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Überholvorgang


Als Überholvorgang (auch Überholen, Überholung) bezeichnet man das Passieren eines langsameren oder anhaltenden Verkehrsmittels (des Überholten) durch ein Schnelleres.

Auf der Straße

Verkehrsregeln für das Überholen

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Im Straßenverkehr findet ein Überholvorgang statt, wenn zwei Fahrzeuge auf derselben Fahrbahn mit unterschiedlicher Geschwindigkeit in dieselbe Richtung fahren und sich das schnellere Fahrzeug an dem langsameren Fahrzeug vorbeibewegt. Es ist dabei gleichgültig, ob sich die beiden Fahrzeuge auf demselben Fahrstreifen befinden oder nicht. Ebenso spielt die Absicht keine Rolle (Überholen durch das Langsamer werden des vorderen Fahrzeugs).

Im Gegensatz dazu bezeichnet Vorbeifahren das Passieren eines (nicht verkehrsbedingt) haltenden bzw. parkenden Fahrzeugs. Rechtlich zählt das Vorbeifahren an einem Fahrzeug, das verkehrsbedingt wartet (z. B. vor einer roten Ampel oder vor einem Fußgängerüberweg), als Überholen.

Bei Linksverkehr wird grundsätzlich – nicht generell – rechts, bei Rechtsverkehr grundsätzlich – nicht generell – links überholt. In der Bundesrepublik Deutschland regelt § 5 StVO das Überholen, in Österreich § 15 (allgemeine Vorschriften) und § 16 (Überholverbote) der österreichischen StVO.

Grundsätzlich darf in Deutschland nur links überholt werden, ausnahmsweise auch rechts in folgenden Fällen:

  • bei Kolonnenbildung (mind. drei Fahrzeuge) mit maximal 20 km/h Differenzgeschwindigkeit jedoch nur bis 80 km/h Maximalgeschwindigkeit, sofern mindestens zwei markierte Fahrstreifen für eine Fahrtrichtung vorhanden sind. Die Anforderung der wesentlich höheren Geschwindigkeit gilt hier ausdrücklich nicht, im Gegenteil ist mit der notwendigen Vorsicht vorbei zu fahren (lt. Rechtsprechung)
  • innerhalb geschlossener Ortschaften für Pkw und Lkw bis 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht und Motorräder, bei mindestens zwei markierten Fahrstreifen für eine Fahrtrichtung
  • in Bereichen, wo durch Ampeln der Verkehr geregelt wird
  • wenn Pfeile, die nebeneinander angebracht sind, in verschiedene Richtungen weisen
  • Linksabbieger, die sich zur Fahrbahnmitte eingeordnet haben, müssen rechts überholt werden
  • Auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen dürfen Abbieger die Fahrzeuge auf der durchgehenden Fahrbahn überholen, wenn die abgehenden Fahrstreifen mit einer breiten Leitlinie getrennt sind (§ 7a Abs. 1 StVO)[1] Das gilt nicht für Ausfädelungsstreifen (bisher Verzögerungsstreifen).
  • um eine Straßenbahn zu überholen, außer in Einbahnstraßen oder wenn die Schienen ganz rechts verlegt sind

Rechts überholen in Österreich:

  • Linksabbieger, die sich zur Fahrbahnmitte eingeordnet haben, dürfen auch rechts überholt werden
  • Straßenbahnen, wenn der Abstand zwischen den Gleisen und dem Fahrbahnrand baulich so groß ist, dass rechts überholt werden kann
  • Fahrzeuge des Straßendienstes, wenn sie nicht links überholt werden können

Voraussetzungen für das Überholen sind:

a) für den Überholenden:

