Abtei Neuburg - LinkFang.de





Abtei Neuburg


Die Abtei Neuburg (Abtei vom heiligen Bartholomäus) bei Heidelberg, auch als Stift Neuburg und Kloster Neuburg bekannt, ist ein Benediktinerkloster und gehört der Beuroner Kongregation an.

Lage

Die Abtei Neuburg liegt im Westen des Stadtteils Ziegelhausen in Richtung des Stadtteils Neuenheim und oberhalb des nördlichen Neckarufers am Südhang des Berges Köpfl.

Geschichte

Kloster bis 1773

Um 1130 wurde Niwenburg als Filialgründung des Klosters Lorsch zunächst als Männerkloster des Benediktinerordens errichtet. 1195 erfolgte auf Initiative Konrad von Staufens, des ersten Pfalzgrafen bei Rhein, die Umwandlung in ein Kloster der Benediktinerinnen. Mit der Auflösung des Lorscher Mutterklosters 1232 gingen dessen Rechte zunächst auf das Bistum Mainz und später auf das Bistum Worms über. Da man dort den Reformbestrebungen aus Cîteaux anhing, erfolgte unter Mitarbeit des nahegelegenen Klosters von Schönau die Umwandlung in eine Zisterzienserinnenabtei, welche erstmals für das Jahr 1303 urkundlich belegt ist.

Um 1460 kehrte das Kloster unter dem Einfluss des Kurfürsten Friedrich I. zur benediktinischen Observanz zurück. Im 16. Jahrhundert schlossen sich die Nonnen der Reformation an und verließen das Kloster, welches schließlich 1562 nach dem Tod der Äbtissin Brigitta von Pfalz-Simmern offiziell aufgelöst und in ein adeliges Fräuleinstift umgewandelt wurde.

1706 wurde das Kloster vom Kurfürsten Johann Wilhelm den Jesuiten übertragen, in deren Händen es bis zum Verbot des Ordens durch den Papst im Jahre 1773 verblieb. Es wurde daraufhin erneut säkularisiert und ging 1804 in Privatbesitz über.

Privatbesitz

Im Jahre 1825 erwarb der Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser (1780–1851) mit seiner Ehefrau Sophie Charlotte du Fay, beide aus angesehenen Frankfurter Familien, das Anwesen als Sommersitz. Der Onkel des Käufers war Johann Georg Schlosser (1739–1799), der Ehemann von Johann Wolfgang Goethes Schwester Cornelia Schlosser geb. Goethe (1750–1777). Der Käufer selbst war Schriftsteller und sog. Privatgelehrter und Freund Goethes. Daher entstand in der ehemaligen Klosteranlage ein regelrechter Goethe-Kult. Hier sammelte man Briefe, Manuskripte, Erstausgaben und alles, was sonst noch mit Goethes Leben zusammenhing. Marianne von Willemer war z.B. oft und lange hier Gast. So wurde das ehemalige Kloster zum Zentrum der Heidelberger Romantik. Nur Goethe selbst war nie hier. Nach dem Tod Johann Friedrich Heinrich Schlossers 1851 bzw. nach dem Tod seiner Ehefrau Sophie Charlotte erbte die verwandte Familie von Bernus die Anlage, zunächst Friedrich Alexander von Bernus (1838–1908) und dann sein Adoptivsohn Alexander von Bernus (1880–1965). Alle führten die Tradition fort und bewahrten und mehrten u.a. den Bestand der Sammlungen. Bis 1926 blieb die Anlage im Besitz der Familie von Bernus. Namhafte Persönlichkeiten waren in den bürgerlichen Salons der jeweiligen Besitzer zu Gast, darunter Carl Maria von Weber, Joseph Görres, der Freiherr vom Stein, Johannes Brahms, Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano, Rudolf Steiner, Hermann Hesse, Stefan George, Rainer Maria Rilke und Klaus Mann.

