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Adygeja


Subjekt der Russischen Föderation
Republik Adygeja
Республика Адыгея (russisch)
Адыгэ Республик (adygeisch)
Flagge Wappen
Föderationskreis Südrussland
Fläche 7792 km²[1]
Bevölkerung 439.996 Einwohner
(Stand: 14. Oktober 2010)[2]
Bevölkerungsdichte 56  Einw./km²
Hauptstadt Maikop
Offizielle Sprachen Adygeisch, Russisch
Ethnische
Zusammensetzung
Russen (63,6 %)
Adygejer (25,2 %)
Armenier (3,7 %)
Ukrainer (1,4 %)
Kurden (1,1 %)
Tscherkessen (0,6 %)
Tataren (0,6 %)
Roma (0,5 %)
(Stand: 2010)[3]
Präsident Aslantscheri Tchakuschinow
Gegründet 3. Juli 1991
(27. Juli 1922)
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahlen (+7) 877xx
Postleitzahlen 385000–385999
Kfz-Kennzeichen 01
OKATO 79
ISO 3166-2 RU-AD
Website www.adygheya.ru
}

Die im Nordkaukasus gelegene Republik Adygeja (von adygeisch Adyge: Tscherkessen; russisch Республика Адыгея/ Respublika Adygeja, adygeisch Адыгэ Республик) ist seit 1991 eine kleinere autonome Republik im südlichen Teil Russlands. Ihre Hauptstadt ist Maikop (Myjeqwape).

Geographie

Die Republik Adygeja liegt im Süden der russischen Föderation und südöstlich der Großstadt Krasnodar. Das Territorium erstreckt sich somit von der südrussischen Steppe mit dem Fluss Kuban nach Süden bis zum Hauptkamm des Großen Kaukasus. Als wenig kompakter Landstreifen zwischen den Flüssen Laba und Kuban und beiderseits der Belaja ist Adygeja vollständig von der russischen Region Krasnodar umgeben.

Am Kamm des Hochkaukasus stellt die Republik den größten Teil des Kaukasus-Naturreservates (Biosphärenreservat), eines beeindruckenden Schutzgebiets für die Bergwelt des Kaukasus. Dort liegen entlang der südlichen Grenze zur Region Krasnodar die höchsten Berge der Republik: Tschugusch (3238 m ), Dschemaruk (3136 m ), Tybga (3065 m ), Uruschten (3021 m ) und Dschuga (2976 m ) sowie etwas abgesondert westlich davon das Massiv des Fischt (2867 m ). Die Schwarzmeerküste bei Sotschi wird vom Gebiet Adygejas nicht erreicht. Im Nordwesten grenzt die Republik an den „Krasnodarer Stausee“.

Verwaltungsgliederung

Die Republik Adygeja gliedert sich in zwei Stadtkreise und sieben Rajons. Den Rajons sind insgesamt 5 Stadt- und 43 Landgemeinden unterstellt.

Stadtkreise

[A 1] Stadtkreis Einwohner[A 2] Fläche
(km²)
Bevölkerungs-
dichte
(Ew./km²)
Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
Anzahl
städtischer
Siedlungen
Anzahl
ländlicher
Siedlungen
I Adygeisk 14.543 32 454 12.226 2.317 1 2
II Maikop 173.598 282 616 154.740 18.858 1 8

Rajons

[A 1] Rajon Einwohner[A 2] Fläche
(km²)
Bevölkerungs-
dichte
(Ew./km²)
Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
Verwaltungssitz Weitere Orte[A 3] Anzahl
Stadt-
gemeinden
Anzahl
Land-
gemeinden
1 Giaginskaja 32.858 790 42 32.858 Giaginskaja   5
2 Koschechabl 31.030 530 59 31.030 Koschechabl   9
3 Krasnogwardeiskoje 31.106 700 44 31.106 Krasnogwardeiskoje   6
4 Maikop 58.899 3730 16 18.154 40.745 Tulski Kamennomostski 2 8
7 Schowgenowski 15.359 530 29 15.359 Chakurinochabl   6
5 Tachtamukai 66.331 440 151 43.724 22.607 Tachtamukai Enem, Jablonowski 2 3
6 Teutscheschski 19.444 710 27 4.790 14.654 Poneschukai Tljustenchabl 1 6

Anmerkungen:

  1. 1,0 1,1 Nummer des Rajons/Stadtkreises (in alphabetischer Reihenfolge der Namen im Russischen)
  2. 2,0 2,1 Einwohnerzahlen vom 1. Januar 2010 (Berechnung)
  3. Siedlungen städtischen Typs bzw. Stadtgemeinden

Städte

Die größten Ortschaften in der Republik sind neben der Hauptstadt Maikop die Orte Jablonowski, Enem und Giaginskaja. Die traditionellen Dörfer der Adygejer werden Aul genannt.

