich van Zuylen (Sulen) zwei Münzen erhalten mit der Umschrift moneta domini Anholtensis.

1451 gründete Dietrich I. Herr zu Anholt die St.-Antonius-Gilde. Am 17. Januar, dem Gedenktag des Hl. Antonius, wurde in der Pfarrkirche ein feierliches Hochamt für die Gildemitglieder zelebriert. Diese Bruderschaft, die zu den ältesten in Westfalen gehörte, erfuhr nach dem Zweiten Weltkrieg keine Wiederbelebung.

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts sind große Prozessionen und Wallfahrten bekannt, wie zum Beispiel Sonntag vor Pfingsten zum Kapellensonntag (Kreuzkapelle Regniet), Pfingstmontag über die Burg zum Kreuzberg. Das hieß, viel Volk zu beherbergen und zu verköstigen. Dieser Auflauf an Menschen, die eine „wundertätige leve vrouw“ mit sich trugen, kann als Vorläufer der heute noch stattfindenden Anholter Pfingstkirmes gesehen werden und ist somit eines der ältesten Volksfeste der näheren und weiteren Umgebung. Welche Bedeutung diese Anholter Kirmessen hatte, zeigt eine Aufzählung von 1825. Demnach standen Pfingsten 50 Buden und zur Herbstkirmess am Sonntag nach Mariä Geburt (8. September) sogar 67 Buden. Seit der Gründung des Grenzland-Tambourcorps und Fanfarenzugs Anholt im Jahr 1949 feiert zu Pfingsten der Musikzug mit der traditionellen Pfingstkirmes sein Stiftungsfest.

Fehden, Überfälle und Brandschatzungen bestimmten vom 15. bis ins 18. Jahrhundert immer wieder die Geschicke der Stadt. Im Zuge der von 1492 bis 1537 währenden „Geldernsche Fehde“ zwischen Herzog Karl von Geldern einerseits und den Habsburgern sowie dem Herzogtum Kleve andererseits eroberte Karl von Geldern 1512 Burg und Stadt Anholt und beschlagnahmte sämtliche Besitzungen der Herren von Anholt in seinem Machtbereich.[3] Nach 25-jähriger Fremdherrschaft gelang es Dietrich II. von Bronckhorst-Batenburg, am 21. November 1537 mit persönlicher Hilfe Kaiser Karls V. Herrschaft und Stadt wieder in seinen Besitz zu führen.

1579 widersetzte sich Dietrich III. von Bronckhorst-Batenburg der Zumutung, sich der Utrechter Union (Vereinigung der protestantischen Provinzen der Niederlande) anzuschließen, und trat als überzeugter Katholik der spanischen Seite bei. So wurde die Herrschaft Anholt zeitweise eine katholische Enklave. Zu dieser Zeit waren bis zu sieben Vikare in Anholt tätig. 1580 überfielen die Geusen (Anhänger der Utrechter Union) unter Befehl von Wolter Hegemann (* ca. 1545 in Harderwijk, † 1582 in Bronkhorst) die Stadt, plünderten die Kirche, raubten ihre Schätze (Bildersturm) und setzten die Stadt in Brand.

1641 schloss Dietrich IV. Graf von Bronckhorst-Batenburg zu Anholt (1578–1649) für sein einziges Kind Maria Anna einen Heiratsvertrag mit Leopold Philipp Carl Fürst zu Salm.[4] Infolge dieser Ehe der letzten Gräfin von Bronckhorst-Batenburg fiel Anholt beim Tod ihres Vaters 1649 an die Fürsten zu Salm.[5] Dank des Westfälischen Friedens im Jahre 1648 beruhigte sich die politische Lage; das Anholter Land erholte sich. Stadt und Herrschaft wurden wieder aufgebaut, die Einwohnerzahl dürfte bei 900 bis 1000 gelegen haben. In den folgenden Jahrzehnten erhielt Anholt ein barockes Gesicht. Fürst Carl Theodor Otto zu Salm ließ die alte Burg zu einer repräsentativen barocken Residenz umbauen. Hier hat vermutlich seine Erfahrung als oberster Bauleiter des Schlosses Schönbrunn in Wien eine große Rolle gespielt.

