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Alpenpässe im Wallis zu römischer Zeit


Walliser Pässe

Im Römischen Reich war der Grosse-St.-Bernhard-Pass (Summus Poeninus oder Penninus, 2.469 m) der wichtigste Alpenübergang zwischen Italien und den Nordprovinzen Gallia und Belgica.[1] Zudem war es die direkteste Verbindung nach Britannien. Der Pass wurde von den Römern stark ausgebaut. Auf der Passhöhe errichteten sie einen kleinen Tempel zu Ehren Jupiters. Auf den beiden ältesten, in den Jahren 1978 bzw. 1980 bei Versvey gefundenen Meilensteinen der Schweiz aus dem Jahre 47 n. Chr. nördlich vom Forum Claudii Vallensium (Martigny) auf der Passroute steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Passstraße über den Großen St. Bernhard an den Genfersee:[2]

Ti(berius) Claudius Drusi f(ilius) | Caesar Aug(ustus) Germ(anicus) | pontif(ex) max(imus) trib(unicia) pot(estate) VII | imp(erator) XII p(ater) p(atriae) co(n)s(ul) IIII |5 (a) F(oro) C(laudii) A(ugusti) | (milia passuum) XXXVII bzw. XXI

Übersetzung:

Kaiser Tiberius Claudius Augustus, Sohn des Drusus, Germanensieger, Oberpriester, im 7. Jahr seiner tribunizischen Gewalt, zum 12. Mal zum Imperator ausgerufen, Vater des Vaterlandes, zum 4. Mal Konsul. Von Forum Claudii Augusti (Martigny) 37 Meilen (~55 km) bzw. 21 Meilen (~31 km).

Verbindungen mit Italien

Der Übergang über den Theodulpass ist belegt durch frühkaiserliche Münzfunde, der Monte Moro- und Antronapass sind belegt durch spätantike Münzfunde, ebenso wie der Albrunpass und der Nufenenpass. Der Simplonpass (Ital. Sempione) verbindet Novara mit dem Wallis und stellt die kürzeste Verbindung zwischen dem Wallis und Mailand dar. Da der Sankt Gotthardpass zur Römerzeit wahrscheinlich nicht benutzt wurde, war der Simplon via Grimsel- und Furkapass die schnellste Verbindung zum zentralen Teil der Alpen und an den oberen Rhein.

Nachweislich wurde der Simplon im Jahre 195 n. Chr. unter Kaiser Septimius Severus für einen Betrag von 22.600 Sesterzen ausgebaut und in Stand gesetzt. Allerdings fehlen zurzeit Münzfunde auf der Passhöhe. Dokumentierte Überquerungen sind nicht vorhanden; erst nach dem Untergang des Römischen Reiches im Jahre 489 n. Chr. soll der Burgundenkönig Gundobad mit seiner Horde den Simplon vom Wallis aus in Richtung Italien überquert haben.

Auf der Nordseite des Wallis sind folgende Pässe nachweislich von den Römern benutzt worden: Der Lötschenpass und Gemmipass bildeten die Verbindung mit dem Berner Oberland; sie sind belegt durch frühkaiserliche Münzfunde. Der Lötschenpass wurde vermutlich auch als Pilgerweg benutzt, da in Thun-Allmendigen (Berner Oberland) ein bedeutendes römisches Heiligtum stand.

Römischer Straßenbau in den Alpen

Erste Wege und Strassen führten über alte, oft schon von den Vorgängern der Römer befestige Wege, wie die über den Septimer, Splügen, Simplon, Großen St.Bernhard oder Montgenèvre. Aber bald dehnte sich der Strassenbau auch auf andere Pässe aus, die zuvor zwar begangen wurden, aber doch weniger Bedeutung hatten, wie der Kleine St.Bernhard, Grimsel, San Bernardino, Reschen, Plöcken oder auch Brenner. Auch Herbergen, so genannte Mansiones (Einzahl: Mansio), wurden schon errichtet, während Zollstationen meist im Tal lagen, besonders dort wo die Provinzgrenzen aufeinander trafen. Auch wenn die Herrschaft der Römer auf die Alpenregion z.T. kaum mehr als drei Jahrhunderte umfasste, war dies die umfassendste Umwälzung in dieser Region seit der neolithischen Revolution, und in vielen Regionen gab es bis zum Aufkommen des Tourismus keine größere Umwälzung. Der Einfluss eines Großreiches mit seiner hohen Kultur, Finanzkraft, Infrastruktur und staatlichen Ordnung auf eine einfache, wenn auch bei weitem nicht kulturlose Region wie die der Alpen hatte Folgen, die noch heute in den gesamten Alpen zu spüren und zu sehen sind.[3]

Literatur

  • Gerold Walser: Summus Poeninus. Beiträge zur Geschichte des Großen St. Bernhard-Passes in römischer Zeit. Steiner, Wiesbaden 1984 (Historia Einzelschriften, 46) ISBN 3-515-04183-4
  • Gerold Walser: Via per Alpes Graias. Beiträge zur Geschichte des Kleinen St. Bernhard-Passes in römischer Zeit. Steiner, Stuttgart 1986 (Historia Einzelschriften, 48) ISBN 3-515-04541-4
  • Gerold Walser: Studien zur Alpengeschichte in antiker Zeit. Steiner, Stuttgart 1994 (Historia Einzelschriften, 86) ISBN 3-515-06498-2
  • Uwe A. Oster: Wege über die Alpen. Von der Frühzeit bis heute. 160 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Darmstadt 2006, ISBN 3-89678-269-X

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. z. B. Planta, A.: Zum römischen Weg über den Grossen St. Bernhard. In: Helvetia Archeologica 10 (1979), S. 15-30.
  2. Vgl. Gerold Walser: Römische Inschriften in der Schweiz für den Schulunterricht ausgewählt, photographiert und erklärt. III. Teil: Wallis, Tessin, Graubünden. Meilensteine aus der ganzen Schweiz. Bern: Haupt, 1980, Nr. 317, S. 158-159, 172. Theodor Mommsen: Inscriptiones Confoederationis Helveticae Latinae. Zürich: Meyer & Zeller, 1854. (Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 10), Nr. 322. Corpus Inscriptionum Latinum. Bd. 12, Nr. 5528 = Bd. 17/2, Nr. 124. Ernst Howald; Ernst Meyer: Die römische Schweiz. Texte und Inschriften mit Übersetzung. Zürich: Niehans, 1941, S. 377. Georg Walser: Die römischen Strassen in der Schweiz. Bd. 1 (1967), S. 15. François Mottas: Milliaires et vestiges des voies romaines du canton de Vaud. In: Archäologie der Schweiz 3 (1980), Nr. 3, S. 154-168.
  3. Steffan Bruns: Alpenpässe - vom Saumpfad zum Basistunnel.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Alpenpässe im Wallis zu römischer Zeit (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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