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Altenkunstadt


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: LichtenfelsVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 292 m ü. NHN
Fläche: 32,91 km²
Einwohner: 5380 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 163 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96264
Vorwahl: 09572
Kfz-Kennzeichen: LIF, STE
Gemeindeschlüssel: 09 4 78 111
Gemeindegliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 2
96264 Altenkunstadt
Webpräsenz: www.altenkunstadt.de
Bürgermeister: Robert Hümmer (CSU)
}

Altenkunstadt ist eine Gemeinde am Obermain im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels.

Geographie

Geographische Lage

Altenkunstadt liegt am Fuß des Kordigast in der Region Oberfranken-West auf der linken Seite des Mains, etwa 17 km östlich von Lichtenfels und etwa 50 km nordöstlich von Bamberg. Auf der gegenüberliegenden nördlichen Seite des Flusses befindet sich die Nachbarstadt Burgkunstadt. Südlich schließt sich die Stadt Weismain an, westlich benachbart sind die Gemeinde Hochstadt am Main und die Stadt Lichtenfels.

Gemeindegliederung

Es existieren folgende Gemarkungen: Altenkunstadt, Baiersdorf, Burkheim, Maineck, Pfaffendorf, Prügel, Röhrig, Spiesberg, Strössendorf, Tauschendorf, Woffendorf, Zeublitz. Maineck liegt vier Kilometer östlich von Altenkunstadt entfernt direkt am Main.

Geschichte

Die Geschichte von Altenkunstadt ist eng mit der Geschichte der Stadt Burgkunstadt verbunden. Unklar ist, ob sich die Nennung von „Kunestat“ im 9. Jahrhundert auf Burgkunstadt oder Altenkunstadt bezieht. Die katholische Kirche von Altenkunstadt wird zu den Urpfarreien Oberfrankens gezählt. Die Gründung erfolgte wohl kurz nach 800[2], und zwar in einem vorkarolingischen, das heißt auch wohl vorchristlichen Friedhof und gehört somit zum ältesten Siedlungsbereich Altenkunstadts. Die erste Siedlung Altenkunstadts ist am Fuße des Hügels, auf dem sich die Kirche befindet, zu vermuten. Die Bevölkerung war lange Zeit slawisch. Erst allmählich drangen die Franken in diesen Siedlungsraum ein.[3]

Erstmals erwähnt wurde der Ort als „Alten-Kunstadt“ im Jahr 1248.[2] Die Kirche aus dem Jahre 1537 hatte drei Vorgängerbauten. Lange Zeit war sie Wehrkirche; sie besaß einen Mauerring, der in Kriegszeiten zum Schutz und zur Verteidigung der Bevölkerung diente. Diese Mauer ist zum Teil noch erhalten. Mit ihrem Kilians-Patrozinium gehörte die Kirche zunächst zum Bistum Würzburg. 1336 wurde sie dem Kloster Langheim inkorporiert und besitzt seither das Marien-Patrozinium.[2] Die Oberhoheit lag nun beim Bischof von Bamberg. Bis zur Säkularisation 1803 kamen die Altenkunstädter Pfarrer aus dem Kloster Langheim, dem der Ort unterstand.[2]

Neben der Kirche befand sich jahrhundertelang das Haus des Messners (früher Kirchner). Dort stand auch die älteste Schule des Ortes, die vermutlich schon mit der Gründung der Kirche entstand. Da der Pfarrer wegen der ursprünglichen Größe seines Pfarrsprengels (ca. 800 Quadratkilometer) den Unterricht kaum selbst bewältigen konnte, wurde das Amt des Lehrers auf den Kirchner übertragen. Die älteste Nachricht hierüber stammt aus dem Jahre 1458, von 1517 ist eine Gebührenordnung der Schule erhalten. Im Wesentlichen diente die Schule in den Anfängen zur Ausbildung der Jungen im Ministrantendienst und im Chorgesang, nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1802 wurde in diesem Gebäude die Volksschule eingerichtet. 1854 wurde das Haus abgerissen und die Schule in das heutige Rathaus verlegt.[3]

Altenkunstadt gehörte Jahrhunderte lang zum Hochstift Bamberg und ab 1500 auch zum Fränkischen Reichskreis. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Im Zuge dieser Gemeindereform kamen Woffendorf und Baiersdorf zur Gemeinde Altenkunstadt hinzu.[2] Die Industrialisierung begann Mitte des 19. Jahrhunderts.[2] In den 1970er Jahren wurden mehrere kleine Gemeinden um Altenkunstadt eingemeindet.[2]