Klosterneugründung 1926

Seit 1926 gehört das Anwesen wieder dem Benediktinerorden. Neuburg wurde von der Familie Alexander Freiherr von Bernus, die seit 1886 Eigentümer waren, an die Benediktiner der Erzabtei Beuron verkauft. Die Beuroner mit Erzabt Raphael Walzer führte den Stift wieder klösterlichen Zwecken zu. Erster Abt von 1929 bis 1934 war Adalbert von Neipperg, der 1948 in Werschetz (Jugoslawien, heute Serbien) zu Tode gefoltert wurde, nachdem er sich dort im Lager um zum Teil verwundete Kriegsgefangene gekümmert hatte.

Der Bischof von Speyer, Ludwig Sebastian, feierte am 15. August 1937 hier sein goldenes Priesterjubiläum, da die NSDAP ca. 40.000 SA-Männer mobilisiert hatte, um in Speyer einen krawallartigen Protest-Aufmarsch zu inszenieren. Bischof Sebastian war jedoch in aller Stille heimlich abgereist und feierte seinen Ehrentag beschaulich im Stift Neuburg. Die SA-Männer waren umsonst erschienen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine umfassende Renovierung der Anlage. 1964 bis 1966 lebte Raphael Walzer wieder in Neuburg, wo er auch starb.

Am 14. Juli 2011 wurde die Neugestaltung der Klosterkirche nach den Plänen des Architekten Christian Taufenbach mit der Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 des Landesverbandes Baden-Württemberg im Bund Deutscher Architekten prämiert.[1] Der Architekt konzipierte die Kirche als "zurückhaltende(n) Träger" für das Geschehen, als ein Haus, das erst "mit dem Geschehen vollständig" sei.[2]

2015 leben 15 Mönche in der Abtei Neuburg. Neben ihren liturgischen und seelsorgerischen Aufgaben konzentrieren sich die Mönche auch auf die Betreuung von Gästen. Mit Vorträgen und Einkehrtagen wird diese wichtige Aufgabe der Benediktinermönche verstärkt hervorgehoben. Beliebt sind auch die Klosterführungen durch Burganlage und Teile des Klausurbereiches. Die klösterlichen Betriebe, Brauerei,[3] Fischzucht und der Klosterladen sind verpachtet. Das Gästehaus stand bislang ausschließlich Männern zu Verfügung, seit 2011 ist es auf Anfrage auch für Frauen offen. Einmal im Jahr, immer am letzten Wochenende im Juni, steht die Abtei Neuburg im Rahmen eines „Klosterfestes“ innerhalb von Sonderführungen allen Besuchern zur Besichtigung frei. An den Wochenenden im Advent findet im Wirtschaftshof ein gut besuchter, qualitätvoller Weihnachtsmarkt statt.

Klosterkirche

Kirchenraum

Die Kirche ist schlicht gestaltet, um möglichst wenig abzulenken von dem, was in der Kirche geschieht. Sie ist ein durchgehend offener Raum ohne getrennte Bereiche für Priester, Mönche und die anderen Gläubigen. Das wird deutlich durch einen durchgehenden Fußboden aus Douglasienholz aus dem Heidelberger Stadtwald. Die Fenster im Chorraum wurden von Valentin Peter Feuerstein in den 1960er Jahren gestaltet. Das Christusfenster in der Mitte wird flankiert vom Marienfenster links und dem Benediktusfenster rechts. Die durch ihre großflächigen Farbfelder auffälligen Fenster im Kirchenschiff entwarf die Künstlerin Maria Theresia von Fürstenberg. Sie verschaffen einen ganz besonderen Lichteindruck im Kirchenraum. Die Ummantelung des Altars und der Ambo sind aus Cortenstahl gefertigt.

Links befindet sich die neu gestaltete Sakramentskapelle, durch die man in die ehemalige Johanneskapelle blickt; diese ist der älteste Bauteil des Klosters und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Dort befindet sich eine Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert und eine Figur des Papstes Gregor der Große aus dem 13. Jahrhundert. In einem historischen Buntglasfenster ist der heilige Bartholomäus dargestellt, der Patron von Kirche und Kloster ist.[4]

Orgel

Die Orgel im Eingangsbereich wurde 1962 von dem Orgelbauer Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Instrument hat 34 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[5] Das Gehäuse ist mit einer Stahlkonstruktion im Dachstuhl aufgehängt.

