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Abwettern


Abwettern bezeichnet strategische und taktische Maßnahmen sowie Verhaltensweisen, um in einem Sturm und/oder bei schwerer See Beschädigungen und Gefahren für ein Seefahrzeug sowie dessen Ladung und Besatzung zu vermeiden. Priorität haben Maßnahmen zur Abwendung von Gefahr für Leib und Leben. Abwettern bezeichnet auch die Entscheidung der Schiffsführung, einen Hafen während eines Sturms nicht anzulaufen[1] oder den Hafen für die Zeit des Sturmes zu verlassen[2], um den speziellen Gefahren im flachen Küstenwasser (u.a. Grundsee, Brecher, Gezeitenstrom) zu entgehen. Der Sturm wird dann im Tiefwasser abgewettert und der Hafen bei Wetterbesserung angelaufen.

Strategisch

Die strategisch wirksamste Maßnahme ist, Schlechtwettergebiet zu vermeiden, indem ein im Hafen liegendes Fahrzeug nicht ausläuft und ein in See befindliches Fahrzeug das Schlechtwettergebiet umfährt. Moderne meteorologische Dienste – zum Beispiel die Schiffsroutenberatung vom Deutschen Wetterdienst (DWD) – erlauben es, frühzeitig über die aktuellen Wettergefahren informiert zu werden. Während ein Skipper unter Umständen problemlos noch einen Tag im Hafen verbringen kann, um dort abzuwettern, muss der Kapitän in der Berufsschifffahrt stets einen Kompromiss zwischen Gefahren und Routenvorgaben finden.

Besteht keine Möglichkeit oder auch nicht der Wunsch, ein Schlechtwettergebiet zu umfahren, ist rechtzeitig eine ganze Reihe von Maßnahmen durchzuführen, um das Schiff für schwere See und Starkwind vorzubereiten: Kontrolle und gegebenenfalls Verstärkung der Laschung, die die Ladung sichert, das wasserfeste Schließen von Luken und Bullaugen, Verstauen und Sichern von Gegenständen, auf Segelschiffen das vorsorgliche Reffen und Vorbereitung von Sturmsegeln, Anbringen von Sicherheitsleinen sowie besondere Einweisung der Besatzung, sofern diese unerfahren ist.

Taktisch

Die jeweilige Sturmtaktik ist stark vom Bootstyp abhängig. In den meisten Fällen ist es ratsam, einen Kurs quer zu den Wellen zu vermeiden. Bei Segelbooten sind die gängigsten Sturmtaktiken:

  • Beiliegen, eventuell mit Unterstützung der Maschine
    Beim Beiliegen wird das Ruder in Luv festgelascht und sich selbst überlassen. Das Boot driftet fast parallel zu den Wellen nach Lee. Das Beiliegen ist jedoch nur so lange möglich, wie das Boot noch Segel tragen kann.
  • aktives Segeln unter Sturmbesegelung
    Auf leichten Yachten empfiehlt sich, unter Sturmbesegelung so lange wie möglich aktiv zu segeln. Dabei sollte das Boot einen Am-Wind-Kurs fahren, um die Wellen mit dem Bug voran zu überqueren. Sollte das Boot nicht über die Welle kommen und achteraus treiben oder mit dem Bug in die Vorderseite einer Welle einstecken, droht jedoch Kenterung.
  • Lenzen vor Topp und Takel, ggf. mit nachgeschleppten Leinen
    Beim Lenzen vor Topp und Takel läuft das Boot ohne jegliche Segel vor dem Sturm ab. Das ist erforderlich, wenn der Sturm eine Stärke erreicht hat, bei der keinerlei Segel mehr geführt werden können. Der Winddruck auf den Mast ist dabei ausreichend, dass die Yacht erstaunlich hohe Geschwindigkeiten erreicht und steuerbar bleibt (ein Schiff muss Fahrt durchs Wasser machen, um steuerbar zu bleiben). Die Gefahr hierbei ist, dass das Boot beim Ablaufen einer Welle querschlägt und kentert. Durch das Nachschleppen von Leinen oder einem Treibanker kann etwas Fahrt aus dem Boot genommen werden um die Gefahr zu minimieren. Außerdem wird dadurch das Heck im Wind gehalten.
  • Liegen vor Seeanker
    Beim Liegen vor Seeanker wird der Bug des Schiffes im Wind gehalten. Der Vorteil gegenüber dem Lenzen vor Topp und Takel ist, dass der Bug eher Schutz gegen Wellen bietet. Die Taktik braucht jedoch eine gute Vorbereitung und dafür ausgelegte Ausrüstung.

Problematisch werden Beiliegen, Lenzen vor Topp und Takel sowie Liegen vor Treibanker vor Legerwall, also vor einer Küste mit auflandigem Wind, da dann das Risiko besteht, dass das Schiff gegen die Küste gedrückt wird und leckschlägt. Selbst wenn die Tiefe vor der Küste das Ausbringen des Ankers erlauben würde, dürfte es schwierig sein, diesen im Sturm so zu platzieren, dass er hält. Selbst wenn das gelingen sollte, würden die starken Zugkräfte des Schiffes an der Ankerkette Schäden am Schiff verursachen oder die Kette ausreißen.

Die Maschine hilft in einem Sturm auch nur bedingt, da viele Motoren auf Segelschiffen mit zu wenig Leistung ausgestattet sind, um gegen Wind und hohe Wellen vernünftig anfahren zu können. Zudem ist auch nicht unbedingt genügend Treibstoff vorhanden, um die Maschine tagelang mit hoher Leistung arbeiten zu lassen. Wenn der Motor dauerhaft bei starker Krängung mitläuft, könnte er zudem Schaden nehmen, weil die Ölschmierung nicht mehr gewährleistet ist.

In der Berufsschifffahrt stehen folgende Taktiken zur Verfügung:

  • Kopf gegen die See mit minimaler Fahrt
    Zunächst muss die Geschwindigkeit so reduziert werden, dass das Schiff gut liegt, ohne hart einzusetzen, dabei aber steuerfähig bleibt. Dann soll das Schiff in einem günstigen Moment zügig gedreht werden, um die gewünschte Lage zu erreichen und damit die Geschwindigkeit wieder auf ein steuerfähiges Minimum reduziert wird. Falls die Schiffslänge gleich der Wellenlänge ist, kann es zu Festigkeitsproblemen kommen. Angewendet wird dieses Vorgehen bei Stabilitätsproblemen, bei notwendigen Arbeiten an Deck oder bei schwieriger Ladung. Vorsicht ist geboten, bei Maschinenproblemen (hohe Belastung), sowie bei Schiffen mit ausladendem Vorsteven und/oder wenig Freibord.[3]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Unfalluntersuchungsbericht der BSU, Kentern der "TAUBE" am 20. Januar 2009
  2. Unfalluntersuchungsbericht der BSU, Unfall der "CMS CHICAGO EXPRESS" am 24. September 2008
  3. Knud Benedict, Christoph Wand: Handbuch Nautik II Seehafen Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-87743-826-8, Seiten 466f.

Kategorien: Schiffsmanöver

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