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Altengronau


Dieser Artikel befasst sich mit dem Ort Altengronau. Zum historischen Gerichtsbezirk siehe Gericht Altengronau.
Altengronau
Gemeinde Sinntal
Höhe: 222 m ü. NHN
Fläche: 11,87 km²[1]
Einwohner: 1286 (30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 36391
Vorwahl: 06665

Altengronau ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im Main-Kinzig-Kreis in Hessen (Deutschland).

Geografie

Altengronau befindet sich am nordöstlichen Rand des waldreichen Naturparks Spessart, sowie am südwestlichen Rand des Biosphärenreservates Rhön, bzw. der Brückenauer Kuppenrhön. Die Ortslage liegt am rechten Ufer unterhalb der Vereinigung der breiten Sinn und der schmalen Sinn. In Altengronau mündet die Gronau in die Sinn. Altengronau liegt an der hessisch-bayerischen Landesgrenze.

Nachbarorte

Sinntal-Neuengronau
Main-Kinzig-Kreis
Sinntal-Mottgers
Main-Kinzig-Kreis
Markt Zeitlofs
Landkreis Bad Kissingen
Sinntal-Jossa
Main-Kinzig-Kreis
Markt Obersinn
Landkreis Main-Spessart

Geschichte

Ursprünge

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Altengronau in einer in lateinischer Sprache verfassten Urkunde, der zufolge ein gewisser Hainradus den Ort Gruona oberhalb des Flusses Gaza (heute: Jossa [2]) zu seinem Seelenheil dem Kloster Echternach vermachte; die Urkunde trägt als einziges Datierungsmerkmal das zehnte Königsjahr Karls des Großen.

Karl wurde im Jahre 771 zum Alleinherrscher des Fränkischen Reiches, nachdem sein Bruder Karlmann am 4. Dezember verstorben war. Gemäß den Ausführungen des luxemburgischen Historikers Henri-Camille Wampach zur Datierung der Echternacher Urkunden wurde die Schenkung des Hainradus auf das Jahr 780 datiert [3]. Dieses Datum ist heute als erstmalige urkundliche Erwähnung Altengronaus allgemein gebräuchlich.

Abweichend hiervon spricht sich die jüngere Forschung für eine Datierung von Karls Regierungsjahren als König bereits ab 768 aus. Nachdem Karls Vater Pippin am 24. September des Jahres 768 verstorben war, wählte eine Versammlung am 9. Oktober dessen Söhne Karl und Karlmann gemeinschaftlich zu Königen im Frankenreich; Karlmann regiert im südöstlichen Reichsteil, Karl den anderen Teil. Folgt man dieser Auslegung, so ist die Schenkungsurkunde des Hainradus und damit die erstmalige urkundliche Erwähnung Altengronaus auf die Jahre 777 oder 778 zu datieren [4].

Zeit des Heiligen Römischen Reiches

Am 19. März 907 kam der Ort Altengronau, er wird als locus bezeichnet, durch Gütertausch der Klöster Echternach und Fulda in den Besitz des Klosters Fulda [5] [6]; den Tausch vollzog der ostfränkische König Ludwig das Kind vor dem Reichstag zu Fürth (?)[7]. Altengronau wird damals beschrieben als Gronhaa in Salagowe (Gronau im Saalgau).

Die Geschicke des Ortes wurden im Zeitraum von ca. 1300 bis 1648 maßgeblich durch das alte fränkische Rittergeschlecht der Herren von Hutten bestimmt. Diese bildeten mit dem Gericht Altengronau einen eigenen Gerichtsbezirk, der sich auch auf zahlreiche benachbarte Ortschaften erstreckte.

Als Stammvater der Herren von Hutten zu Gronau gilt Ludwig von Hutten, der in einer am 21. Juni 1300 ausgestellten Urkunde erwähnt wird [8]. Es wird vermutet, dass Ludwig "das alte Haus" bewohnte - die erste Burganlage zu Altengronau, für deren Existenz keine archäologischen Befunde vorliegen, deren Standort jedoch im Wald auf dem Frauenberg vermutet wird. Die von Hutten errichteten in Altengronau insgesamt vier Burganlagen, von denen zwei bis heute erhalten sind.

Im Heiligen Römischen Reich ist die Geschichte Altengronaus durch häufige Wechsel der Eigentumsverhältnisse gekennzeichnet. So gehörte der Ort u.a. zur Herrschaft Hanau und wurde im Jahre 1376 durch Ulrich IV. von Hanau an Ludwig "den Älteren" von Hutten gegen ein Darlehen als Pfand gegeben [9]. Später gehörte Altengronau zur Grafschaft Hanau (folgend zur Grafschaft Hanau-Münzenberg) und wurde im Jahre 1478 durch Philipp I. von Hanau-Münzenberg an Lorenz von Hutten zum Lehen gegeben [10]. Den Grafen von Hanau gelang es jedoch nicht, Altengronau im Rahmen der Territorialisierung ihrer Grafschaft fest in diese einzubinden. Der Einfluss der Herren von Hutten und anderer Adelshäuser wie der von Thüngen blieb hier immer massiv präsent.