Städte und städtische Siedlungen
In der Republik Adygeja gibt es zwei Städte und fünf Siedlungen städtischen Typs:

Name Russischer Name Rajon/Stadtkreis Einwohner
(14. Oktober 2010 )[2]
Adygeisk (Stadt) Адыгейск Stadtkreis 12.237
Enem Энем Tachtamukai 17.890
Jablonowski Яблоновский Tachtamukai 26.171
Kamennomostski Каменномостский Maikop 7.213
Maikop (Stadt) Майкоп Stadtkreis 144.249
Tljustenchabl Тлюстенхабль Teutscheschski 5.403
Tulski Тульский Maikop 10.732

Bevölkerung

Die namensgebenden Adygejer (Tscherkessen) bildeten bei keiner sowjetischen oder russischen Volkszählung eine Bevölkerungsmehrheit. Dennoch nimmt der Bevölkerungsanteil der Tscherkessen prozentual seit 1970 wieder zu. Seit 1939 sind die Russen die anteilsmäßig bedeutendste Volksgruppe. Zahlenmäßig nehmen diese seit 1989 ab. Kleinere Bevölkerungsanteile bildeten bei der Volkszählung 2010 die Kurden mit 4.528 (= 1,03 %), die (eigentlichen) Tscherkessen mit 2.651 (= 0,60 %), die Tataren mit 2.571 (= 0,58 %) und die Roma mit 2.364 (= 0,54 %) Personen. Amtssprachen sind Adygeisch und Russisch. Die Tscherkessen, Kurden und Tataren sind mehrheitlich Muslime. Die Mehrheit der Russen, Ukrainer und Armenier dagegen sind Christen. Außerdem leben noch heute Tausende Flüchtlinge aus den Unruheprovinzen im Nordkaukasus in Adygeja.

Volksgruppe VZ 1926 VZ 1939 VZ 1959 VZ 1970 VZ 1979 VZ 1989 VZ 2002 VZ 2010 1
Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  % Anzahl  %
Adygejer 50.821 44,8 % 55.048 22,8 % 65.908 23,2 % 81.478 21,1 % 86.388 21,4 % 95.439 22,1 % 108.115 24,2 % 107.048 25,2 %
Russen 29.102 25,6 % 171.960 71,1 % 200.492 70,4 % 276.537 71,7 % 285.626 70,6 % 293.640 68,0 % 288.280 64,5 % 270.714 63,6 %
Armenier 738 0,7 % 2.348 1,0 % 3.013 1,1 % 5.217 1,4 % 6.359 1,6 % 10.460 2,4 % 15.268 3,4 % 15.561 3,7 %
Ukrainer 26.405 23,3 % 6.130 2,5 % 7.988 2,8 % 11.214 2,9 % 12.078 3,0 % 13.755 3,2 % 9.091 2,0 % 5.856 1,4 %
Andere 6.415 5,7 % 6.313 2,6 % 7.289 2,6 % 11.198 2,9 % 13.939 3,4 % 18.752 4,3 % 26.355 5,9 % 14.093 3,3 %
Einwohner 113.481 100 % 241.799 100 % 284.690 100 % 385.644 100 % 404.390 100 % 432.588 100 % 447.109 100 % 439.996 100 %
1 14.610 Personen konnten keiner Volksgruppe zugeteilt werden. Diese Leute verteilen sich vermutlich anteilmäßig gleich wie die ethnisch zugeschiedenen Einwohner.[4]

Geschichte

Die Gegend nördlich des Schwarzen Meers (Skythen) wurde an den Küsten bereits im 6. Jahrhundert von Byzanz aus christianisiert. Im Verlauf der nächsten Jahrhunderte trat dann auch der Rest der Tscherkessen nominell zum Christentum über. Dies geschah trotz der Herrschaft der Chasaren. Die Genuesen bauten mehrere Handelsplätze und Festungen in der Region der Tscherkessen. Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 suchten einige Tscherkessen Hilfe in Russland, um sich gegen das Khanat der Krimtataren wehren zu können. Vom 16.–19. Jahrhundert traten die Adygejer allmählich zum Islam über.

Im 19. Jahrhundert gelang es den russischen Truppen nach dem jahrzehntelangen Kaukauskrieg, am 21. Mai 1864 die Tscherkessen als letztes der nordkaukasischen Völker zu bezwingen. Hunderttausende wurden in der Folge in das Osmanische Reich vertrieben, dabei kamen zahlreiche Tscherkessen ums Leben. Diese Vertreibung mündete im Genozid der Tscherkessen. Der Jahrestag des 21. Mai 1864 wurde als offizieller Trauertag deklariert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Republiken war Adygeja zu Zeiten der Sowjetunion keine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR), sondern ein Autonomer Kreis. Mit Auflösung der UdSSR 1991 wurde sie zur Republik erhoben. Staatschef ist seit dem 13. Dezember 2006 Aslan Kitowitsch Tchakuschinow, Premierminister ist Murat Karalbijewitsch Kumpilow.

