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Abbe-Zahl


Die Abbe-Zahl, auch Abbesche Zahl, ist eine dimensionslose Größe zur Charakterisierung der optischen dispersiven Eigenschaften von optischen Gläsern, also wie stark sich deren Brechungsindex mit der Lichtwellenlänge ändert. Je größer die Dispersion des Glases, desto kleiner die Abbe-Zahl.

Die Abbe-Zahl ist nach dem deutschen Physiker Ernst Abbe benannt. Als Formelzeichen ist [math]\nu[/math] üblich.

Grundlagen

Die Stärke der Brechung des Lichts ist von dessen Wellenlänge (man kann auch sagen: von der Lichtfarbe) abhängig. Dies wird als Dispersion bezeichnet und ist beispielsweise der Grund für die Aufspaltung eines weißen Lichtstrahls an einem Prisma in ein farbiges Spektrum. Alle für optische Bauelemente (z. B. Linsen) verwendeten Materialien zeigen eine mehr oder weniger starke Dispersion. Optische Geräte wie etwa Fotoobjektive bilden deshalb im Allgemeinen die verschiedenen Lichtfarben unterschiedlich ab, was sich durch farbige Ränder an den Bildern von Objektkanten oder farbige Halos um helle Lichtquellen zeigen kann. Dieser Abbildungsfehler heißt chromatische Aberration.

Für eine vollständige Beschreibung der Dispersion eines Materials (z. B. einer Glassorte) wird angegeben, wie sich der Brechungsindex n des Materials bei Variation der Frequenz [math]f[/math] bzw. Wellenlänge [math]\lambda[/math] des Lichts ändert. Es muss daher die Funktion [math]n(f)[/math] oder [math]n(\lambda)[/math] angegeben werden. Dazu kann man entweder den Brechungsindex bei verschiedenen festgelegten Wellenlängen angeben oder einen Satz von Koeffizienten einer Dispersionsformel wie der Cauchy- oder der Sellmeier-Gleichung. Für einfache Berechnungen ist es jedoch oft ausreichend, die Dispersion im Bereich des sichtbaren Lichts durch einen einzigen Parameter, nämlich die Abbe-Zahl, zu beschreiben.

Definition

Wellenlänge in nm Fraunhofer-
Linie
Lichtquelle Farbe
365,0146 i Hg UV
404,6561 h Hg violett
435,8343 g Hg blau
479,9914 F' Cd blau
486,1327 F H blau
546,0740 e Hg grün
587,5618 d He gelb
589,2938 D Na gelb
643,8469 C' Cd rot
656,2725 C H rot
706,5188 r He rot
768,2 A' K rot
852,11 s Cs IR
1013,98 t Hg IR

Die dimensionslose Abbe-Zahl [math]\nu[/math] ist definiert[1] als

[math] \nu = \nu_d = \frac{n_{\rm d} - 1}{n_{\rm F} - n_{\rm C}} [/math] (alte Definition)

oder

[math] \nu_e = \frac{n_{\rm e} - 1}{n_{\rm F'} - n_{\rm C'}} [/math] (neue Definition),

wobei nd, nF usw. die Brechungsindices des Materials bei den Wellenlängen der entsprechenden Fraunhoferlinien sind. Nebenstehende Tabelle führt die Wellenlängen von einigen dieser Fraunhoferlinien auf, bei denen der Brechungsindex gewöhnlich bestimmt wird.[2] Zum Beispiel ist nd der Brechungsindex bei einer Wellenlänge von 587,6 nm.

Ein Material mit geringer Dispersion hat eine hohe Abbe-Zahl. Der reziproke Wert der Abbe-Zahl wird auch als relative Dispersion bezeichnet.[3]

Die typischen Werte der Abbe-Zahlen für die am häufigsten verwendeten Glassorten reichen von ca. 20 (Flintglas) bis 60 (Kronglas). Die Grenze für die Bezeichnung der Gläser als Flintglas bzw. Kronglas liegt bei einer Abbe-Zahl von 50. Spezielle Glassorten (Fluorit-Kronglas) haben Kennzahlen um 85. Magnesiumfluorid erreicht sogar eine Abbe-Zahl von 95, seine Dispersion ist also besonders gering.

Anwendung

Die Abbe-Zahl ist für den Entwurf von Achromaten von Bedeutung. Dies sind Linsensysteme, bei denen die chromatische Aberration besonders klein ist. So hat beispielsweise ein Achromat aus zwei dünnen Linsen, die einen kleinen Abstand voneinander haben, für die Fraunhoferschen Linien F und C die gleiche Brennweite, wenn

[math] \nu_1 \, f_1 + \nu_2 \, f_2 = 0[/math]

ist, wobei [math] \nu_i [/math] die Abbe-Zahlen und [math]f_i[/math] die Brennweiten der beiden Linsen sind. Ein solches Linsensystem bildet blaues und rotes Licht der Wellenlängen 486 nm (F) und 656 nm (C) auf den gleichen Punkt ab. Der verbleibende Farbfehler ist deutlich geringer, als wenn nur eine Glassorte verwendet worden wäre. Achromaten waren die Grundlage für den Bau großer Linsenfernrohre im 19. Jahrhundert.

Der beim Achromaten noch verbleibende Farbfehler (das sogenannte sekundäre Spektrum) äußert sich oft in einem violetten Saum um helle Objekte. Um den Farbfehler noch weiter zu reduzieren, muss der Brechungsindex bei mehr als zwei Wellenlängen berücksichtigt werden (wenn das Licht bei drei Wellenlängen auf einen Punkt abgebildet wird, hat man einen Apochromaten). Trotzdem hilft auch hier die Abbe-Zahl, um Glassorten grob zu klassifizieren.

Im Bereich von Infrarot und Ultraviolett ist die Abbe-Zahl, die ja für Wellenlängen im Bereich des sichtbaren Lichts definiert ist, ungeeignet.

Einzelnachweise

  1. Bernd Leuschner: Brechzahl und Abbe-Zahl von Glas (PDF; 147 kB), Labor für Gerätetechnik, Optik und Sensorik, Beuth Hochschule für Technik Berlin.
  2. L. D. Pye, V. D. Fréchette, N. J. Kreidl: Borate glasses: structure, properties, applications. Plenum Press, New York, 1978, ISBN 978-0-306-40016-2.
  3. Ludwig Bergmann, Clemens Schaefer: Lehrbuch der Experimentalphysik, Band III: Optik, Kapitel II,3: Die Dispersion des Lichtes: Normale Dispersion, 7. Auflage, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York, 1978, Seite 207

Literatur

  • Gottfried Schröder: Technische Optik, Kapitel 2.1.1: Optische Gläser, Seite 23, 5. Auflage, Vogel-Buchverlag, Würzburg, 1986, ISBN 3-8023-0067-X

Weblinks

 Wiktionary: Abbesche Zahl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Kategorien: Technische Optik | Ernst Abbe | Dimensionslose Größe

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Abbe-Zahl (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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