Im Jahre 1802 wird Anholt die Residenz des neu gebildeten Fürstentum Salm. Die kleine reichsunmittelbare Grafschaft Anholt an der Issel, in die Konstantin Alexander Fürst zu Salm-Salm nach Verlust seines linksrheinischen Fürstentums seit etwa 1790 seine Familie und sich in Sicherheit gebracht hatte, bildete für den Vorgang der Staatsgründung des Fürstentums Salm den territorialen Anknüpfungspunkt. Die Herrschaft Anholt war bereits seit 1645 ein Besitz des Fürstenhauses Salm, das nach der Verbindung zweier salmischer Familienlinien und mit der kaiserlichen Verleihung des erblichen Titels seit 1743 als Fürstenhaus Salm-Salm anzusprechen ist. Die Nachbarstadt Bocholt war die Hauptstadt. Das zunächst reichsunmittelbare Fürstentum umfasste den größten Teil des westlichen Münsterlandes. 1806 erlangte das Fürstentum durch den Untergang des Heiligen Römischen Reichs die Souveränität, die aber schon 1810/11 infolge französischer Annexion endete. 1815 wurde Anholt der preußischen Provinz Westfalen einverleibt. Seit 1816 gehört Anholt zum Landkreis Borken. Wegen der vielen baulichen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten, insbesondere aus der Zeit der Herrschaft der Fürsten zu Salm-Salm, gilt Anholt als „Perle des Münsterlandes“.

In seinem Buch Meine Wallfahrt zur Ruhe und Hoffnung schreibt der preußische Jurist und Diplomat Justus von Gruner ausführlich über seine Reise von Osnabrück durch das Münsterland bis Kleve im Jahre 1800:

Auf dem Wege von Ringenberg nach Emmerich passierte ich wieder ein katholisches Ländchen, aber wie sehr verschieden von dem, das ich an anderen Grenzen verlassen hatte. Die kleine Grafschaft Anholt, denn diese meine ich, besteht nur aus einigen Dörfern und der Stadt gleichen Namens. Ein kleiner, sehr angenehmer Ort, der meist vom Ackerbau lebt und das Gepräge fleißiger Regsamkeit und Wohlhabenheit in sich trägt. In der Mitte liegt das Schloß des Landesherrn, Fürst zu Salm-Salm, der sich hier aufhält und sehr beliebt zu sein scheint. Er lebt mit seiner Familie in ländlicher Stille aber voll Humanität. Die Ersteren der Stadt werden abwechselnd an seine Tafel gezogen und in der Winterzeit gibt es wöchentlich ein recht artig besuchtes Konzert, das aus der umliegenden Gegend fleißig besucht wird.

1850 gründete Fürstin Augusta zu Salm-Salm das Augusta-Hospital. Es wird seit 1852 von Barmherzigen Schwestern von der allerseligsten Jungfrau und schmerzhaften Mutter Maria betreut. Eine städtische Armenkommission ist seit 1574 beurkundet. Dies blieb bis 1967 eine städtische Institution. Mit dem Neubau des Krankenhauses auf dem Kockenkamp, gab die Stadt die Leitung an das Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster ab. Das alte Krankenhaus an der Roßmühlenstraße, zwischen Rathaus und der St.-Pankratius-Kirche gelegen, wurde den modernen Ansprüchen der medizinischen Versorgung nicht mehr gerecht. Eine Besonderheit ist eine Marienstatue in deren Hauskapelle: die „bedrückte Mutter von Varsseveld“, eine von Meister Arndt aus Zwolle um 1470 geschaffene Doppelmadonna. Auf ungeklärte Weise gelangte sie während der Reformation der Niederlande aus der Pfarrkirche in Varsseveld ins katholische Anholt und hing bis 1862 im Mittelschiff der alten Stadtkirche. Als sie abgebrochen wurde, erhielt die kath. Kirche in Silvolde einen Teil der Doppelmadonna, den anderen die Clemensschwestern für die Kapelle des Augusta-Hospitales. Da das Jesuskind eine Schmolllippe zeigt und seine Mutter bedrückt schaut, sagt der Volksmund: „Schau nicht so bedrückt wie die Mutter von Varsseveld.“

Von 1903 bis 1945 betrieb die Gelderse Stoomtramweg Maatschappij die Schmalspurbahn Velp-Dieren-Doetinchem-Terborg-Gendringen-Grenze-Anholt-Bahnhof Isselburg-Anholt. 1926 wurde die Strecke nach Arnheim verlängert. Die zum rheinischen Kreis Rees gehörende Stadt Isselburg und die westfälische Stadt Anholt teilten sich einen Bahnhof, der auf Anholter Stadtgebiet lag. Am Bahnhof Isselburg-Anholt gab es Anschluss an die Reichsbahnstrecke Empel-Rees-Bocholt-Coesfeld-Münster. Am 30. September 1961 wurde die Strecke von Empel-Rees nach Isselburg-Anholt stillgelegt; am 26. Mai 1974 wurde der Personenverkehr von Isselburg-Anholt nach Coesfeld eingestellt.

