Ammoniumhydrogencarbonat - LinkFang.de





Ammoniumhydrogencarbonat


Strukturformel
Keine Zeichnung vorhanden
Allgemeines
Name Ammoniumhydrogencarbonat
Andere Namen
  • Ammoniumbicarbonat
  • Hirschhornsalz
  • E503ii
Summenformel NH4HCO3
CAS-Nummer 1066-33-7
PubChem 14013
Kurzbeschreibung

weißes, kristallines Pulver mit ammoniakartigem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 79,06 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,58 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

Zersetzung ab 60 °C[1]

Löslichkeit
  • gut in Wasser (220 g·l−1 bei 20 °C)[1]
  • unlöslich in Ethanol[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: 301+312​‐​330 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3][1]
Gesundheits-
schädlich
(Xn)
R- und S-Sätze R: 22
S: keine S-Sätze
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−849 kJ·mol−1[4]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Ammoniumhydrogencarbonat (auch Ammoniumbicarbonat, ABC-Trieb) ist ein Ammoniumsalz der Kohlensäure. Es ist Hauptbestandteil des Hirschhornsalzes.

Vorkommen

In der Natur findet sich Ammoniumhydrogencarbonat als das Mineral Teschemacherit, sowie in Guanolagern an der Westküste Patagoniens und auf den Chincha-Inseln.[5]

Gewinnung und Darstellung

Die Herstellung erfolgt durch Einleiten von Kohlenstoffdioxid in konzentrierte Ammoniaklösung bei 35 bis 40 °C. Das ausgefallene kristalline Ammoniumhydrogencarbonat wird abzentrifugiert und bei einer Temperatur von 40 °C getrocknet.

Eigenschaften

Ammoniumhydrogencarbonat bildet farblose prismenförmige Kristalle[2], die in einem rhombischen Kristallgitter auftreten.[5] Das Salz löst sich sehr gut in Wasser. Die Löslichkeit steigt mit der Temperatur an.

Löslichkeit von Ammoniumhydrogencarbonat in Wasser[6]
Temperatur in K 273,2 283,2 293,2 303,2 313,2 323,2 333,2
in °C 0 10 20 30 40 50 60
Löslichkeit in Ma% 10,6 13,9 17,8 22,1 26,8 31,6 37,2

Der pH-Wert einer wässrigen Lösung (50 g/l bei 20 °C) beträgt ca. 8.[1] Schon bei Raumtemperatur kann ein langsamer Zerfall in Ammoniak, Kohlenstoffdioxid und Wasser beobachtet werden. Die Zerfallsgeschwindigkeit nimmt mit steigender Temperatur stark zu.[2]

[math]\mathrm{NH_4HCO_3 \rightleftharpoons NH_3 + \ H_2O + \ CO_2}[/math]

Der Zerfall kann über die entsprechenden Dissoziationsdrücke quantifiziert werden.[6]

Dissoziationsdruck von Ammoniumhydrogencarbonat[6]
Temperatur in K 298,6 307,4 313,9 318,2 323,2 329,0 332,5
in °C 25,45 34,25 40,75 45,05 50,05 55,85 59,35
Druck in kPa 7,85 16,26 26,79 37,06 52,65 82,11 108,64

Verwendung

Da es eine definierte Zusammensetzung hat, ist es als Backtriebmittel („ABC-Trieb“)(Backpulver) zur Herstellung von Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius in großtechnischen automatisierten Backanlagen besser geeignet als Hirschhornsalz. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 503ii zugelassen und kommt mit dem Zusatz reinst in den Handel.

Diesem Backtriebmittel verdanken angeblich die ufo-förmigen Kuchenstücke „Amerikaner“ ihren Namen. Ursprünglich nannte man diese Kuchenstücke laut dieser umstrittenen Theorie „Ammoniakaner“. Dieses Wortungetüm soll ein Bäcker dann gegen „Amerikaner“ ausgetauscht haben. (andere Theorien dazu unter Amerikaner (Gebäck))

In der Volksrepublik China wird Ammoniumhydrogencarbonat in großen Mengen als Stickstoffdünger eingesetzt.[7]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Eintrag zu Ammoniumhydrogencarbonat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. 2,0 2,1 2,2 Eintrag zu Ammoniumhydrogencarbonat . In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  3. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  4. PAETEC Formelsammlung Ausgabe 2003, S. 116.
  5. 5,0 5,1 Brockhaus ABC Chemie, F.A. Brockhaus Verlag Leipzig 1971, S. 73.
  6. 6,0 6,1 6,2 Zapp, K.-H.; Wostbrock, K.-H.; Schäfer, M.; Sato, K.; Seiter, H.; Zwick, W.; Creutziger, R.; Leiter, H.: Ammonium Compounds in Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 2005, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim, doi:10.1002/14356007.a02_243 .
  7. Yara Fertilizer Industry Handbook 2008, Seite 16.

Kategorien: Lebensmittelzusatzstoff | Hydrogencarbonat | Ammoniumverbindung | Gesundheitsschädlicher Stoff

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ammoniumhydrogencarbonat (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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