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Althing


Althing
Logo Alþingishúsið
Basisdaten
Sitz: Alþingishúsið,
Reykjavík
Legislaturperiode: 4 Jahre
Erste Sitzung: 1. Dezember 1918
Abgeordnete: 63
Aktuelle Legislaturperiode
Letzte Wahl: 27. April 2013
Vorsitz: Einar K. Guðfinnsson (D)
      

Sitzverteilung:
  • Unabhängigkeitsp. 19
  • Fortschrittspartei 19
  • Allianz 9
  • Links-Grüne 7
  • Strahlende Zukunft 6
  • Piratenpartei 3
  • Website
    www.althingi.is

    Das Althing (isl. Alþingi) ist das Parlament Islands. Es folgt seit 1991 dem Einkammersystem. Das Althing geht bis ins Jahr 930 zurück und ist damit das älteste bestehende Parlament der Welt. Als die älteste durchgehend existierende Volksvertretung gilt hingegen der bis 979 zurückverfolgbare Tynwald der Isle of Man.

    Bedeutung des Wortes

    Thing ist in allen skandinavischen Sprachen das Wort für „Versammlung“, „Zusammenkunft“ und „Gericht“, auf denen rechtliche und administrative Angelegenheiten verhandelt werden.

    Historisches Althing

    Dieser Artikel oder Abschnitt ist lückenhaft.

    Gründung

    Das historische Althing bestand seit der Landnahme 930 in Þingvellir als gesetzgebende Versammlung des isländischen Freistaats. Island war zu der Zeit in Godentümer eingeteilt, denen jeweils ein Gode (goði), meist ein Mann vornehmer Abstammung, vorstand. Innerhalb dieser Art von Gemeinden wurden auf eigenen Versammlungen Rechtsstreitigkeiten geklärt. Die Godentümer entwickelten sich so weit, dass es nötig schien, sie zu einem Staat zu vereinen und eine landesweit einheitliche Gesetzgebung zu schaffen. Um dies zu erreichen, entsandten die Goden den weisen Ulfjot nach Norwegen, der einige Jahre später zurückkam und auf dessen Initiative schließlich die erste landesweite Versammlung des Althings stattfand und Recht nach norwegischem Vorbild sprach.

    Auswahl des Ortes

    Als Ort der Versammlungen wurde Þingvellir gewählt, das 52 km nordöstlich von Reykjavík in der Nähe des größten Binnensees des Landes, des Þingvallavatn liegt und das im Jahre 930 nur aus einem Bauernhof bestand. Der Thingplatz am Fuße der Spalte Almannagjá ist von gewaltigen Lavaflächen umgeben, die nur mit niedrigem Gehölz und Blumen bedeckt sind. Nördlich des Sees liegt der 1060 m hohe Schildvulkan Skjaldbreiður, der vor 8000 Jahren die Lavamengen verströmte. Nach dem Íslendingabók, einer Quelle über die Landnahme- und die Sagazeit, wurde Grímur Geitskór von den ersten Siedlern beauftragt, einen Platz für die Volksversammlung ausfindig zu machen. Er entschied sich nach langer Suche für die Ebene nordwestlich des Þingvallavatn. Als Gründe für seine Wahl werden immer wieder angegeben, dass der Platz von allen Siedlungen des Südwestens gleich gut erreichbar war, dass es genügend Weideland für die Pferde und einen Fluss, die Öxará, gab. Dieser wurde später umgeleitet und versorgte die Anwesenden während der Versammlung mit Frischwasser. Weiterhin bot er die Möglichkeit, Forellen zu fangen. Angeblich gehörte die Gegend einem Bauern von Bláskógar, der des Mordes angeklagt und in die Verbannung geschickt wurde, worauf sein gesamtes Land der Allgemeinheit zufiel.

    Ein weiterer wichtiger Grund war die hervorragende Akustik des Ortes. Im Zentrum lag der "Gesetzesberg" Lögberg, auf dem der Gesetzessprecher (Lögsögumaður) seinen Platz einnahm. Vom Gesetzesberg war auch das normal gesprochene Wort weithin zu hören.