Der Zweite Weltkrieg hat der alten Stadt schwere Wunden zugefügt, 1945 wurden 75 % der historischen Altstadt dem Erdboden gleichgemacht. In den Märztagen 1945 starben 37 Zivilpersonen bei den Bombenangriffen, 88 Anholter fanden den Soldatentod und 38 Personen gelten noch heute als vermisst. Schmerzlich war vor allem der aus Religionshass geführte Befehl zur endgültigen Zerstörung der St.-Pankratius-Kirche. Nur der Umstand, dass Anholt unter schwerem Artilleriebeschuss stand, ist es zu verdanken, dass nur die beiden 57 m hohen Türme gesprengt werden konnten.

Im Jahre 1947 feierte die Stadt in ihren Trümmern die 600-jährige Wiederkehr der Verleihung des Stadtrechtes. Pater Eberhard Welty hielt als gebürtiger Anholter auf der Schneidkuhle die Festpredigt beim Festhochamt zum Stadtjubiläum. Am 8. Mai 1949 lud die Stadt zur Grenzlandkundgebung Recht auf Heimat ein. Ministerpräsident Arnold sowie Landrat Renzel aus Borken verfassten die sogenannte Anholter Erklärung, in welcher sich die Autoren dazu bekannten, die Besetzung deutschen Gebiets durch die Niederlande nicht hinzunehmen und den betroffenen Deutschen jede mögliche Unterstützung zukommen zu lassen.

Anholt entwickelte sich zu einem blühenden Städtchen: 1950 zählte es 2800, 1974 3034 und 2010 4260 Einwohner. 1964 wurde mit dem Neubau des Augusta-Hospitales begonnen. 1967 übernahm die Kongregation der Barmherzigen Schwestern (Clemensschwestern) die Trägerschaft des Krankenhauses, welches sich zu einer Fachklinik für Neurologie entwickelte. 1958 gründeten zwölf Gärtnermeister auf Initiative des Kreises Borken und der Stadt Anholt die Gärtnersiedlung In der Flora. 1961 siedelte sich die Firma Gebrüder Trox aus Neukirchen-Vluyn in Anholt an. Anholt spielt mit seinen Sehenswürdigkeiten auch heute noch eine große Rolle im Tourismus des westlichen Münsterlandes und des unteren Niederrheins.

Eingemeindungen

Im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen wurde die Stadt Isselburg am 1. Januar 1975 durch den Zusammenschluss mit den Gemeinden Anholt, Isselburg, Heelden, Herzebocholt, Vehlingen, Werth und einem Teilgebiet der Gemeinde Wertherbruch – der Hauptteil von Wertherbruch gehört seitdem zur Stadt Hamminkeln – neu gebildet.[6] Somit befindet sich die Stadt Isselburg je etwa zur Hälfte in den historischen Grenzen von Rheinland und von Westfalen. Im Gerangel um die Namensgebung erarbeitete das münsterische Staatsarchiv ein Gutachten, das eindeutig für die Beibehaltung des bisherigen Namens Anholt votierte. Obwohl die Oberbehörden die eindeutige Dominanz der Stadt Anholt nicht in Frage stellten, blieb die Stadt Anholt letztlich doch im Namensstreit unterlegen und musste nach 628-jährigem städtischen Dasein ihren Namen aufgeben. Dennoch bleibt der Stadtname erhalten und findet in sich z. B. im Anholter Abkommen vom 23. Mai 1991 wieder, in der die niederländische Regierung, die deutsche Bundesregierung sowie die Ministerpräsidenten der Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsens vertraglich bekunden, den gemeinsamen Handel und die Entwicklung der Grenzgebiete zwischen dem Königreich der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Länder Niedersachsens und Nordrhein-Westfalen zu fördern.