Im Jahre 1648 wurden die im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Besitzungen der Herren von Hutten zu Gronau durch Philipp Daniel von Hutten an Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg, Landgräfin von Hessen-Kassel, verkauft [11] – unter Vorbehalt seiner weiteren Zugehörigkeit zur reichsritterlichen Matrikel. Damit endete die seit dem 13. Jahrhundert währende Herrschaft der Herren von Hutten in Altengronau.

Der Hauptstamm der Herren von Hutten zu Gronau ist mit dem Ableben von Johann Hartmann am 17. Januar 1704 in Sannerz erloschen.

Spätere Territorialentwicklung

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen Johann Reinhard III. im Jahr 1736 erbten die Landgrafen von Hessen-Kassel die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg. Altengronau gehörte so später zum Kurfürstentum Hessen, sowie in napoleonischer Zeit vorübergehend zum Großherzogtum Frankfurt (1810 bis 1813). Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Altengronau zum Landkreis Schlüchtern und zum Justizamt Schwarzenfels. Am 1. Dezember 1969 wurde der bis dahin selbständige Nachbarort Neuengronau eingegliedert. Durch die Hessische Gebietsreform wurde das ehemals selbständige Altengronau am 1. Juli 1974 zu einem Teil der Gemeinde Sinntal, und durch die Auflösung des Kreises Schlüchtern wiederum zu einem Teil des Main-Kinzig-Kreises.[12]

Namensentwicklung

In erhaltenen Urkunden wurde Altengronau unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[13]

  • Gronhaa (907)
  • Grunaha (1166)
  • Grunau (1346)
  • Alten Gronaw (1358)
  • Burggronau

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[13]

  • Vor 1618: 35 Haushaltungen
  • 1747: 50 Haushaltungen
  • 1895: 891 Einwohner
  • 1895: 75 Feuerstellen, 791 Einwohner
  • 1939: 1037
  • 1961: 1268
  • 1970: 1711
Altengronau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
747
1840
  
738
1846
  
823
1852
  
824
1858
  
796
1864
  
801
1871
  
1.375
1875
  
835
1885
  
833
1895
  
891
1905
  
982
1910
  
1.027
1925
  
1.019
1939
  
1.037
1946
  
1.591
1950
  
1.516
1956
  
1.338
1961
  
1.268
1967
  
1.315
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Für das Passieren der malerischen alten Brücke über die Sinn, die in ihrer heutigen Form im Jahre 1753 errichtet wurde und das Wappen der Landgrafen von Hessen-Kassel trägt, musste im 18. Jahrhundert ein Brückengeld entrichtet werden; aus dieser Zeit stammt auch das an der Hauptstraße gelegene Zollhaus.
  • Spiegelglashütte
In den Jahren 1765 bis 1791 befand sich in Altengronau eine Spiegelglashütte (als Nebenbetrieb des durch die hessischen Landgrafen erbauten Blaufarbenwerkes Schwarzenfels in Mottgers). Die im Sinntal hergestellten Spiegel waren bedeutend und wurden auch in das benachbarte Ausland exportiert. Das Haus des Verwalters der Altengronauer Glashütte ist bis heute erhalten geblieben; das ca. 30 Meter lange Werksgebäude ist dagegen verschwunden.
  • Mühlen
Innerhalb des Ortes befanden sich im südöstlichen Bereich an einem von der Sinn abzweigenden Betriebsgraben zwei Mühlen: Die sogenannte Mühle Altengronau, eine Getreide-, Säge- und Ölmühle (1975 stillgelegt), sowie eine Papiermühle, die später durch den heute ebenfalls stillgelegten Steinverarbeitungsbetrieb Gerhäuser Marmorwerke weitergenutzt wurde.

