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Andreas Predöhl


Andreas Predöhl (* 26. Oktober 1893 in Hamburg; † 18. Juli 1974 Münster (Westfalen)[1]) war ein deutscher Ökonom und Hochschullehrer.

Leben

Andreas Predöhl war der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von Hamburg Max Predöhl und seiner Frau Clara. Er besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. Von 1912 bis 1914 studierte er Rechtswissenschaften in Berlin und Bonn, was 1914 durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde.

Mit Kriegsbeginn diente er zunächst als Leutnant d. R des Bonner Husarenregimentes König Wilhelm I. 1915 wechselte er von der Kavallerie zur Fliegertruppe, wo er als Flugzeugführer in der Fernaufklärung an der Westfront diente und hohe Auszeichnungen erhielt.

Nach dem Krieg studierte Predöhl weiter Jura, dazu noch Wirtschaftswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1918 schloss er sich dem Corps Palatia Bonn an.[2] Es folgten die Promotion (1921, bei Bernhard Harms) und die Habilitation (1924) in Kiel. Von 1921 bis 1923 war er Mitglied der SPD.[3] Zwischen 1921 und 1930 war er Assistent am Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr an der Uni Kiel. Zwischen 1925 und 1928 wurde Predöhl als Fellow der Rockefeller Foundation beurlaubt und unternahm Studienreisen in England, den USA und Kanada. Mit 37 Jahren erhielt Predöhl 1930 eine ordentliche Professur an der Handelshochschule Königsberg[4] und machte eine Forschungsreise durch die Sowjetunion. Zwei Jahre später, 1932, wurde er nach Kiel zurückgerufen und erhielt dort einen Lehrstuhl. Als das Institut für Weltwirtschaft nach 1933 auf Grund seiner weltoffenen, anglophilen und liberalen Haltung in Konflikt mit der nationalsozialistischen Regierung geriet und Bernhard Harms sein Amt als Direktor aufgeben musste, wurde Predöhl 1934 Nachfolger seines Lehrers als Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel,[1] nachdem vorher der (damals noch) regimetreue Jens Jessen kurzfristig in dieser Funktion tätig war.

1937 trat Predöhl der NSDAP bei.[4] Nachdem er 1935 schon einmal Prorektor gewesen war, wurde er 1942 zum Rektor der Universität Kiel ernannt und blieb es bis 1944. Daneben beteiligte er sich als Leiter der Sparte Nationalökonomie am Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften. 1944 gehörte er zur Führungsspitze des NS-Dozentenbundes.[4]

Predöhl blieb 1945 Professor für wirtschaftliche Staatswissenschaften in Kiel, die Institutsleitung musste er abgeben.[4] 1953 wurde er Direktor des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen) und bekleidete dort 1961/62 das Amt des Rektors. Er gehörte dem Hauptausschuss der DFG an und war Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministers.[4] Daneben war er seit 1952 einer der Herausgeber des Handwörterbuchs für Sozialwissenschaft.[4] Außerdem war er Mitherausgeber der Buchreihe Grundriß der Sozialwissenschaft und der Zeitschrift Jahrbuch für Sozialwissenschaft.

Nach seiner Emeritierung berief man ihn 1965 zum 1. Direktor des Deutschen Übersee-Instituts in Hamburg. Er behielt diese Funktion bis 1969.[5]

Predöhl war seit 1922 mit Emma Predöhl (1867–1960) verheiratet, die Ehe blieb kinderlos.[1]

Werk

Andreas Predöhl beschrieb 1925 das Substitutionsprinzip in der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie und legte damit die theoretische Grundlage für das Ersetzen eines Standortfaktors durch einen anderen. So kann etwa Arbeit durch Kapital oder Boden aufgewogen werden. Dieser Gedanke wurde von Walter Isard 1956 aufgegriffen und mit Alfred Webers Standorttheorien verbunden.

Predöhl gab zusammen mit dem Staatsrechtler Ernst Rudolf Huber und seinem Kollegen Hermann Bente zwischen 1934 und 1944 die traditionsreiche Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft heraus.

In einem nationalsozialistischen, hochrangig angelegten Grundlagenwerk zum „Neuen Europa“ von 1941 plädiert er dafür, dass kleinere Länder sich an die wirtschaftlichen Bedürfnisse von „Kernländern“ (z. B. Deutschland) eines „Großraums“ anlehnen. Die deutsche Macht in Produktion und Konsumtion wirke demnach „stabilisierend“, die kleineren Länder könnten dann besser mithalten. Die oftmals „künstlich“ entstandenen Länder in Südost-Europa (genannt „staatliche Gebilde“) würden sich unter deutscher Führung „lebensräumlich“ organisieren. Diese Neuordnung werde den Völkern im Rahmen einer „Gesamtordnung“ eine Entwicklung erlauben. Eine solche künftige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft diene vor allem der „Wehrhaftigkeit“, also dem Krieg.

Bereits in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wandte sich Predöhl auch der verkehrspolitischen Forschung zu. 1930 veröffentlichte er ein Werk über die Rheinschifffahrt; dies mündete dann nach dem Krieg in das damalige Standardwerk zur Verkehrspolitik.

Auszeichnungen

Andreas Predöhl erhielt sowohl militärische wie auch zivile hohe Auszeichnungen.[1] Unter anderem:

Schriften (Auswahl)

  • Die Deutsche Rheinschiffahrt - Gutachten der Rhein-Kommission über die Lage der Rheinschiffahrt und der in ihr beschäftigten Arbeitnehmer, Berlin 1930.
  • Großraum, Autarkie und Weltwirtschaft. In: Das neue Europa. Beiträge zur nationalen Wirtschaftsordnung und Grossraumwirtschaft. Hrsg. von der Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft, Dresden 1941, S. 158–166.
  • Verkehrspolitik, Göttingen 1958.
  • Das Ende der Weltwirtschaftskrise - Eine Einführung in die Probleme der Weltwirtschaft, Reinbek bei Hamburg 1962.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Harald Jürgensen: Predöhl, Andreas. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 682 f. (Digitalisat ).
  2. Kösener Corpslisten 1930, 14, 671
  3. Michael Grüttner, Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik, Heidelberg 2004, S. 134.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 471.
  5. Hinweis bei E+Z


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