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Andre Eckardt


Andre Eckardt (* 21. September 1884 (als Ludwig Otto Andreas Eckardt) in München; † 3. Januar 1974 in Tutzing) war der Begründer der deutschen Koreanistik und Verfasser etlicher Standardwerke zur Sprache, Kultur und Geschichte Koreas. Er war ein Pater des Benediktinerordens.

Während seines 20-jährigen Aufenthaltes in Korea widmete Eckardt sich intensiven Sprachstudien in Koreanisch und befasste sich eingehend mit vielen Bereichen der koreanischen Kultur, vor allem der koreanischen Kunst. Als das Internationale Erziehungsinstitut in Braunschweig von den Nationalsozialisten 1933 geschlossen wurde, kehrte er nach Bayern in seine Heimat zurück und war bis zu seinem Lebensende Professor für Koreanistik in München.

Bedeutung

Eckardts Bedeutung für die Koreawissenschaften begründet sich auf den zahlreichen grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten zur Sprache, Kunst, Musik, Literatur, Philosophie Koreas. Sie erlangen durch die historischen Umstände in zweifacher Hinsicht besondere Bedeutung: Sie stellen einen Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Beschäftigung nicht nur im Westen sondern selbst in Korea dar, da sie auf wenige oder gar keine Vorarbeiten zurückgreifen konnten. Zum anderen veröffentlichte Eckardt Abhandlungen zur koreanischen Kultur vor allem im Westen zu einer Zeit, als Korea eine japanische Kolonie war. Für diese Verdienste erhielt er 1962 von dem koreanischen Präsidenten Yun Bo-seon den höchsten Kulturorden der Republik Korea. Auch in Nordkorea waren Eckardts Verdienste um Korea nicht vergessen. Neben der zweibändigen Konversationsgrammtik der koreanischen Sprache (1923) stellt seine Geschichte der koreanischen Kunst (1929), eines seiner herausragendsten Werke dar, die zeitgleich auch in Englisch (A History of Korean Art), posthum 1995 in japanischer (Chōsen bijutsu-shi) und 2003 in einer aufwendigen koreanischen Übersetzung erschien (Ek’arŭt’ŭ ŭi Chosŏn misul-sa). Eckardt war maßgeblich an den archäologischen Ausgrabungen der koreanischen Königsgräber aus der Goguryeo-Zeit (37 v. - 668 n. Chr.) beteiligt, die mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Auf Eckardts Anregung geht ferner der Wiederaufbau der buddhistischen ‚Grotte‘ Seokguram zurück, die um 1900 in völlig zerstörten Zustand wiederentdeckt worden war. Eckardt hinterlässt auch ein umfangreiches musikalisches Oeuvre, zu dem auch als op. 25 eine Korea-Sinfonie gehört (Dauer ca. 25 Minuten). Diese kam posthum am 10. September 1994 unter dem Dirigenten Yi Kŏnsu durch das Sinfonieorchester der Korea Universität in Seoul zur Welturaufführung. [1] Dieses musikalische Werk zeichnet sich dadurch aus, dass Eckardt hier musikalisches Material aus seiner Zeit in Korea verarbeitet, das nach den Wirren der japanischen Kolonialzeit und des Koreakriegs in Korea selbst in Vergessenheit geraten ist. Als gelungen empfunden wird auch die Übertragung und Wiedergabe koreanische Musikelemente auf westliche Instrumente.

Biografie

Eckardt wurde 1884 in München als Sohn des Kunstmalers und -lehrers Johann Nikolaus Eckardt, und dessen Ehefrau Barbara Eckardt (geb. Bähr) geboren. 1905 trat Eckardt nach dem Studium der Philosophie, Religionswissenschaft, Kunstgeschichte, Völkerkunde an der Universität München, als Novize der Benediktinerabtei St. Ottilien bei. 1909 wurde er zum Priester geweiht.

Ende Dezember 1909 betrat Eckardt koreanischen Boden. Seine erste Wirkungsstätte war das neu errichtete kleine Kloster St. Benedikt in Seoul (ab 1913 Abtei). Bis 1920 stand für die Benediktiner-Patres aus Deutschland nicht die Missionstätigkeit im Vordergrund sondern die Realisierung monastischen Lebens in Korea. Dem Kloster waren eine Handwerkerschule und ein Lehrerseminar angeschlossen, wo Eckardt mit der Heranbildung von Elementar- und Mittelschullehrern beauftragt war. Nachdem das Lehrerseminar auf Drängen der japanischen Behörden seine Pforten schließen musste, widmete sich Eckardt umso intensiver dem Studium der koreanischen Sprache und Kultur. Erst ab 1920 stand die Missionstätigkeit als neue Aufgabe für die deutschen Benediktiner in Korea im Mittelpunkt. Ihr Missionsgebiet erstreckte sich vom Nordosten Koreas über weite Teile der Mandschurei. Zentrum war zunächst die an der Ostküste gelegene Hafenstadt Wŏnsan, Provinz Hamgyŏng-namdo, ab 1926 dann das in der Nähe neu errichtete Kloster Tŏgwŏn. (Dieser Name soll von Eckardt vorgeschlagen worden sein). Wie Eckardt in seinem Erlebnisbericht Wie ich Korea erlebte (1950) berichtet, legte er in dieser Zeit weite Strecken auf dem Pferd zurück. Für Eckardt kam ab 1923 Lehrtätigkeit an der Kyŏngsŏng-Universität in Seoul hinzu, der Vorgängerin der heutigen Seoul National University. Er lehrte u.a. Griechisch, Latein und Kunstgeschichte. Um 1928/29 kehrte Eckardt wieder nach Deutschland zurück. 1930 promovierte er an der Universität Würzburg mit der Arbeit Das Schulwesen in Korea. Etwa um diese Zeit erhielt Eckardt den priesterlichen Dispens, den er zusammen mit vier weiteren Patres aus Solidarität mit dem damaligen Erzabt Norbert Weber eingereicht hatte. 1931 wurde er als Ostasienreferent und stellvertretender Direktor des Internationalen Forschungsinstituts für Erziehungswissenschaften[2] bei der TH Braunschweig das allerdings bereits 1933 nach Machtergreifung der Nationalsozialisten geschlossen wurde. Während der Braunschweiger Zeit, 1932, soll Eckardt von Reichspräsident Paul von Hindenburg der Professorentitel verliehen worden sein (ein Nachweis fehlt allerdings noch). Eckardt zog sich zunächst auf sein Anwesen in Starnberg zurück. Seine Tätigkeit am Braunschweiger Institut gab ihm den nachhaltigen Impuls zur Beschäftigung mit dem Problem einer Weltschrift, bzw. -sprache, denn ihn ließ »das Fehlen einer einheitlichen Schrift ganz besonders schmerzlich empfinden«.[3] Er entwickelte eine Sinnschrift, die er Safo nannte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Eckardt aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse ostasiatischer Sprachen zum Militärdienst eingezogen. Durch diese Tätigkeit erhielt die Idee von einer Weltschrift neue Nahrung. 1944 Heirat mit Marianne Roth (1902–1990). Nach dem Krieg engagierte sich Eckardt im Ausbau der Volkshochschulen. 1957 erhielt er einen Lehrauftrag für Koreanistik am Ostasiatischen Seminar der Universität München, den er noch bis kurz vor seinem Tod am 3. Januar 1974 ausübte. Sein Vorgänger war Mirok Li (1899–1950).