Religion

Geschichte der Juden in Altenkunstadt

Im Ort war seit langem eine große Zahl jüdischer Familien ansässig. Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten sie fast die Hälfte der Einwohnerschaft. Entsprechend groß war der Friedhof, den sich die jüdische Gemeinde anlegte und der über 2000 Grabsteine enthält. Die Synagoge aus dem Jahr 1726, wahrscheinlich beim Novemberpogrom 1938 geplündert, wurde nach einer mehrjährigen Nutzung als Lagerraum für das Wasserwerk der Gemeinde 1989 bis 1993 umfassend restauriert und als Museum und Begegnungsstätte eingerichtet. Auf der ehemaligen Frauenempore erinnert eine Dauerausstellung an die Geschichte der Juden im oberen Maintal.[5]

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1972 wurde ein Teil der bis dahin selbständigen Gemeinde Pfaffendorf eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Zeublitz hinzu.[6] Maineck folgte am 1. Januar 1974. Strössendorf wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet. Mit der Eingliederung Burkheims wurde am 1. Januar 1977 die Reihe der Eingemeindungen abgeschlossen.[7]

Einwohnerentwicklung

Jahr 1840[8] 1961 1970 1987 2000 2005 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Einwohner 1317 4215 4536 4766 5649 5847 5713 5700 5704 5647 5603 5396

Von den 5618 Einwohnern am 31. Dezember 2014 waren 3327 katholisch, 1550 evangelisch und 741 anderen Glaubens oder konfessionslos.[9]

Politik

Gemeinderat

Kommunalwahl 2014 Stimmverteilung[10]
 %
30
20
10
0
29,70
22,47
14,85
9,65
9,22
5,31
4,42
4,38
JWU
FBO
SB
JB
Anmerkungen:
z Wahlbeteiligung: 70,21 %
Stimmberechtigte: 4.484
Wähler: 3.148
Ungültige Stimmen: 95
Gültige Stimmen: 56.061
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Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:[11]

CSU 6 Sitze
SPD 2 Sitze
Grüne 1 Sitz
Junge-Wähler-Union (JWU) 4 Sitze
Freie Bürger der Ortsteile (FBO) 3 Sitze
Freie Wählergemeinschaft (FWG) 2 Sitze
Soziale Bürger (SB) 1 Sitz
Junge Bürger (JB) 1 Sitz

Außerdem gehört dem Gemeinderat der Bürgermeister an.

Bürgermeister

Bürgermeister ist Robert Hümmer (CSU). Er wurde bei der Kommunalwahl nach einer Stichwahl am 30. März 2014 bei einer Wahlbeteiligung von 68,02 % mit 51,92 % der gültigen Stimmen gewählt.[12]

Wappen

Das heutige Gemeindewappen wurde am 7. August 1957 mit ministerieller Zustimmung eingeführt.[13] Die Blasonierung lautet: „Gespalten von Silber und Blau; vorne zwei blaue Balken, überdeckt mit einem schräglinken roten Wellenbalken; hinten ein goldener Kelch mit daraus wachsendem goldenem Abtsstab.“ Durch diese beiden Elemente wird die politische Zugehörigkeit Altenkunstadts widergespiegelt.[14] In der vorderen Hälfte des Wappens ist das Stammwappen der jahrhundertelang im Ort begüterten Marschälken von Kunstadt zu sehen.[14] Die hintere Hälfte ist an das Wappen des Kloster Langheims angelehnt, das von 1336 bis 1803 über erheblichen Grundbesitz in Altenkunstadt verfügte und das örtliche Kirchenpatronat innehatte.[14]

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Der Pfarrhof wurde 1784 im fränkischen Barock errichtet. Der zweiläufige Treppenaufgang ist zeittypisch verziert. Der Scheitelstein im Türsturz verweist darauf, dass Pfarrer Erasmus Zillig das Gebäude aufführen ließ. Der Seitenflügel des Pfarrhofes entstand 1802/03. Seine Fundamente ruhen zum Teil auf der alten Umfassungsmauer des Kirchenareals. Bis 1854 war der Pfarrhof mit dem gegenüberliegenden Kirchnerhaus mit einem Torbogen verbunden, der den Kirchenbezirk abschloss.[15]
  • Die katholische Kirche aus dem Jahre 1537

Baudenkmäler

Musik

Der Musikverein Altenkunstadt e. V. wurde im Jahr 1970 gegründet. Derzeit stellen 25 aktive Musiker und Musikerinnen ihr Können unter Beweis.