    Ablauf der Versammlungen

    Das Althing fand jedes Jahr an zwei Wochen um die Sommersonnenwende statt. Alle Goden und mit ihnen eine Gefolgschaft aller freien und volljährigen Männer waren Teil der Versammlungen, deren Teilnahme verpflichtend war. Eine Ausnahme war nur für allein wirtschaftende Bauern, Alte und Kranke möglich. Um thingfähig zu sein, musste der isländische Bauer über ein bestimmtes Mindestvermögen verfügen. Die ursprünglichste Aufgabe der Versammlungen war die öffentliche Behandlung von Rechtsstreitigkeiten, die Urteilsfindung und die Verkündung des Urteils, nicht aber dessen Exekution. Die wichtigste Rolle fiel dabei dem Gesetzessprecher zu, der der gesetzgebenden Versammlung (Lögrétta) jedes Jahr die Gesetze vorsprach. Das Althing war vermutlich auch eine Art Volksfest, Familientreffen und Heiratsmarkt, zu dem die Sippen die jungen heiratsfähigen Leute mitnahmen. Die Zelte und Buden standen in der Schlucht Almannagjá. Ein Standplatz ist noch genauer bekannt und gekennzeichnet.

    Unter norwegisch-dänischer Fremdherrschaft

    Auch während der Union mit Norwegen tagte bis 1799 die Versammlung. Seit Island 1262 unter der Autorität des norwegischen Königs stand, lag die exekutive Macht beim König und die Godentümer wurden in ihrer Form aufgelöst; das Althing bestand jedoch weiter und teilte sich legislative Funktionen mit dem norwegischen Monarchen. Nachdem Ende des 14. Jahrhunderts Norwegen und Island unter dänische Herrschaft fielen, hatte das Althing nahezu ausschließlich Bedeutung als Gerichtshof und wurde in dieser Funktion im Jahr 1800 schließlich aufgelöst, da ein neuer oberster Gerichtshof in Reykjavik gegründet wurde.

    Modernes Althing

    Das Althing wurde 1844 als Parlament für Island wiederhergestellt. 1881 nahm es seinen Sitz im neu errichteten Alþingishúsið in Reykjavík. Die Struktur des heutigen Althings wurde am 1. Dezember 1918 eingerichtet, als Island ein unabhängiges Königreich in Personalunion mit Dänemark wurde. Nachdem Island im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten besetzt worden war, wurde am 17. Juni 1944 die Republik ausgerufen.

    1959 wurde das System der Wahlkreise neu geordnet. In acht Wahlkreisen wurden 49 Mandate vergeben, zusätzlich gab es elf Ausgleichsmandate. 1968 senkte das Parlament das Mindestalter auf 20 Jahre. Eine Verfassungsänderung 1984 erhöhte die Gesamtzahl der Mandate auf 63 und senkte das Wahlalter auf 18 Jahre. Im Mai 1991 erfolgte eine umfangreiche Parlamentsreform: Die Teilung in zwei Kammern wurde beendet und durch ein Einkammersystem ersetzt.

    1999 wurde die Zahl der Wahlkreise (kjördæmi) ab 2003 auf sechs reduziert. Ihr geografischer Zuschnitt erfordert nun ein Parlamentsgesetz.

    Präsident des Althings ist seit der letzten Wahl 2013 Einar K. Guðfinnsson von der Unabhängigkeitspartei (Island). Zurzeit existieren acht ständige Ausschüsse.

    Zusammensetzung

    Die Sitzverteilung nach der letzten Wahl 2013 sieht folgendermaßen aus:

    Logo Partei Ausrichtung Vorsitzender Sitze
    Sjálfstæðisflokkur (D)
    Unabhängigkeitspartei
    liberal-konservativ Bjarni Benediktsson 19
    Framsóknarflokkurinn (B)
    Fortschrittspartei
    liberal,
    agrarisch
    Sigmundur Davíð Gunnlaugsson 19
    Samfylkingin (S)
    Allianz
    sozialdemokratisch Árni Páll Árnason 9
    Vinstrihreyfingin – grænt framboð (V)
    Links-Grüne Bewegung
    demokratisch-sozialistisch,
    ökosozialistisch
    Katrín Jakobsdóttir 7
    Björt framtíð (A)
    Strahlende Zukunft
    liberal Guðmundur Steingrímsson 6
    Píratar (Þ)
    Piratenpartei
    Piratenpolitik Birgitta Jónsdóttir 3
    Gesamt 63

