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Ahle


Dieser Artikel befasst sich mit dem Werkzeug Ahle. Für weitere Bedeutungen siehe Ahle (Begriffsklärung).

Eine Ahle (auch als Ort, Pfriem oder Vorstecher bezeichnet) ist ein einfaches Werkzeug, mit dessen Hilfe Löcher in verschiedene Materialien gestochen oder vorhandene Löcher geweitet werden können. Sie ist ein spitz zulaufender, dünner Metallstift, der entweder gerade verläuft oder sichelförmig gebogen ist und mit einem Griff oder einem Öhr ausgestattet sein kann. Häufig wird die Ahle bei der Bearbeitung von Leder verwendet. Es gibt verschiedene Formen, die an die spezifischen Bedürfnisse einzelner Handwerke wie Schuhmacherei oder Sattlerei angepasst sind.

Die Setzerahle wurde im graphischen Gewerbe beim Bleisatz und Buchdruck zum Korrigieren und zum Ausbinden des fertigen Satzes mit einer Kolumnenschnur benutzt.

Im Korbmachergewerbe wird dieses Werkzeug heute noch als Prim bezeichnet, bei den Seilern ist es der Spleiß, im Baumarkt findet es sich häufig unter dem Begriff Spitzbohrer. Auch bei den Schneidern wird der Pfriem heute noch benutzt, um z.B. stumpfe Löcher in ein Gewebe zu bohren ohne letzteres zu zerstören.

Geschichte

Die Ahle ist eines der ältesten Werkzeuge. Schon die frühe Menschenart der Neandertaler schuf sich aus Knochen Ahlen,[1] die vor allem bei der Herstellung der Fellkleidung eingesetzt wurden. Der Fund eines Knochenpfriems aus Untertürkheim (ca. 120 000 Jahre, Eem-Warmzeit) stellt die älteste potenzielle Ahle dar.[2] In der Spätphase der Neandertaler (zwischen 40-30 000 Jahren, Châtelperronien) treten diese Knochenpfrieme häufig in Fundstellen auf.

Bereits in der Zeit der Bandkeramik, also der ersten Ackerbaukultur in Europa, wurden Ahlen serienmäßig aus Knochen hergestellt.[3] Diese waren fast immer aus zugespitzten Mittelhand- bzw. Mittelfußknochen geschlachteter Schafe oder Ziegen hergestellt. Auch der kupferzeitliche Mann, der um 3300 v. Chr. auf dem Similaun verstarb und als Gletschermumie Ötzi bekannt wurde, führte eine Knochenahle mit sich.

Bibel

Exodus 21,6 erwähnt einen Pfriem: „..dann soll ihn sein Herr vor Gott bringen, er soll ihn an die Tür oder an den Torpfosten bringen und ihm das Ohr mit einem Pfriem durchbohren; dann bleibt er für immer sein Sklave.“

Moderne Ahlen

Der prähistorischen Ahle entspricht bei modernen Werkzeugen die Stechahle, die aus einem metallenen Dorn besteht, der in einem Holzgriff geschäftet ist. Außerdem gibt es die Nähahle, die an der Spitze ein Nadelöhr hat und zum gleichzeitigen Durchstechen und Vernähen dient, ähnlich einer starken Nähnadel (Sattlernadel). Die Nähahle kann eine im Griff integrierte Garnspule haben.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Dirk Husemann: Die Neandertaler Genies der Eiszeit. ISBN 978-3-593-37642-4, S. 127.
  2. S. Wenzel: Neanderthal presence and behaviour in Central and Northwestern Europe during MIS 5e. In: F. Sirocko, M. Claussen, M. Goñi and T. Litt, (Hrsg.): The Climate of Past Interglacials. Developments in Quaternary Sciences, Vol. 7, 2007, Elsevier, S. 173-193.
  3. Diane Scherzler: "Der Vergangenheit auf der Spur" – SWR.de

Weblinks

 Commons: Ahlen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ahle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
es:Lezna

Kategorien: Buchdruck | Handwerkzeug

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ahle (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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