Rettungsorganisationen

In der Gemeinde obliegt der Einsatz bei Brand- und Katastrophenfällen der Stützpunktfeuerwehr Altenkunstadt mit den dazugehörenden Ortsteilfeuerwehren. Die Freiwillige Feuerwehr besteht seit über 130 Jahren.

Wirtschaft und Infrastruktur

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, im produzierenden Gewerbe 578 und im Bereich Handel und Verkehr 1648 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2282. Im verarbeitenden Gewerbe (sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden) gab es drei, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 76 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1273 Hektar. Davon waren 875 Hektar Ackerfläche und 394 Hektar Dauergrünfläche. Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 4.067.000 Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 1.416.000 Euro.

Ansässige Unternehmen

Bekannte Unternehmen sind der Plüschtierhersteller NICI GmbH, die Brauerei Leikeim sowie der Baur Versand.

Bildung

In Altenkunstadt gibt es zwei Kindertagesstätten, eine Grundschule und eine Mittelschule.

Söhne und Töchter

  • Wolfgang Mack (1808–1883), deutscher Chirurg und Stifter
  • Jacob Hirsch (1874–1955), deutsch-schweizerischer Numismatiker, Archäologe und Kunsthändler
  • Alfred Nikolaus Witt (1914–1999), Orthopäde und Chirurg, Hochschullehrer in Berlin und München
  • Josef Seiz (1934–2010), deutscher Tischtennisspieler

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Gemeinde Altenkunstadt - Informationsbroschüre mit Ortsplan. Grafik Design Sesselmann in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Altenkunstadt, Altenkunstadt 2008, S. 5
  3. 3,0 3,1 Schautafel vor der Kirche
  4. Grabtafel an der Kirche
  5. Die Synagoge in Altenkunstadt (Kreis Lichtenfels). In: www.alemannia-judaica.de. Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der jüdischen Geschichte im süddeutschen und angrenzenden Raum, abgerufen am 30. August 2015.
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 512.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 694.
  8. Thomas Gunzelmann: Die Kulturlandschaft um 1840. In: Günther Dippold: Im oberen Maintal auf dem Jura an Rodach und Itz, Selbstverlag der Kreissparkasse Lichtenfels, Lichtenfels 1990, S. 75
  9. Amtsblatt der Gemeinde Altenkunstadt, Nr. 1/2015, S.3 (PDF; 2,2 MB)
  10. Vorläufiges Ergebnis zur Gemeinderatswahl 2014 am 16.03.2014 Gemeinde Altenkunstadt. In: altenkunstadt.de. 30. März 2014, archiviert vom Original am 29. April 2014, abgerufen am 4. August 2014.
  11. Amtsblatt der Gemeinde Altenkunstadt 42. Jahrgang Nr. 4. 28. April 2014, S. 5, abgerufen am 30. August 2015 (PDF; 2,1 MB).
  12. Bayerisches Landesamt für Statistik. In: www.wahlen.bayern.de. Abgerufen am 30. August 2015.
  13. Motschmann (2006), S. 17
  14. 14,0 14,1 14,2 Gemeinde Altenkunstadt - Informationsbroschüre mit Ortsplan. Grafik Design Sesselmann in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Altenkunstadt, Altenkunstadt 2008, S. 7
  15. Schautafel vor dem Pfarrhof

Literatur

  • 1200 Jahre Altenkunstadt. Altenkunstadt, Gemeinde Altenkunstadt, 2006
  • Josef Motschmann: Altenkunstadt – Heimat zwischen Kordigast und Main. Gemeinde Altenkunstadt, Altenkunstadt, 2006
  • Johann Baptist Müller: Altenkunstadt – Burgkunstadt – ein Beitrag zur Siedlungs- und Burgengeschichte des Raumes um den Kordigast. Bayreuth, 1978

Weblinks

 Commons: Altenkunstadt  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Altenkunstadt – Reiseführer

Kategorien: Ort am Main | Ort im Landkreis Lichtenfels | Altenkunstadt | Gemeinde in Bayern

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