  • genügend Fahrbahnbreite (Seitenabstand bei einspurigen Fortbewegungsmitteln 1,5 m – z.B. beim Überholen von Fahrrädern –, bei mehrspurigen 1 m)
  • wesentlich höhere Geschwindigkeit als das überholte Fahrzeug (siehe auch Elefantenrennen bei LKW). Dauert etwa der Überholvorgang eines LKW mit einer Differenzgeschwindigkeit von weniger als 10 km/h auf einer zweispurigen Autobahn mehr als 45 Sekunden, handelt es sich um ein ordnungswidriges Verkehrsmanöver (§ 5 Abs. 2 Satz 2, § 49 Abs. 1 Nr. 5 StVO), wenn dadurch der Verkehrsfluss unangemessen behindert wird.[2]
  • ausreichende Sicht auf den Gegenverkehr
  • keine Behinderung oder Gefährdung des Gegenverkehrs
  • keine Behinderung des Überholten
  • keine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs beim Ausscheren
  • keine Gefährdung durch den Fahrbahnzustand
  • kein Überholverbot (allgemein, aber auch für die entsprechende Fahrzeuggruppe)
    auf Autobahnen: LKW dürfen in Baustellen nicht überholen

b) für den Überholten:

  • keine Geschwindigkeitserhöhung (außer bei der Straßenbahn)
  • möglichst weit rechts fahren
  • keine Behinderung des Überholenden

Speziell außerhalb geschlossener Ortschaften zählt fehlerhaftes Überholen zu den Hauptunfallursachen.

Berechnung des Überholweges bei konstanter Fahrgeschwindigkeit

[math]S= {L_g \cdot\ v_h\over v_d}[/math]
  • [math]L_g[/math] = Gesamtlänge beider Fahrzeuge + beide Sicherheitsabstände (m)
  • [math]v_h[/math] = Geschwindigkeit des Überholers (km/h)
  • [math]v_d[/math] = Geschwindigkeitsunterschied zwischen beiden Fahrzeugen (km/h)

Rechenbeispiel:

Ein Pkw (5 m lang, 90 km/h schnell), möchte einen Lkw (18 m lang, 60 km/h schnell) auf einer Landstraße überholen.

  • [math]L_g[/math] = 5,0 m (Länge des Pkw) + 18,0 m (Länge des Lkw) + 45 m Sicherheitsabstand des Pkw zum Lkw vor dem Ausscheren + 50 m Sicherheitsabstand nach dem Überholen zum Lkw = 118 m (Der Sicherheitsabstand bezieht sich auf den nachfolgenden Verkehr, LKW mit Geschwindigkeit über 50 km/h müssen mindestens 50 Meter Sicherheitsabstand halten.)
  • [math]v_h[/math] = 90 km/h
  • [math]v_d[/math] = 30 km/h

Das ergibt 118 m [math]\cdot[/math] 90  : 30 = 354 m reiner Überholweg.

Bei einem entgegenkommenden Fahrzeug, das sich mit gleicher Geschwindigkeit wie der Überholer bewegt, ist dieser Überholweg zu verdoppeln. Damit ergibt sich als sicherer Abstand bis zu der Stelle, an der ein entgegenkommendes Fahrzeug derzeit fährt bzw. auftauchen kann (aus einer Kurve oder hinter einer Anhöhe) 708 m. (Falls dort in Gegenrichtung z.B. 100 km/h erlaubt sind, kann das entgegenkommende Fahrzeug mit dieser Geschwindigkeit fahren; dann ergeben sich entsprechend 354 + 393 = 747 m; etwas mehr ist vorzusehen für den Fall, dass das entgegenkommende Fahrzeug zu schnell fährt.)

Überholrate

Bei der Verkehrsplanung oder der Bestimmung der Leistungsfähigkeit einer Straße spielt die Überholrate eine wesentliche Rolle. Sie bezeichnet die Summe aller Überholvorgänge bezogen auf eine Zeitspanne und die Länge eines Streckenabschnittes. Die Einheit lautet U /(h * km). Erlaubt die Streckensituation nur wenige Überholvorgänge, besitzt die Überholrate einen entsprechend kleinen Wert.