Kultur

Vereine

Anholt besitzt ein reges Vereinsleben. Der Bürger-Schützenverein steht in der Tradition der 1493 erstmals urkundlich erwähnten Anholter Schützenbruderschaft. Traditionsreich ist auch der 1858 gegründete Kirchenchor St. Pankratius, einer der ältesten Kirchenchöre im Bistum Münster. Der Heimatverein Anholt bereichert durch Publikationen und Ausstellungen im Heimathaus (ehemaliges Haus Lange, in der Hohen Straße) das kulturelle Leben der alten Stadt. Zahlreiche Vereine aus den Bereichen Sport: SC Westfalia Anholt 1920, VfL Anholt sowie dem Golfclub Wasserburg Anholt (2.Bundesliga) und die Anholter Sportschützen, aus der Kultur : die Grenzland Laienspielschar und der Männergesangsverein Eintracht von 1911, ergänzen das Anholter Vereinswesen.

Heute noch stattfindende Volksfeste sind die seit dem 14. Jahrhundert nachweisbare Pfingstkirmes und das Bürgerschützenfest am 1. Juliwochenende. Eine Anholter Eigenart ist die Palmsonntagsprozession, die seit etwa 1760 nachweisbar ist. Die Palmstöcke sind in ihrer Form und im Schmuck einzigartig.

Sehenswürdigkeiten

Die Burg Anholt bietet heute ein glanzvolles Bild, das an französische Loire-Schlösser erinnert. Mit seinen Gärten und Parkanlagen, die in das European Garden Heritage Network eingebunden sind, ist es der Öffentlichkeit zugänglich. Im Schloss können zum Beispiel eine Gemäldesammlung (u. a. mit dem Rembrandt-Original Das Bad der Diana mit Aktäon und Kallisto), Zeugnisse herrschaftlicher Wohnkultur, die Bibliothek sowie eine umfangreiche Porzellansammlung besichtigt werden. Seit 1645 ist die Anlage in Familienbesitz der Fürsten zu Salm-Salm. Die Wasserburg, die zu den prachtvollsten Burganlagen Westfalens zählt, begeistert vor allem die Besucher mit Barockgärten und der großzügig angelegten Parkanlage.

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • Biotopwildpark Anholter Schweiz
  • neoromanische St.-Pankratius-Pfarrkirche Anholt (1851–1862) mit vielen Wand- und Deckengemälden
  • Historisches Rathaus von 1567
  • Stadtzentrum mit Parkanlagen und Überresten früherer Befestigungen
  • Jüdischer Friedhof in der Dwarsefeld
  • Historischer Eiskeller (15. Jh.)
  • Anholter Windmühle von 1747
  • Fürstliche Gruftkapelle 17. Jh.
  • Haus Hardenberg (14. Jh.)
  • Haus Pennekamp (15. Jh.)

Persönlichkeiten, die in Anholt geboren wurden und/oder in Anholt lebten

(in der Reihenfolge ihres Geburtsjahres)

Einzelnachweise

  1. Einwohnerstatistik der Stadt Isselburg. Abgerufen am 18. Februar 2013.
  2. Theodor Joseph Lacomblet (Hg.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Teil 3: 1301–1400. Wolf, Düsseldorf 1853, Urkunde Nr. 517, S. 421.
  3. Ralf Jahn: Chronik der Grafschaft und des Herzogtums Geldern. In: Johannes Stinner, Karl-Heinz Tekath (Hg.): Gelre – Geldern – Gelderland. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern. Verlag des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend, Geldern 2001, S. 489–519, hier S. 504–507.
  4. Maria Anna Fürstin zu Salm (1624-1661) im Portal Edelfrauen. Adelige Frauen in der Frühen Neuzeit: Lebensalltag, Handlungsfelder, Netzwerke, abgerufen am 31. Januar 2015.
  5. Georg Wilhelm Sante (Hg.): Geschichte der deutschen Länder – „Territorien-Ploetz“. Bd. 1: Die Territorien bis zum Ende des alten Reiches. A.-G.-Ploetz-Verlag, Würzburg 1964, S. 383.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 298.

Weblinks

 Commons: Anholt (Isselburg)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ehemalige Gemeinde (Kreis Borken) | Ort im Münsterland | Ort im Kreis Borken | Isselburg

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