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Čapljina


Čapljina
Чапљина
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation
Kanton: Herzegowina-Neretva
Koordinaten:
Fläche: 256 km²
Einwohner: 28.122 (2013)
Bevölkerungsdichte: 110 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 36
Postleitzahl: 88300
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Općina
Gliederung: 27 Ortsgemeinschaften
Bürgermeister: Dr. Smiljan Vidić (HDZ BiH)
Postanschrift: Trg Kralja Tomislava
88300 Čapljina
Webpräsenz:

Čapljina ist eine Großgemeinde (Općina) in Bosnien und Herzegowina mit rund 28.000 Einwohnern. Die mehrheitlich von Kroaten bevölkerte Gemeinde liegt in der südlichen Herzegowina und gehört zum Kanton Herzegowina-Neretva der Föderation.

Čapljina grenzt im Norden an die Großgemeinden Čitluk und Mostar, im Osten an Stolac, im Süden an Neum und Dubrovnik (Kroatien), im Nordwesten an Ljubuški und im Westen an Metković (Kroatien).

Hauptort der Gemeinde ist die gleichnamige Stadt. Das Gemeindegebiet gliedert sich in die 27 Ortsgemeinschaften (Mjesna zajednica, kurz MZ) Bivolje Brdo, Bobanovo, Čapljina I, Čapljina II, Čeljevo, Doljani, Domanovići, Dračevo-Sjekose, Dretelj, Gabela, Gabela Polje, Gnjilišta, Grabovine, Klepci, Lokve, Opličići, Počitelj-Hotanj, Prćavci, Prebilovci, Svitava, Gorica-Struge, Šurmanci, Šuškovo, Višići, Tasovčići, Trebižat und Zvirovići.

Bei Bobanovo und Šuškovo handelt es sich um neue Siedlungen, die für kroatische Flüchtlinge aus Zentralbosnien gegründet und nach Mate Boban bzw. Gojko Šušak benannt wurden.[1]

Bevölkerung

Bevölkerung in der Gemeinde Čapljina (1991):

  • Gesamt 1991: 27.882
  • Kroaten: 15.001 (53,8 %)
  • Bosniaken: 7.553 (27,1 %)
  • Serben: 3.793 (13,6 %)
  • Andere: 1.535 (5,5 %)

Geografie

Die Verbandsgemeinde wird durch den Verlauf des Neretva-Tals bestimmt, das von Norden nach Süden verläuft und sich von einer engen Schlucht im Norden nach Süden hin zu einer Tiefebene verbreitert.

In unmittelbarer Nähe des Hauptorts münden zwei weitere Flüsse, die Bregava aus Osten und der Trebižat aus Nordwesten, in die Neretva. Im Zuge dieser Flüsse haben sich ebenfalls steil abfallende, enge Täler gebildet.

Im Südosten wird die Tiefebene sumpfig und bei entsprechender Witterung entstehen hier die Seen Hutovo Blato und Deransko Jezero, deren Ausdehnung bis zu 20 km² erreichen kann.

Die Tiefebene ist sehr fruchtbar und wird außer im sumpfigen südostwärtigen Teil hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Die sich im Zuge der Taleinschnitte anschließenden Höhenzüge sind verkarstet und landwirtschaftlich kaum nutzbar. Die Großgemeinde hat eine Gesamtfläche von ca. 256 Quadratkilometern.

Geschichte

Im Jahr 626 kamen die Slawen in die römischen Provinzen Dalmatien und Pannonien. Die Osmanische Besetzung dauerte von 1483 bis 1878. Ab 1918 gehörte Čapljina zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dessen Name 1929 in Königreich Jugoslawien geändert wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs verübten am 13., 14. und 15. April 1941 serbische Freischärler, sogenannte Tschetniks, ein Massaker an der Zivilbevölkerung in Čapljina und Umgebung. Dabei wurden 28 Kroaten und Bosniaken getötet und 85 Häuser niedergebrannt.[2] Unter den Ermordeten befanden sich auch Frauen und Kinder:

Es kamen dann zwei Tschetnitzi bis zum Haus und schlugen die Türe ein [...] die verstorbene Schwägerin [Frana Vego] drückte sich mit den [sechs] Kindern in eine Ecke. Als die Tschetnitzi noch an der Türe waren, hörte ich jemanden fragen, was sie mit den Kindern und Frauen wollten. Jener vor dem Hause antwortete: Mach' sie alle der Reihe nach nieder. Dann begannen die beiden vor der Türe mit Dum-Dum-Geschossen zu schießen und trafen die verstorbene Schwägerin viermal in den Kopf. [...] Vier ihrer Kinder wurden verwundet [...] Als die Schwägerin getroffen wurde, hielt sie gerade ihr sechs Monate altes Kind in den Armen [...][3]