Soft shoulders, Langlauf

Auf in Nordamerika verbreiteten Straßen mit sogenannten soft shoulders, also fahrspur-breiten Schotter-Banketten neben der asphaltierten (Zweirichtungs-)Fahrbahn wie etwa am Alaska Highway, ist es in manchen Staaten bzw. Provinzen Pflicht oder zumindest gute Sitte, dass der langsamere Vorausfahrende dem von hinten kommenden Schnelleren auf das Bankett ausweicht, wenn anzunehmen ist, dass der Schnellere überholen will. Der Überholende kann dadurch den Streifen mit dem besseren Fahrbahnbelag nutzen, der Überholte verlangsamt sein Tempo durch die bremsende Wirkung des Schotters, wodurch der Überholvorgang sehr rasch abläuft. Danach reiht sich der Überholte wieder nach links auf den Asphaltstreifen ein.

Dies entspricht dem Vorgehen von Langläufern auf einer einspurigen Loipe. Dort bremst der oft weichere Schnee rechts neben der Spur. Es ist aber sinnvoll, dass der zu Überholende auf eine sichere Ausweichgelegenheit wartet oder auch den Schnelleren etwas warten lässt, damit dieser Kräfte für den Überholsprint sammelt, der dann umso rascher vor sich geht und den Ausweichaufwand für den Überholten reduziert.

Auf der Schiene

In ähnlicher Weise kommt es im Betrieb von Eisenbahnen zu Überholungen. Zu diesem Zweck kann, muss aber nicht, der langsamere Zug stehenbleiben; bei der Deutschen Bahn beispielsweise unterbrechen langsame Züge unter Umständen ihre Fahrt in einem Überholbahnhof, um schnellere Züge vorbeizulassen, was dann als der langsame Zug geht in die Überholung bezeichnet wird. Alternative zum kostspieligen Stillstand und zugleich Verallgemeinerung ist der Gleiswechselbetrieb. Falls der überholte Zug nicht zum Stillstand kommt, spricht man auch von fliegender Überholung, was auch dann gilt, wenn er dabei eine andere, parallele Strecke befährt. Im Gegensatz zum Straßenverkehr weicht bei einer fliegenden Überholung in der Regel der überholte Zug auf das Gegengleis oder die andere Strecke aus, damit der überholende Zug seine Geschwindigkeit nicht wegen Gleiswechsels verringern muss.

Die Notwendigkeit von Überholungen entfällt ganz, wenn es zwei parallele (jeweils zweigleisige) Strecken gibt, auf denen jeweils eine andere Höchstgeschwindigkeit gilt. Meist wird dabei der S-Bahn-Verkehr mit seinen vielen Zwischenhalten vom übrigen Verkehr oder der langsamere Güter- vom Personenverkehr getrennt. Eine solche Entmischung schnellerer und langsamerer Züge ist zwar wünschenswert, lohnt sich aber nur bei Strecken mit hohem Verkehrsaufkommen. Auch ist sie nicht immer möglich, zum Beispiel in engen Flusstälern und Innenstadtbereichen.

Auf See

Auf See definiert das Wegerecht nach den Kollisionsverhütungsregeln Fahrzeuge als Überholer, die sich einem vorausfahrenden Fahrzeug in einem Winkel von mehr als 22,5° (2 Strich) achterlicher als querab nähern. Überholer sind ausweichpflichtig.

In der Luft

Im Luftverkehr hat ein überholendes – d. h. sich einem anderen Luftfahrzeug unter einem Winkel von weniger als 70° näherndes – Luftfahrzeug den Flugweg des Überholten zu meiden und seinen Kurs nach rechts zu ändern (§ 13 Abs. 3 Luftverkehrsordnung).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Überholvorgang  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. StVO (novelliert 2009) vorher § 42a Abs. 6 StVO a.F.
  2. OLG Hamm, Az. 4 Ss Owi 629/08.
Beachten Sie unsere <a href="/wiki/Rechtshinweise">Rechtshinweise</a>
pl:Ruch drogowy#Wymijanie, omijanie, wyprzedzanie

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Überholvorgang (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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