I Rückpositiv C–g3
1. Holzgedackt 8’
2. Principal 4’
3. Rohrflöte 4’
4. Nasard 22/3
5. Waldflöte 2’
6. Terz 13/5
7. Flageolett 1’
8. Acuta IV 2/3
9. Dulcian 16’
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
10. Quintade 16'
11. Principal 8'
12. Gemshorn 8'
13. Octav 4'
14. Spillflöte 4'
15. Quinte 22/3
16. Superoctav 2’
17. Mixtur IV 11/3
18. Cymbel III 1/2
19. Trompete 8’
III Oberwerk C–g3
20. Salicet 8’
21. Rohrgedackt 8’
22. Blockflöte 4’
23. Principal 2’
24. Larigot 11/3
25. Cornett IV 4’
26. Scharff III-IV 1’
27. Hautbois 8’
Tremulant
Pedalwerk C–f1
28. Principal 16’
29. Subbass 16’
30. Octav 8’
31. Bartpfeife 8’
32. Choralflöte 4’
33. Hintersatz IV 22/3
34. Posaune 16’
  • Koppeln: II/I, III/II (auch als Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P

Gärtnerei und Efeusammlung

Auf einer Terrasse oberhalb des Klosters befindet sich die historische Klostergärtnerei, die bis 2005 vom Kloster als Gartenbaubetrieb geführt wurde. Das große, aus rotem Sandstein erbaute Gewächshaus stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und besaß eine geneigte Glasfassade mit dog. Sonnenfang. Es wurde 1947-50 zum Gästehaus der Abtei umgebaut. Seit 1963 leitete Gärtnermeister Br. Ingobert Heieck OSB (1936–1993) die Gärtnerei. Von 1960 bis 1990 lag der Betriebsschwerpunkt auf der Produktion von Efeujungpflanzen. Br. Ingobert wurde zu einem führenden Efeuspezialisten und baute eine Sammlung von ca. 530 Efeusorten auf. Er selektierte auch neue Sorten und publizierte Fachliteratur über Efeu. Die Mutterpflanzen wurden in einem beheizbaren Glashaus kultiviert. Die Deutsche Efeugesellschaft e.V. wurde am 12. Juni 1993 auf sein Betreiben unter Mitwirkung von Gärtnermeister Robert Krebs in der Abtei gegründet.[6]

Äbte (nach 1926)

Siehe auch

Literatur

  • Norbert Bosslet: Benediktinerabtei Stift Neuburg. Schnell & Steiner, Regensburg 2000. ISBN 3-7954-6247-9
  • Benedikt Pahl: Abt Adalbert Graf von Neipperg (1890–1948) und die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Benediktinerabtei Neuburg bei Heidelberg bis 1949. Aschendorff, Münster 1997. ISBN 3-402-03980-X
  • Otmar A. Geiger: Stift Neuburg. In: Romantisches Neckartal. S. 68f. Schimper, Schwetzingen 1998. ISBN 3-87742-133-4
  • Ambrosius Leidinger OSB, Peter Stadler: Die nach Gott Ausschau halten. Benediktinerabtei Stift Neuburg. Heidelberg 2013. ISBN 978-3-00-043072-5

Weblinks

 Commons: Stift Neuburg (Heidelberg)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Architekturpreis für Christian Taufenbach (Memento vom 6. September 2012 im Webarchiv archive.is). Website der Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen. Abgerufen am 16. Juli 2011.
  2. Konzeption und Bilder zur Neugestaltung . Website der competitionline Verlagsgesellschaft mbH. Abgerufen am 16. Juli 2011.
  3. http://brauerei-zum-klosterhof.de/
  4. Faltblatt „Die Klosterkirche der Benidiktinerabtei Neuburg“
  5. Nähere Informationen zur Orgel
  6. Artikel über die Vereinsgründung der Deutschen Efeugesellschaft e.V. Website der Gesellschaft. Abgerufen am 15. September 2012
  7. 7,0 7,1 „Winfried Schwab wird neuer Abt von Stift Neuburg“ , Rhein-Neckar-Zeitung, 6. Oktober 2015

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