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Adolf Wölfli


Adolf Wölfli (* 29. Februar 1864 in Bowil bei Bern; † 6. November 1930 in der Waldau (Bern)) war ein Schweizer bildender Künstler, Komponist und Schriftsteller.

Leben und Werk

Wölfli wurde als jüngstes von sieben Kindern geboren. Der alkoholkranke Vater verließ 1870 die Familie, die Mutter starb 1873. Adolf Wölfli musste sich unter schwierigen, lieblosen Bedingungen als Verdingbub bei verschiedenen Bauernfamilien in Schangnau seinen Lebensunterhalt verdienen, später als Knecht oder Handlanger. 1890 wurde er wegen versuchter Vergewaltigung an einem 5- und einem 14-jährigen Mädchen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Als er drei Jahre nach seiner Entlassung rückfällig wurde, ordnete man eine Untersuchung seiner Zurechnungsunfähigkeit an. In der Psychiatrischen Klinik Waldau bei Bern wurde die Diagnose Schizophrenie gestellt.

Wölfli lebte von 1895 bis zu seinem Tode in der Nervenheilanstalt Waldau. Während seines 35-jährigen Aufenthalts schuf er ein umfassendes Werk aus rund 1460 Zeichnungen, etwa 1560 Collagen und 25.000 zu Heften gebundenen Seiten mit Erzählungen, Gedichten und Musikkompositionen. Das produktive Werk entstand überwiegend in einer 7-Quadratmeter-Kammer mit Bunt- und Bleistiften auf dünnem, holzhaltigem Makulaturpapier. Geschildert wurden Eindrücke aus Schangnau, Bern, der Waldau und dem Emmental, den einzigen Orten, die Wölfli kennengelernt hatte.[1] Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Art Brut bzw. Outsider Art.

Sein Psychiater Walter Morgenthaler widmete ihm 1921 das Buch Ein Geisteskranker als Künstler, das erstmals einen an Schizophrenie leidenden Patienten als Künstler ernst nahm. Erst lange nach seinem Tod wurde sein bildnerisches und dichterisches Werk, das sich gängigen ästhetischen Kategorien entzieht, einem breiteren Publikum bekannt. Der französische Maler Jean Dubuffet stellte 1948 120 Zeichnungen Wölflis in der Compagnie de l’Art Brut in Paris aus; auf der Documenta 5 in Kassel 1972 wurde ihm der Bereich Bildnerei der Geisteskranken gewidmet.

Wölflis Gesamtwerk wird seit 1975 in der Adolf-Wölfli-Stiftung im Kunstmuseum Bern verwahrt, wissenschaftlich bearbeitet und ausgestellt von der Kuratorin Elka Spoerri. Zur Sammlung gehört eine Collage aus dem Jahr 1929, die lange vor Andy Warhols bekanntem Werk von 1962 die Dose von Campbell’s Tomato Soup zeigt. Wölflis Grab auf dem Berner Schosshaldenfriedhof ist inzwischen aufgehoben.

Veröffentlichte Werke

  • Von der Wiege bis zum Graab, 2 Bände, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1986
  • Geographisches Heft No. 11, Schriften 1912–1913, Hatje, Stuttgart, 1991

Vertonungen

Seine eigenen Kompositionen haben sich - obschon die Art seiner Notierung mit herkömmlichen wenig zu tun hat - als spiel- und aufführbar erwiesen. Aufgrund einer Fotografie von Wölfli mit einer papiernen, selbst gebastelten Trompete ist auch bekannt, dass er sich bemühte seine Kompositionen vorzuspielen. Auch bezeichnete er sich selber in einer seiner Identitäten als Componist.[2]

Daneben hat sein Gedicht-Material mittlerweile zahlreiche Komponisten zu weiteren Vertonungen angeregt, darunter:

  • Wolfgang Rihm: Wölfli-Liederbuch für Bassbariton und Klavier (1980); Orchesterfassung 1981
  • Georg Friedrich Haas: Kurzoper Adolf Wölfli (1981)
  • Per Nørgård: Oper Der göttliche Tivoli (1983)
  • Graeme Revell: Nurse With Wound And Déficit Des Années Antérieures - Necropolis, Amphibians & Reptiles - The Music Of Adolf Wölfli (1986)
  • Karlheinz Essl: Sound/Video/Performance ALLgebrah. Eine Kopfwelt (2001) - gemeinsam mit der Videokünstlerin Michaela Grill
  • Bernhard Gal: Hinaus:: In den, Wald. (Klanginstallation, 2001); (CD-Fassung, 2004)
  • Georges Aperghis: Wölfli-Kantata (2005); CD 2014 mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart.

Weitere Vertonungen sind auf der Website der Adolf-Wölfli-Stiftung zu finden.

Literatur

  • Adolf Wölfli - Schreiber, Dichter, Zeichner, Componist, mit Beitr. von Daniel Baumann, Marie-Françoise Chanfrault-Duchet, Josef Helfenstein, Louis A. Sass, Elka Spoerri, Harald Szeemann, Max Wechsler und Allen S. Weiss, hrsg. Adolf-Wölfli-Stiftung. Wiese-Verlag, Basel / Kunstmuseum Bern, Bern 1996, ISBN 3-909164-52-8.
  • Daniel Baumann, Berno Odo Polzer (Hrsg.): Kopfwelten. ADOLF WÖLFLI: Schreiber, Dichter, Zeichner, Componist. Wespennest, Graz 2001, ISBN 3-85458-306-0.
  • Reto Caluori: Adolf Wölfli . In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 2119 f.
  • Eva Demski: Adolf Wölfli: Ein ganzes Universum in: Eva Demski: Unterwegs. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1988.
  • Walter Morgenthaler: Ein Geisteskranker als Künstler: Adolf Wölfli. Bern 1921. Nachdruck: Medusa-Verlag, Wien 1985, ISBN 3-85446-115-1.
  • Porträt eines produktiven Unfalls: Adolf Wölfli, Dokumente und Recherchen, hrsg. und mit Beiträgen von Bettina Hunger, Hubert Thüring ...[et al.], Basel [etc.], Stroemfeld/Nexus 1993, ISBN 3-86109-105-4.
  • Pete Smith: Von der reichen Kunst eines amen Mannes . in: Ärzte Zeitung vom 4. Juli 2011.
  • Elka Spoerri: The Art of Adolf Wölfli. American Folk Art Museum, New York 2003, ISBN 0-691-11498-6.

Weblinks

 Commons: Adolf Wölfli  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise, Anmerkungen

  1. vgl. Eva Demski, S. 82f
  2. vgl. Eva Demski, S. 86f

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf Wölfli (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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