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Alfred Gille


Alfred Gille (* 15. August 1901 in Insterburg/Ostpreußen; † 18. Februar 1971 in Rheinbach) war ein deutscher Politiker (GB/BHE) und Jurist.

Leben und Beruf

Alfred Gille, der evangelisch war, besuchte bis zum Abitur im Jahre 1920 das Realgymnasium in Insterburg und absolvierte anschließend in Königsberg und München ein Studium der Rechtswissenschaften, das er 1923 mit dem Referendariatsexamen abschloss. Er trat 1920 der Burschenschaft Alemannia Königsberg bei. 1927 wurde er Assessor beim Amtsgericht Königsberg und wurde im Jahr darauf mit der Arbeit "Wesen und Folgen der Rechtshängigkeit im Strafprozeß" zum Doktor der Rechte promoviert. Im selben Jahr wurde er als 27-Jähriger zum Bürgermeister von Lötzen gewählt und war damit der jüngste Bürgermeister in Ostpreußen.

1933 trat Gille der SA bei (letzter Dienstrang: Scharführer). Nach Lockerung der vierjährigen Aufnahmesperre wurde er 1937 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 6.019.687),[1][2] deren Gauleitung Ostpreußen er zeitweise angehörte. Gille war Beisitzer am Volksgerichtshof.[3]

Im Zweiten Weltkrieg war Gille zunächst Artillerieoffizier. Im Oktober 1941 kam er als Kriegsverwaltungsrat zur Frontleitstelle Krakau. Im Sommer 1942 wurde er zunächst Stadtkommissar der Militärverwaltung, dann von November 1942 bis Oktober 1943 nach formaler Entlassung aus der Wehrmacht Gebietskommissar für den Kreis Saporoschje-Stadt im Reichskommissariat Ukraine. In dieser Funktion wirkte er an der Deportation Tausender Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich und an den verwaltungsmäßigen Maßnahmen mit, die beim Rückzug der Wehrmacht im Herbst 1943 getroffen wurden und die Zerstörung der Stadt und den Tod vieler Einwohner in Kauf nahmen.[4] Nachdem Gille von November 1943 bis März 1944 als leitender Sachbearbeiter für die Abwicklung des Verwaltungsapparates des Reichskommissariats Ukraine zuständig war, amtierte er von März bis Juli 1944 als Gebietskommissar für das Kreisgebiet Nowogrodek im Generalbezirk Weißruthenien, ehe er von Juli 1944 bis Kriegsende noch einmal für die Wehrmacht als Ordonanzoffizier des Artillerieregiments 1711 eingesetzt wurde.[5] Von 1945 bis 1948 befand Gille sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und kam dann als Heimatvertriebener nach Lübeck. Als Vorsitzender des Landesverbandes der Heimatvertriebenen Schleswig-Holstein unterzeichnete er die Charta der deutschen Heimatvertriebenen. Ab 1950 war er Rechtsanwalt, ab 1952 auch Notar in Lübeck.

Gille war Mitbegründer der Neuen Lübecker Norddeutschen Baugenossenschaft eG. Die Gründung der Genossenschaft erfolgte am 14. November 1949 mit der Zielsetzung, insbesondere den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen Wohnraum in Lübeck und später in Norddeutschland bereitzustellen. Er gehörte dem Aufsichtsrat dieser Genossenschaft von 1949 bis zu seinem Tode 1971 als Vorsitzender an.

1950 gehörte Gille zu den Begründern des GB/BHE, dessen Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein er bis 1962 war. Nach der Vereinigung des GB/BHE mit der DP 1961 war er Bundesvorstandsmitglied der GDP. Von 1950 bis zum 27. Oktober 1954 war Gille Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein, wo er zeitweise auch die BHE-Fraktion führte. Von 1950 bis zum 6. August 1954 war er Vorsitzender des Innenausschusses des Landtages. 1953 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt, wo er stellvertretende Fraktionsvorsitzender war. Von 1953 bis zum 31. Dezember 1955 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Angelegenheiten der inneren Verwaltung. Öffentliche Kontroversen löste seine Warnung "vor einer Dramatisierung der Neonazigefahr" aus.[6]

Von 1952 bis 1966 war Gille Sprecher (Bundesvorsitzender) der Landsmannschaft Ostpreußen und spielte auch eine führende Rolle im Bund der Vertriebenen (BdV). In den 1950er Jahren war er Vorsitzender des Landesverbandes der Heimatvertriebenen in Schleswig-Holstein. Aus gesundheitlichen Gründen legte er 1966 alle Ämter nieder.

Am 11. September 1968 wurde Gille das Verdienstkreuz 1. Klasse des Bundesverdienstkreuzes verliehen. Er war verheiratet und hatte ein Kind.

Abgeordneter

Von 1950 bis zum 27. Oktober 1954 war Gille Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein, wo er zeitweise auch die BHE-Fraktion führte. von 1950 bis zum 6. August 1954 war er Vorsitzender des Innenausschusses des Landtages und Mitglied des Landespolizeibeirates.

1953 wurde er auch in den Deutschen Bundestag gewählt, wo er das Amt eines stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden bekleidete. Von 1953 bis zum 31. Dezember 1955 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Angelegenheiten der inneren Verwaltung.

Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag wurde Gille 1958 noch einmal für vier Jahre in den schleswig-holsteinischen Landtag gewählt und war dort Vorsitzender des Ausschusses für Heimatvertriebene.

Öffentliche Ämter

Von 1928 bis 1942 war Gille hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Lötzen in Ostpreußen.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hans-Michael Kloth, Marcel Rosenbach und Klaus Wiegrefe: Verbände. Nachsichtiges Urteil. in: Der Spiegel vom 22. Februar 2010, S. 40.
  2. M.d.B. Die Volksvertretung 1946–1972: Gille, Alfred, Dr. Martin Schumacher, Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, 2006, abgerufen am 28. April 2010 (PDF; 304 kB, ISBN 978-3-00-020703-7).
  3. Klaus-Detlev Godau-Schüttke: Die Heyde/Sawade-Affäre. Wie Juristen und Mediziner den NS-Euthansieprofessor Heyde nach 1945 deckten und straflos blieben. 2. Auflage, Nomos, Baden-Baden 2001, ISBN 3-7890-7269-9, S. 175.
  4. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 404, S. 528f. u. 559f.
  5. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das „Dritte Reich“. Oldenbourg, München 2013, S. 559f.
  6. Helge Dvorak, Christian Hünemörder: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Teil 2 (F-H). Heidelberg 1999, S. 130-131, hier: S. 131.


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred Gille (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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