Naturdenkmäler

Außerhalb der Ortslage Altengronau finden sich die nachstehenden Naturschutzgebiete, die aufgrund der hier anzutreffenden Arten von überregionaler Bedeutung sind:

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Fastnachtsumzug (abwechselnd im Zwei-Jahres-Rhythmus mit der Nachbargemeinde Zeitlofs)
  • Hoch-Tief Beachparty (jährlich)
  • Schachblumenfest des Landfrauenvereins Altengronau (jährlich zwischen der zweiten April- und ersten Maihälfte)
  • Zeltkirmes (jährlich am Wochenende des ersten Sonntags im September)
  • Weihnachtsmarkt am Dorfplatz

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

  • Die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg durchquert das Gemeindegebiet. Einen markanten Streckenabschnitt bildet der 2353 m lange Tunnel Altengronauer Forst.
  • Die Bahnstrecke Flieden–Gemünden durchquert das Gemeindegebiet. Der ehemals vorhandene Haltepunkt Altengronau Nord wird heute nicht mehr bedient. Einen markanten Streckenabschnitt bildet der 208 m lange Ziegenbergtunnel.
  • Die Sinntalbahn bediente bis zur Stilllegung der Strecke am 31. März 2005 den Haltepunkt Altengronau Süd auf dem Gemeindegebiet.
  • Die Buslinie 91 der Verkehrsgesellschaft Region Fulda mbH (VGF) verbindet seit Dezember 2006 Altengronau mit Jossa und Schlüchtern.

Vereine und Gruppierungen

  • Alegrüner Fosenöchter e. V.
  • ARGE Altengronauer Vereine
  • Förderverein Ev. Kirche Altengronau
  • Fußballverein Viktoria 1928/73 e. V.
  • Hoch-Tief
  • Kirchenchor
  • Landfrauenverein Altengronau
  • Männerchor Sangeslust
  • Modellflug Gronautal
  • Oldtimer- und Schlepperfreunde
  • Quärchstiefel e. V.
  • Schützenverein Altengronau 1924
  • Turn- und Sportverein 1911 e. V.
  • Verkehrs- und Heimatverein e. V. Altengronau

Tourismus

  • Die Sehenswürdigkeiten von Altengronau erschließen sich dem interessierten Besucher besonders anschaulich, wenn er den Stationen des ca. 5 km langen Kulturweges "Im Lande der Ritter von Hutten" folgt, welcher durch das Archäologische Spessartprojekt (ASP) ins Leben gerufen wurde.
  • Altengronau ist Station der folgenden, landschaftlich reizvollen Radwanderwege:

Persönlichkeiten

Literatur

  • Hans Elm (Hrsg.): Chronik und Festschrift zur 1200-Jahr-Feier der bis 1970 selbständigen Gemeinde Altengronau 780 bis 1980, Schneider-Druck, Zeitlofs 1980.
  • G. Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen... = Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 7. Supplement. Kassel 1858, S. 633–634.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 184 (mit Amt und Gericht).
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. ISBN 3-86134-228-6, S. 366.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 415–418.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 „Einwohner, Daten und Anfahrt“ im Internetauftritt der Gemeinde Sinntal , abgerufen im April 2016.
  2. Hans Elm (Hrsg.): Chronik und Festschrift zur 1200-Jahr-Feier der bis 1970 selbständigen Gemeinde Altengronau 780 bis 1980, Schneider-Druck, Zeitlofs 1980 Seite 19
  3. Camillus Wampach: Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter: Untersuchungen über die Person des Gründers, über die Kloster- und Wirtschaftsgeschichte auf Grund des liber aureus Epternacensis (698-1222) Luxemburger Kunstdruckerei, 1929 Nr. 82
  4. Heinrich Wagner: Zur Gründung der Klöster Weißenburg und Echternach und ihrem Wirken in Mainfranken. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 55 (2003) S. 103-146, hier S. 143
  5. Hessisches Staatsarchiv Marburg: Urkunde vom 19. März 907
  6. Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Abt. 2, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Bd. 1 (767-1300) Publikationen aus den königlich-preußischen Staatsarchiven, Hirzel, Leipzig 1891 Nr. 37.
    Theodor Schieffer (Hrsg.): Diplomata 11: Die Urkunden Zwentibolds und Ludwigs des Kindes (Zwentiboldi et Ludowici Infantis Diplomata). Berlin 1960, S. 178–179 (Monumenta Germaniae Historica, _S.178 Digitalisat )
  7. siehe auch Geschichte der Stadt Fürth
  8. Hoffmann, Hermann (Bearb.): Das älteste Lehenbuch des Hochstifts Würzburg 1303-1345, Würzburg 1972, Nr. 375
  9. Georg-Wilhelm Hanna: Ministerialität, Macht und Mediatisierung. Die Ritteradligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches = Hanauer Geschichtsblätter 44. Hanau, 2007. ISBN 3-935395-08-6 = Diss. Bamberg 2006, Seite 319 auf dem OPUS-Server , pdf 7.024 kb
  10. StA Marburg, Z 17, Nr. 8898/3: 48
  11. Ledderhose, Konrad Wilhelm: Beyträge zur Beschreibung des Kirchen-Staats der Hessen-Casselischen Lande, Kassel 1780, Seite 468
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  13. 13,0 13,1 „Altengronau, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 22. Dezember 2014)

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