Safo

Ausgehend von den Schriftzeichen der chinesischen Hanzi entwickelte Eckardt eine Pasigrafie, die er Safo (sa = Sinn + fo = Schrift) nannte. Diese ist allerdings – im Gegensatz zu Bliss – in Vergessenheit geraten.

Schriftenverzeichnis

(noch unvollständig)

  • Koreanische Konversations-Grammatik: mit Lesestücken und Gesprächen. [Nebst] Schlüssel. Gross Verlag Heidelberg 1923.
  • Koreanische Märchen und Erzählungen: Zwischen Halla- und Päkdusan. Missionsverlag St. Ottilien. Oberbayern 1928.
  • Unter dem Odongbaum. Erich-Röth Verlag. Eisenach 1951.
  • Die Ginsengwurzel. Erich-Röth Verlag. Eisenach 1955.

Biografien

  • Albrecht Huwe, André [Andre] Eckardt: Deutschlands erster Koreanist, in: Bilanz einer Freundschaft: Hundert Jahre deutsch-koreanische Beziehungen, Bonn 1984, 39–40.
  • Albrecht Huwe, Andre Eckardt – eine biographische Skizze, in: Tongsŏ munhwaŭi mannam [= Begegnung der Kulturen in Ost und West, Festschrift für Hyokmyon Kwon zu seinem 60. Geburtstag], Seoul: Posŏng munhwasa 1987, 587–596.
  • Albrecht Huwe, Andre Eckardt (1884–1974). Leben und Werk des Nestors der internationalen Koreawissenschaften, in: Hartmut Koschyk (hrsg.), Begegnungen mit Kim Dae-jung: Korea auf dem Weg zu Frieden, Versöhnung und Einheit, München: Olzog, 2002, 215–227.

Literatur zur Missionstätigkeit in Korea

  • Johannes Mahr, Aufgehobene Häuser, Bd. 1-3, St. Ottilien 2009.
  • Schicksal in Korea: deutsche Missionare berichten; Nachdruck anläßlich der vor 25 Jahren erfolgten Vertreibung von Missionaren der Benediktinerkongregation von St. Ottilien aus der nördlich des 38. Breitengrades liegenden Abtei Tokwon, St. Ottilien: EOS Verlag, 1974.
  • Deutsche Benediktiner in Korea und in der Mandschurei: 82 Bilder, Erkenschwick KMH-Bildbandverl. Schumacher, 1937 (Vortragstext zur KMH-Bildbandserie 16).
  • Dominicus Enshoff, Die Benediktiner-Mission in Korea, St. Ottilien Missionsverl., 1909.
  • Bonifacius Sauer, Die Handwerkerschule der deutschen Benediktiner-Abtei "St. Benedikt" in Korea, München: Seitz, 1915.
  • Johannes Mahr, „Sein Reich ist zunächst auf dieser Welt“: Erzabt Norbert Weber als Organisator benediktinischer Missionsarbeit in: Godfrey Sieber (hrsg.), Beständigkeit und Sendung, St. Ottilien 2003, 103–179.
  • Adelhard Kasper, Placidus Berger: Hwan Gab. 60 Jahre Benediktinermission in Korea und der Mandschurei. Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 1973. ISBN 3-87868-006-6.

Einzelnachweise

  1. »Togirin chongt‘ong han‘guk hakcha Ek‘arŭtŭ shinbuŭi yujak ›Han‘guk shimp‘oni‹ segye ch‘oyŏn«, in: Ŭmak tonga, 10/1994, S. 55.
  2. Literaturhinweis: S. Helmut Hirsch, Lehrer machen Geschichte: Das Institut für Erziehungswissenschaften und das Internationale Schulbuchinstitut; ein Beitrag zur Kontinuitätsforschung, Ratingen, Henn, 1971. S. 264
  3. Andre Eckardt, Kulturpionier unserer Tage [unveröffentl. Manuskript], Kap. 2 (Braunschweiger Zeit).

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Andre Eckardt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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