Wirtschaft

Die natürlichen Gegebenheiten des Landes begünstigen die landwirtschaftliche Produktion. Auf den fruchtbaren Schwarzerdeböden werden vor allem Weizen, Sonnenblumen, Zuckerrüben und Mais, daneben auch Gemüse und Kartoffeln angebaut. In den Dörfern findet man Obstgärten, Walnuss- und Kastanienbäume sowie Erdbeerplantagen. In kleineren Mengen werden Erdgas und Erdöl, Gold und weitere Edelmetalle gefördert und es wird Forstwirtschaft betrieben. Im Industriebezirk Maikop sind Holzverarbeitung, Maschinenbau, Chemie, Zementindustrie sowie Betriebe für die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte wie Konservenfabriken, Weinkellereien, Milchverarbeitungswerke, Tabakfabriken usw. angesiedelt. Wie im gesamten Westkaukasus, spielt der Tourismus eine zunehmende wirtschaftliche Rolle.

Verkehr

Die russischen Verwaltungsbezirke (Gebiete) sind alphabetisch geordnet. Deswegen bekam die autonome Republik Adygeja die Nr. 01, die man auch auf den Kfz-Kennzeichen findet.

Die Eisenbahnlinie von Armawir nach Sotschi durchquert das Gebiet der Republik Adygeja nördlich der Hauptstadt Maikop. Eine Zweigstrecke führt von Beloretschensk in der Nachbarregion Krasnodar über Maikop nach Kamennomostski (Stationsname Chadschoch, abgeleitet vom alten adygeischen Ortsnamen Хьэджыкъ). Im äußersten Nordwesten führt die Bahnstrecke Krasnodar – Krymsk durch das Gebiet von Adygeja.

Kunst und Kultur

In der Republik Adygeja gibt es berühmte Waffenschmiede, die auch heute noch edle Handarbeiten (z. B. schmuckbesetzte und goldverzierte Säbel und traditionelle kaukasische große Messer) für die Ölprinzen des vorderen Orients anfertigen. Intarsienarbeiten aus Marmor und Edelmetall sind die Domäne anderer Künstler dieser Region.

In Deutschland gibt es mehrere adygeische Kulturvereine, unter anderem in Münster, Bremen (Oyten), Hannover, Hamburg, Zwingenberg, Berlin, Wuppertal, Köln, Stuttgart und München.

Tourismus

Lagonaki ist ein beliebtes Wintersportgebiet. Die Tourbasa Romantika unweit des Städtchens Kamennomostski bietet Reitpferde und Unterkunft. Wintersport und Wandertouren sind von dort aus möglich. Im Gebiet gibt es Schutzhütten, die allerdings ohne ortskundige Führung schwer zu finden sind. Die Ausschilderung ist bei weitem nicht so weit fortgeschritten wie beispielsweise in den Alpen. An Erste-Hilfe-Stützpunkten wird man bei Bedarf mit heißem Tee bewirtet.

Literatur

Unter dem Titel Adygea – nachhaltige Entwicklung einer Bergregion ist in Zusammenarbeit von NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.), der Verwaltung des Biosphärenreservates Nordkaukasus und anderer meist wissenschaftlicher Einrichtungen ein kleines Fachbuch in bisher nur deutscher und russischer Sprache erschienen. Betrachtet werden darin sowohl die Geographie, die Landesgeschichte, die heutige wirtschaftliche Situation, die Bergwelt als auch der Naturschutz, welcher alle diese Faktoren mit berücksichtigen muss.

Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Adygeja  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Administrativno-territorialʹnoe delenie po subʺektam Rossijskoj Federacii na 1 janvarja 2010 goda (Administrativ-territoriale Einteilung nach Subjekten der Russischen Föderation zum 1. Januar 2010). (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. 2,0 2,1 Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5 , S. 12–209; 11 , S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  3. Nacional'nyj sostav naselenija po sub"ektam Rossijskoj Federacii. In: Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Rosstat, abgerufen am 30. Juni 2016 (XLS, русский, Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung nach Föderationssubjekten, Ergebnisse der Volkszählung 2010).
  4. Bevölkerung der russischen Gebietseinheiten nach Nationalität 2010 (russisch) http://www.gks.ru/free_doc/new_site/population/demo/per-itog/tab7.xls

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