    Parlamentswahlen

    Die Mitglieder des Parlaments werden regulär für vier Jahre auf Basis des Verhältniswahlrechts gewählt. Jeder Wahlbezirk entsendet dabei eine festgelegte Anzahl von Abgeordneten (insgesamt 54), die restlichen 9 Ausgleichssitze werden nach dem landesweiten Stimmenanteil der Parteien vergeben. Durch die Festlegung der Sitzanzahl jedes einzelnen Wahlbezirks, die die Bevölkerungssituation mindestens vier bis fünf Jahre vor der zu betrachtenden Wahl widerspiegelt, kommt es zu einem starken Ungleichgewicht des Stimmgewichts. So haben Politologen berechnet, dass vor der 2002 vollzogenen Wahlbezirksreform ein Bewohner des damals am schwächsten bevölkerten Bezirks Westfjorde (heute ist Norðurland vestra am dünnsten besiedelt) ein bis zu zehnfach höheres Stimmgewicht als ein Bewohner von Reykjavik hatte. Diese Ungleichheit wurde durch die Reformen nur teilweise abgemildert. Die Mandate werden nach dem Sainte-Laguë-Verfahren vergeben.

    Wahlen in den 1990er Jahren

    In den landesweiten Kommunalwahlen 1994 hatten die regierenden Koalitionsparteien, die konservative Unabhängigkeitspartei und die Sozialdemokratische Partei, die Unterstützung im gesamten Land verloren. Auch in der Hauptstadt Reykjavík verlor die Unabhängigkeitspartei nach mehr als einem halben Jahrhundert die Mehrheit.

    Bei den folgenden Parlamentswahlen 1995 verloren die Unabhängigkeitspartei und die Sozialdemokratische Partei vier Sitze. Sie hätten immer noch eine knappe Mehrheit im 63-köpfigen Althing gehabt. Jedoch erwählte der Premierminister und Parteivorsitzende der Unabhängigkeitspartei, Davíð Oddsson, die wiederauflebende Fortschrittspartei zum Partner, um eine stärkere und stabilere Mehrheit mit 40 Sitzen zu erlangen. Neben der geteilten Meinung innerhalb der Sozialdemokratischen Partei über Ökonomie und Islands mögliche Rolle innerhalb der Europäischen Union schadete sich die Partei auch dadurch, dass sie die einzige Partei war, die einen Antrag Islands auf eine EU-Mitgliedschaft unterstützte.

    Wahlen ab 2003

    Die Parlamentswahl 2003 brachte Verluste für die führenden Koalitionsparteien, die Unabhängigkeitspartei und die Fortschrittspartei, die aber die gemeinsame Regierung dennoch fortsetzen konnten.

    Bei der Parlamentswahl im Jahre 2007 gewann wie auch schon in den vorigen Wahlen die Unabhängigkeitspartei die Mehrheit und bildete mit der Allianz (Island) eine Große Koalition unter Ministerpräsident Geir Haarde.

    Am 25. April 2009 fand nach dem Bruch der Großen Koalition im Januar 2009 eine vorgezogene Parlamentswahl statt. In dieser errangen Sozialdemokraten und Linksgrüne die Mehrheit und bildeten eine gemeinsame Regierung unter Jóhanna Sigurðardóttir.

    Die regierenden Parteien verloren in den Wahlen vom 27. April 2013 drastisch an Zustimmung und so regiert seitdem wieder eine Koalition aus Unabhängigkeits- und Fortschrittspartei unter Premierminister Sigmundur Davíð Gunnlaugsson (Fortschrittspartei).

    Siehe auch

    Weblinks

     Wiktionary: Althing – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
     Commons: Althing  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Kategorien: Recht (Island) | Isländische Geschichte | Politik (Island) | Parlament (Europa) | Thing | Parlament nach Staat

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