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Angela Marquardt


Angela Marquardt (* 3. September 1971 in Ludwigslust) ist eine deutsche Politikerin (1990 bis 2003 PDS, ab 2008 SPD). Von 1994 bis 1997 gehörte sie dem PDS-Bundesvorstand an. Von 1998 bis 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages.

Jugend und Studium

Marquardt wuchs in Greifswald auf. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie acht Jahre alt war.[1] Von ihrem Stiefvater, der als Tenor am Greifswalder Theater arbeitete, wurde sie missbraucht.[1] Ihre Mutter war Lehrerin.[1] Nach dem Umzug der Eltern nach Frankfurt an der Oder lebte sie seit 1987 in Greifswald in einem Internat.[1] 1990 legte sie in Greifswald das Abitur ab und studierte zuerst Sport, danach von 1995 bis 2005, zeitweise mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und schloss das Studium im Sommer 2005 mit dem Diplom ab.

Politik

PDS

Seit 1990 war sie in der AG Junge GenossInnen der PDS Greifswald. Bei der Bundeskonferenz der PDS in Berlin im Januar 1991 wurde Marquardt auf Vorschlag der AG Junge GenossInnen, nachdem zwei Kandidatinnen zurückgezogen haben, in den Parteivorstand gewählt. Von Januar 1991 bis Januar 1997 war Marquardt Mitglied im Bundesvorstand der PDS. Auch in den auf 18 Mitglieder verkleinerten PDS-Vorstand wurde sie auf Empfehlung von Gregor Gysi gewählt. Von 1992 bis 1995 war sie hauptamtliche Referentin für Jugendpolitik beim Parteivorstand der PDS. 1995 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der PDS gewählt, was sie bis Januar 1997 blieb. Anfang 1997 trat sie aus dem Vorstand zurück, um eine "Politpause" einzulegen und sich auf ihr Studium zu konzentrieren.

1998 wurde Marquardt bei dem Landesparteitag in Kühlungsborn auf Listenplatz 3 der Landesliste Mecklenburg-Vorpommern der PDS für den deutschen Bundestag nominiert. Von 1998 bis 2002 war sie Mitglied der PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag. Seit Anfang 2002 war sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag stellvertretende parlamentarische Geschäftsführerin.

2002 wurde eine handschriftliche Verpflichtungserklärung öffentlich, die sie 1987 als Fünfzehnjährige unterschrieben hatte.[2] Marquardt bestätigte, dass sie diese Erklärung geschrieben hatte, bestritt aber eine Tätigkeit als Spitzel.[3] Aufgrund der Verpflichtungserklärung als Inoffizielle Mitarbeiterin für die DDR-Staatssicherheit ("Stasi") wurde der Sachverhalt durch den Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung des Bundestages im September 2002 untersucht.[4] Dieser stellte fest, dass eine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst nicht erwiesen ist. „Der Ausschuss konnte [...] nach einer eingehenden Würdigung aller Umstände [...] keine so sichere Überzeugung von einer willentlichen und wissentlichen Zusammenarbeit der Abgeordneten mit dem Staatssicherheitsdienst gewinnen, dass auch angesichts der beschränkten Beweismöglichkeiten vernünftige Zweifel an der Richtigkeit der Feststellung einer IM-Tätigkeit ausgeschlossen wären.“[5]

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag stellte Marquardt die Beitragszahlung Ende 2002 ein und wurde somit 2003 aus der PDS-Mitgliederliste gestrichen.

SPD

Seit 2006 ist sie Mitarbeiterin der SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Nahles. Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin[6] des Arbeitskreises Denkfabrik der SPD, eines Zusammenschlusses von überwiegend jüngeren linken SPD-Abgeordneten. Im März 2008 trat Marquardt in die SPD ein, betonte jedoch, sie sei „keine Überläuferin“, und verwies auf den Zeitraum von fünf Jahren seit ihrem Ausscheiden aus der PDS.

Positionen

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Bekannt wurde Marquardt in Internetkreisen insbesondere 1996 und 1997, als die Staatsanwaltschaft Berlin ihre Website zensieren wollte, da sie einen Link zur verbotenen Zeitschrift radikal angelegt hatte, die bis Mitte der 1990er Jahre ein wichtiges Diskussionsforum der Autonomen darstellte. Seitdem kämpfte sie immer wieder gegen jegliche Versuche, das Netz zu zensieren, unter anderem gegen die Sperrungsverfügungen des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Jürgen Büssow an nordrhein-westfälische Internetprovider.

Marquardt engagiert sich außerdem gegen Rechtsextremismus als Beirat im „Bündnis für Demokratie und Toleranz“.

Publikationen

  • Was ich bin, was mir stinkt, was ich will. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1999, ISBN 3-462-02778-6.
  • mit Miriam Hollstein: Vater, Mutter, Stasi. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2015, ISBN 3-462-04723-X.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 SZ Nr. 43, 21./22. Februar 2015, S. 3.
  2. SPIEGEL online: PDS-Punkerin war Stasi-Informantin, 11. Juni 2002
  3. http://www.welt.de/print-welt/article394152/PDS_Abgeordnete_Marquardt_gibt_Stasi_Verpflichtung_zu.html
  4. Bundestagsdrucksache 14/9951, 2. September 2002 (PDF; 296 kB)
  5. Berliner Zeitung 13. September 2002 Marquardt von Stasi-Vorwurf entlastet
  6. Angaben auf der Seite der "Denkfabrik" , abgerufen am 23. Juni 2015


Kategorien: Bundestagsabgeordneter (Mecklenburg-Vorpommern) | Geboren 1971 | SPD-Mitglied | PDS-Mitglied | Politiker (21. Jahrhundert) | Politiker (20. Jahrhundert) | Deutscher | Frau

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Angela Marquardt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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