Im Juni 1941 verübte die Ustascha im Ortsteil Prebilovci ein Massaker an der serbischen Zivilbevölkerung. Dabei wurden mehr als 600 serbische Zivilisten von Kroaten ermordet. Während des Bosnien-Kriegs wurde die Gedenkstätte von kroatischen Extremisten zerstört.[4]

Von 1945 bis 1992 war Čapljina dann Teil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ).

Während des Bosnienkriegs (1992–1995) erfolgten in den Jahren 1993/94 massive ethnische Säuberungen vor allem durch Truppen des HVO. Muslimische Einwohner wurden vertrieben, gefangen genommen oder umgebracht. Die Altstadt von Počitelj - eines der wichtigsten Kulturgüter der Herzegowina - wurde schwer beschädigt. Seit 1993 betrieben kroatische Einheiten in Čapljina und einigen Nachbarorten größere Lager, unter ihnen das Lager Dretelj, in denen bosniakische und serbische Gefangene gefoltert und ermordet wurden.[5][6][7] Zudem wurden Teile des Gemeindegebietes vermint; Einige Minenfelder existieren selbst heute noch (2013), unter anderem nahe der vom bosnischen Militär benutzten Grabovina-Kaserne.

Nach dem Friedensschluss von Dayton im Jahr 1995 wurde Čapljina Teil der Föderation Bosnien-Herzegowina innerhalb des Staates Bosnien und Herzegowina.

Religion

Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Čapljina finden sich:

Politik

Wahlergebnisse 1990

Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung hatten zur Folge, dass die HDZ bzw. kroatische Parteien bei allen Nachkriegswahlen eine deutliche Mehrheit erreichten.[8]

Verkehr

Durch Čapljina verlaufen in Nord-Süd-Richtung die Magistralstraße M17 von Mostar nach Ploče und in Ost-West-Richtung die Magistralstraße 6 von Trebinje nach Knin. Perspektivisch soll die Gemeinde einen Anschluss an die Autobahn A1 erhalten.

Ebenfalls durch die Verbandsgemeinde verläuft die elektrifizierte Bahnstrecke Sarajevo–Ploče. 1885 wurde mit der Eröffnung der schmalspurigen Narentabahn die Stadt von der Eisenbahn erschlossen. 1963 bis 1966 trassierten die Jugoslawischen Staatsbahnen (JŽ) die Bahnlinie neu und bauten sie auf Normalspur um. In Čapljina zweigte die Mitte der 1970er Jahre eingestellte 760-mm-Schmalspurstrecke nach Dubrovnik ab.

Söhne und Töchter der Stadt

Weblinks

 Commons: Čapljina  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. European Stability Initiative: Governance and Democracy in Bosnia and Herzegovina (PDF; 228 kB), S. 44.
  2. Dr. Sušnjara: Die Lage der katholischen Kirche in Kroatien. In: Kirche in Not : Erschütternde Christenverfolgung vor unseren Toren. Ostpriesterhilfe, Königstein/Ts. 1953, S. 85.
  3. Aussage der Ruža Vego im Protokoll vom 29 VII. 1941. In: Greueltaten und Verwüstungen der Aufrührer im Unabhängigen Staates Kroatien : in den ersten Lebensmonaten des kroatischen Nationalstaates. Kroatisches Bibliographisches Institut, Zagreb 1942, S. 44.
  4. E. Michael Jones: The Ghosts of Surmanci , South Bend (Indiana), Februar 1998
  5. Michael Sells: Crosses of Blood (Memento vom 8. Juli 2012 im Webarchiv archive.is), Sociology of Religion , Wake Forest University, Winston-Salem, Herbst 2003
  6. Bojan Aleksov, Marian Apparitions and the Yugoslav Crisis (PDF; 226 kB), Central European University, Budapest, Juni 2004
  7. Bosnia Camp Guard Convicted in Denmark , New York Times, 23. November 1994
  8. Ermin Čengić: Pola desno, četvrt lijevo , BH Dani vom 14. April 2000.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Čapljina (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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